„Komplette Amateure“

Trumps Regierung versendet versehentlich Militärpläne an Reporter

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Unabsichtlich wird ein Reporter einem geheimen Chat der US-Regierung hinzugefügt. JD Vance, Pete Hegseth und Co. planen in teils flapsigem Tonfall Bombenangriffe.

Update vom Dienstag, 25. März: Nachdem bekannt wurde, dass ein US-Journalist zu einer Chatgruppe mit Angriffsplänen der USA gegen die Huthi-Miliz hinzugefügt worden war, meldet sich Pete Hegseth zu Wort. Der US-Verteidigungsminister bestreitet, Kriegspläne in die Chatgruppe mit dem Chefredakteur von The Atlantic, Jeffrey Goldberg, geschickt zu haben. Stattdessen überzieht er Goldberg mit Vorwürfen und versucht, ihn zu diskreditieren.

„Ihr sprecht über einen hinterlistigen und höchst verrufenen sogenannten Journalisten, der es sich zum Job gemacht hat, wieder und wieder Falschmeldungen zu verbreiten. Dieser Typ verbreitet Müll. Niemand hat Kriegspläne verschickt und das ist alles, was ich dazu zu sagen habe“, sagte Hegseth auf einer Hawaii-Reise gegenüber Medien.

Chat-Skandal um Hegseth, Waltz und Co: Pentagon-Chef „unseriös“

Goldberg bezeichnete Hegseth in einem TV-Interview als „unseriös“ und sagte, der Pentagon-Chef versuche seiner Meinung nach davon abzulenken, dass er sich an einer Konversation in einem unklassifizierten Messenger beteiligt habe, an der er sich nicht hätte beteiligen sollen.

Erstmeldung vom Montag, 24. März: Washington – Viele Menschen würden wohl gerne einmal hinter die Kulissen der politischen Entscheidungsfindung blicken. Genau das war dem Chefredakteur des US-Magazins The Atlantic Mitte März möglich – allerdings ungewollt. Aus Versehen wurde er zu einem geheimen Chat mit US-Vizepräsident JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth hinzugefügt, die gerade Militärschläge planten.

Gebets-Emojis in geheimem US-Chat über Militärangriff auf die Huthi-Miliz im Jemen

Dank zahlreicher Hollywood-Filme glauben viele eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, wie politische Entscheidungsträger Angriffspläne ausarbeiten. Wie es – zumindest in der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump – tatsächlich abläuft, lässt sich dank einer Panne im Weißen Haus nun recht gut nachvollziehen. J.D. Vance, Verteidigungsminister Hegseth und Außenminister Marco Rubio schreiben teils nonchalant in einem Signal-Gruppenchat über Militäroperationen, inklusive Gebets-Emojis, Schimpftiraden gegen Europa und eines ungewollten Leaks zwei Stunden vor dem Angriff. Aber der Reihe nach.

Atlantic-Chefredakteur Jeffrey Goldberg schildert am Montag (24. März), wie er am 11. März auf der Messaging-App Signal eine Kontaktanfrage von einem Nutzer namens Michael Waltz erhielt. Er sei nicht davon ausgegangen, dass es sich um den echten nationalen Sicherheitsberater von Donald Trump handelte, habe die Anfrage aber dennoch angenommen, so Goldberg. Zwei Tage später wurde er dann der Signal-Chatgruppe „Houthi PC Small Group“ hinzugefügt.

Neben Vance, Hegseth und Rubio waren auch Finanzminister Scott Bessent und Tulsi Gabbard, die Direktorin der Nationalen US-Geheimdienste in dem Chat. Goldberg ging zunächst davon aus, dass es sich unmöglich um die tatsächlichen Regierungsmitglieder handeln könne. Der Reporter vermutete eine Art Desinformationskampagne oder einen Betrugsversuch dahinter, den Chat verfolgte er jedoch weiterhin.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago

Geheime Debatte: Vance und Hegseth diskutieren Militärschlag im Jemen

Am 14. März begannen in der Gruppe politische Diskussionen über das Für und Wider eines Militärschlags auf die Huthi-Miliz im Jemen. JD Vance warf ein, er glaube, der Angriff sei ein Fehler: „Drei Prozent des US-Handels laufen über den Suezkanal. 40 Prozent des europäischen Handels. Es besteht die reale Gefahr, dass die Öffentlichkeit dies nicht versteht und nicht versteht, warum es notwendig ist.“

Damit wich der Vizepräsident in dem geheimen Chat der Linie von Trump ab – obwohl er öffentlich bislang bei allem zugestimmt hatte. „Ich bin mir nicht sicher, ob dem Präsidenten bewusst ist, wie sehr dies seiner aktuellen Europa-Aussage widerspricht“, so Vance weiter. Außerdem bestehe das Risiko eines moderaten Anstiegs der Ölpreise. Die Gruppe debattiert weiter, Zuspruch bekommt Vance grundsätzlich von Hegseth. Der US-Verteidigungsminister plädiert aber darauf, nicht mehr zu warten. Die Nachricht könnte durchsickern „und wir wirken unentschlossen“, lautet einer seiner Einwände.

Wenig später schreibt Vance: „Wenn du meinst, wir sollten es tun, dann los. Ich hasse es einfach, Europa schon wieder aus der Patsche helfen zu müssen.“ Hegseth antwortet: „Vizepräsident: Ich teile Ihre Abneigung gegen europäische Trittbrettfahrerei voll und ganz. Es ist erbärmlich. Aber [...] wir sind die Einzigen auf dem Planeten [...], die das können. Niemand sonst kommt auch nur annähernd heran. Die Frage ist der Zeitpunkt. Ich denke, jetzt ist ein ebenso guter Zeitpunkt wie jeder andere, angesichts der Anweisung des Präsidenten, die Schifffahrtswege wieder zu öffnen.“

Panne im Weißen Haus: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth chattet mit Vizepräsident JD Vance – und ein Reporter kann alles mitlesen (Archivbild).

Hegseth schickt geheime Pläne mit genauen Zielen, eingesetzten Waffen und Ablauf des Angriffs

Dann werden die im Chat enthaltenen Daten so brisant, dass Goldberg sie auch nachträglich nicht veröffentlichen kann, ohne aktive Geheimagenten zu entlarven oder Militärpersonal zu schaden. Nur so viel: Ein weiteres Update von Hegseth enthält genaue Informationen zu den Zielen, den dabei verwendeten Waffensystemen und dem exakten zeitlichen Ablauf der Militäroperation. Vance antwortet darauf: „Ich werde für den Sieg beten“, worauf zwei Nutzer die Nachricht mit einem Gebets-Emoji versehen. Die ersten Einschläge im Jemen sollen demnach um 13.45 Ostküstenzeit (19.45 Uhr deutscher Zeit) beginnen, heißt es.

Kurz darauf kamen Berichte über Detonationen in Sanaa, der jemenitischen Hauptstadt, wie der Altantic-Chefredakteur feststellte. Das überzeugte ihn schließlich, dass die Unterhaltung echt war. „Ich dachte nicht, dass es real sein könnte. Dann begannen die Bomben zu fallen“, schrieb er. Der nationale Sicherheitsberater der USA, Michael Waltz teilte kurz darauf weitere Entwicklungen in der Gruppe und sprach von „erstaunlicher Arbeit“ und versah einen Kommentar darauf mit drei Emojis: einer Faust, einer US-Flagge und Feuer. Nach Huthi-Angaben waren bei dem massiven US-Militäreinsatz am 15. März gegen die vom Iran unterstützte Miliz 53 Menschen getötet und knapp hundert weitere verletzt worden.

Signal-Debatte im Visier: Mögliche rechtliche Verstöße im geheimen Chat

Goldberg verließ die Gruppe daraufhin. Seinen Angaben nach schien niemand seine Anwesenheit bemerkt zu haben. Im Anschluss wendete sich der Reporter mit Fragen an Waltz, Hegseth und andere hochrangige Beamte, die Mitglieder des Chats waren. Brian Hughes, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, bestätigte die Authentizität des Chatverlaufs. „Wir prüfen, wie versehentlich eine Nummer hinzugefügt wurde“, so Hughes und behauptete, der Nachrichtenverlauf sei ein „Beweis für die intensive und sorgfältige politische Abstimmung zwischen hochrangigen Beamten“.

Laut dem Atlantic-Chefredakteur waren die Chat-Nachrichten teils so eingestellt, dass sie sich nach einiger Zeit selbst löschten. Das könnte gegen das US-Bundesarchivgesetz verstoßen haben. Möglicherweise habe Waltz durch die Koordination einer sicherheitsrelevanten Aktion über Signal zudem gegen das Spionagegesetz verstoßen, so die Einschätzung mehrere Anwälte gegenüber Atlantic. Der demokratische Politiker Chris Coons schrieb auf der Plattform X, jeder einzelne der Regierungsmitarbeiter in dem Chat „hat nun eine Straftat begangen“. „Unsere nationale Sicherheit befindet sich in den Händen kompletter Amateure“, kommentierte die demokratische Senatorin Elizabeth Warren (bme).

Rubriklistenbild: © IMAGO/Tom Williams / Newscom World

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