Tucker Carlson kündigt Interview mit Wladimir Putin an - Kreml in Euphorie
VonDaniel Dillmann
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Nach seinem Rauswurf bei Fox News hat Tucker Carlson viel Zeit. Die nutzt der Verbündete Donald Trumps offenbar für einen Besuch in Moskau.
Update vom 8. Februar, 12.10 Uhr: Was kaum möglich gehalten wurde, wird nun doch Realität. Tucker Carlson hat angekündigt, in Kürze sein Interview mit Wladimir Putin zu veröffentlichen. Das Gespräch soll in der Nacht zu Freitag live gehen und sehr wahrscheinlich auf Carlsons Twitter (neuerdigs X)-Account zu finden sein.
Für Carlson könnte das aber ein Nachspiel haben. Laut eines Berichts des Nachrichtenportals Newsweek drohen dem ehemaligen Moderator von Fox News in den USA Sanktionen, sollte er tatsächlich Wladimir Putin interviewt haben und dabei keine kritischen Fragen, zum Beispiel zu inhaftierten US-Journalisten in Russland, gestellt haben.
Tucker Carlson ist in Moskau - Kreml-Presse feiert Besuch
Update vom 6. Februar, 22.53 Uhr: Die bloße Ankunft von Tucker Carlson sei schon jetzt „ein großer Vorteil“ für Putin, sagte eine Kreml-nahe Quelle gegenüber der Moscow Times. In Putins Zirkel hoffe man auf eine große Reaktion „jenseits des Ozeans“, wo Carlson ein „riesiges Publikum“ habe. Eine andere Quelle erklärte dem unabhängigen Portal, dass Moskau Carlson bereits eine Weile beobachte und erwarte – „er ist hier willkommen“, wird die Person zitiert.
Update vom 6. Februar, 21.03 Uhr: Also doch: Der frühere Fox-News-Moderator Tucker Carlson hat angekündigt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu interviewen. In einem am Montag auf der Online-Plattform X (ehemals Twitter) verbreiteten Video sagte der 54-Jährige: „Wir sind in Moskau heute Abend. Wir sind hier, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu interviewen.“
Der rechte Talkmaster, der für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannt ist, erklärte, es sei sein Job, die Menschen zu informieren. Die meisten Amerikaner seien nicht informiert, weil ihnen niemand die Wahrheit sage und die Medien korrupt seien.
Update vom 5. Februar, 08.33 Uhr: Sein Besuch schlägt weiter hohe Wellen. Tucker Carlson hält sich in Russland auf, und geht es nach den Staatsmedien, dann wird der ehemalige Moderator dort schon bald Wladimir Putin interviewen. Ein solches Gespräch wäre ein „epochaler Event“ schreibt zum Beispiel der Kreml-treue Militärblogger Bezgranichny Analitik laut dem Nachrichtenportal Politico.
Auch im Kreml scheint man ernsthaft darüber nachzudenken, Carlson die Chance zu geben, mit Putin zu sprechen. Das zumindest lässt Sprecher Dimitri Peskow vermuten. Der sagte zwar, man erhalte „dutzende Anfragen westlicher Medien“, was vor allem daran liege, dass „die westliche Gesellschaft durch russophobe Propaganda verblödet“ sei. Man plane aber durchaus das ein oder andere Interview in den kommenden Wochen. Wer diese Gespräche führen dürfe, das sei noch nicht entschieden. Tucker Carlson könne aber durchaus zu den Kandidaten gehören, so Peskow.
Tucker Carlson reist nach Moskau und besucht das Bolschoi-Theater
Erstmeldung vom 4. Februar 2024: Moskau – Der ehemalige TV-Moderator Tucker Carlson ist in Moskau gesichtet worden. Das berichtet unter anderem das belarussische Nachrichtenportal Nexta und bezieht sich dabei auf mehrere Beiträge in den sozialen Medien. In der Hauptstadt Russlands soll der ehemalige Star des rechtskonservativen Nachrichtensender Fox News bereits am Donnerstag (1. Februar) eingetroffen sein und dort die Ballett-Aufführung „Spartacus“ im Bolschoi Theater besucht haben.
Die Nachricht von Tucker Carlsons Reise nach Moskau weckte umgehend Spekulationen um den wahren Grund seines Aufenthalts. Carlson gilt als enger Verbündeter Donald Trump. Nach seinem bis heute mysteriösen Rauswurf bei Fox News hatte der Sohn des ehemaligen Präsidenten, Donald Trump Jr., Carlson sogar als möglichen Kandidaten Trumps für die Vizepräsidentschaft bei der anstehenden US-Wahl 2024 ins Spiel gebracht. Der Moderator selbst veröffentlicht aktuell immer wieder Interviews auf seinem Twitter-Profil.
American propagandist Tucker Carlson has been spotted in Moscow, Russian media reports
Images appeared in social networks. It is reported that Carlson visited the ballet "Spartacus" at the Bolshoi Theater. On his official pages there is no information about the trip to Russia. pic.twitter.com/Qcf9h6Vw7u
Tucker Carlson besucht Moskau und spricht über mögliches Interview mit Wladimir Putin
Tucker Carlsonds Besuch in Moskau könnte mit diesen Interviews in Zusammenhang stehen. Bereits im September 2023 hatte er der Weltwoche, einer rechtskonservativen Nachrichtenplattform aus der Schweiz, gesagt, er habe sich lange um ein Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bemüht. „Ich habe versucht, Wladimir Putin zu interviewen, aber die US-Regierung hat das verhindert“, behauptete der Moderator in dem Gespräch. In den USA sei es nicht erwünscht, „Putins Stimme zu hören“. Das Interview mit Carlson war rund vier Monate nach dessen Abgang bei Fox News veröffentlicht worden.
Da Carlson nun aber weder einem Arbeitgeber noch der US-Regierung von Präsident Joe Biden verpflichtet ist, könnte es sich bei seinem Besuch in Moskau um einen erneuten Versuch handeln, mit Wladimir Putin zu sprechen. Weder der Moderator noch der Kreml haben laut einem Bericht von Newsweek zu den Vermutungen Stellung bezogen.
Zur Person: Tucker Carlson
Name
Tucker Swanson McNear Carlson
Alter
54 Jahre (geboren am 16. Mai 1969 in San Francisco
Bisherige Arbeitgeber
CNN (2000-2005), MSNBC (2005-2008), Fox News (2009-2023)
Ehefrau
Susan Andrews (seit 1991)
Donald Trumps Verbündete springen Tucker Carlson zur Seite
Das übernahmen andere Verbündete von Donald Trump, allen voran Marjorie Taylor Greene. Die Kongress-Abgeordnete der Republikaner aus dem US-Bundesstaat Georgia schrieb auf Twitter: „Die Demokraten und ihre Propagandisten in den Medien sind ganz aus dem Häuschen, weil Tucker Carlson Putin interviewt.“
In seiner Zeit bei Fox News und danach hat Tucker Carlson das Engagement der USA im Ukraine-Krieg immer wieder kritisiert. Das wiederum war auch Putins Propagandamaschinerie in den russischen Staatsmedien nicht entgangen. Laut einem Bericht der US-Nachrichtenplattform Mother Jones kurz nach Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine forderte der Kreml die eigenen Anstalten in einem Schreiben dazu auf, mehr Mitschnitte von Tucker Carlson in ihren Beiträgen zu verwenden.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten
Margarita Simonjan, eine der bekanntesten Propagandisten Wladimir Putins, bestätigte die Versuche des US-Moderators, den russischen Präsidenten zu sprechen. Die Arbeit Carlsons lobte die Fernsehjournalistin ausdrücklich. Und dass auch der Kreml einem Gespräch unter Gleichgesinnten grundsätzlich positiv gegenüber stehe, bestätigte kurz darauf Regierungssprecher Dmitri Peskow laut der russischen Nachrichtenagentur Tass. (dil)