Waffenverkäufe

Türkische Drohnen werden zum Verkaufsschlager und Marktführer

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Die Türkei verkauft immer mehr Waffen ins Ausland. Besonders Drohnen sind ein Exportschlager. In Nordostsyrien hingen verbreiten sie Angst und Schrecken.

Ankara – Die Türkei mischt im globalen Waffenhandel immer stärker mit. Alleine in den ersten zehn Monaten des Jahres habe die türkische Verteidigungsindustrie insgesamt Waffen im Wert von 4,3 Milliarden Dollar ins Ausland verkauft, schreibt das Branchenmagazin Savunma Sanayi ST. Bis Jahresende soll der Export von türkischen Waffen einen Wert von sechs Milliarden Dollar erreichen. Den Rekord hat die türkische Verteidigungsindustrie um Juni erreicht. Alleine in jenem Monat wurden Waffen für 657 Millionen Dollar ins Ausland verkauft.

Türkei exportiert besonders Drohnen

Recherchen von Savunma Sanayi ST haben ergeben, dass 50 Prozent der Exporte aus Drohnen sowie gelenkter und ungelenkter Munition besteht. Die türkischen Unternehmen haben inzwischen mit 50 Ländern Verträge über die Lieferungen von Drohnen unterzeichnet. Alleine der Drohnenhersteller Baykar, der Hersteller der bekannten Bayraktar TB2 Drohne, hat demnach mit 40 Ländern Kaufverträge abgeschlossen. Dabei ist der größte Kunde derzeit Saudi-Arabien. Das Land wird Drohnen und Lenkmunition im Wert von drei Milliarden Dollar aus der Türkei bekommen.

Erdoğan lässt Schwiegersohn zum Monopol für Drohnen aufsteigen

Auch das eigene Militär beschafft sich immer mehr Waffen aus der eigenen Verteidigungsindustrie. Mit einem Budget von 16 Milliarden Dollar kann sich die Türkei einer riesigen Drohnenflotte aus eigener Produktion erfreuen. Der größte Nutznießer bei der Herstellung von Drohnen ist Baykar. Zwar gibt es mehrere Drohnenhersteller, aber Baykar ist der größte Nutznießer. Das Unternehmen gehört der Familie von Selcuk Bayraktar, dem Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

„Nachdem Selçuk Bayraktar Erdoğans Schwiegersohn geworden war, erhielt Baykar ein Monopol in diesem Sektor. Als die türkischen Streitkräfte auf politische Anweisung keine Produkte von anderen Unternehmen kauften, übernahm Baykar den Sektor“, sagt der türkische Exiljournalist Cevheri Güven im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA.

Türkische Drohnen werden zum globalen Verkaufsschlager.

Das Unternehmen des Präsidentenschwiegersohns floriert, sagt Güven. „Erdoğan hat die Exporte von Baykar ins Ausland in keiner Weise eingeschränkt. Der Verkauf von bewaffneten Baykar-Drohnen an Länder, die im Verdacht stehen, Menschenrechte zu verletzen, wie Somalia, Dschibuti, Algerien und Niger, wurde mit Erdoğans Erlaubnis möglich. Es besteht der Verdacht, dass diese Regierungen diese Drohnen gegen ihre eigene Bevölkerung oder gegen die Opposition einsetzt.“

Allerdings gibt Güven zu bedenken, dass die Drohnen von westlicher Technologie abhängig seien: „Kamerasysteme, Triebwerke, einige Software und Lenkungstechnologien für die verwendete Munition werden importiert.“ Die türkischen Drohnen vom Typ Bayraktar TB2 wurden anfangs auch in der Ukraine erfolgreich gegen Russland eingesetzt, inzwischen jedoch mit weniger Erfolg. Als Russland seine Luftstreitkräfte in der Ukraine verstärkte, wurden die TB2-Drohnen am Boden zerstört.

Türkische Drohnen versetzen Menschen in Nordostsyrien in Angst

Die Türkei setzt die Drohnen allerdings verstärkt in Nordostsyrien (Kurdisch: Rojava) ein. Dort versetzen sie die Menschen in Angst und Schrecken. „Die ständige Bedrohung durch Drohnen lässt die Menschen in ständiger Angst leben. Sie fühlen sich nirgends sicher. Dies führt zu tiefgreifenden psychischen Belastungen, insbesondere bei Kindern, die in einem Klima der Unsicherheit aufwachsen“, sagt Khaled Davrisch, Vertreter der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Deutschland, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Die türkischen Angriffe hätten in der Gegend das Gefühl von Sicherheit und Normalität zerstört.

Der Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Dr. Kamal Sido, fordert angesichts der türkischen Drohnenangriffe auf Nordostsyrien Konsequenzen. „Es ist an der Zeit, dass sich Erdoğans Nato-Partner fragen, wie lange der Drohnenterror der Türkei in Nordsyrien noch andauern wird. Im April dieses Jahres habe ich am eigenen Leib gespürt, in welcher Angst die Menschen in den kurdischen Ortschaften entlang der syrisch-türkischen Grenze leben. Es kann jeden treffen“, erklärte Sido auf FR-Anfrage. „Dieser Drohnenterror treibt die Menschen in die Flucht. In Deutschland, in Europa sind die Flüchtlinge nicht willkommen. Wohin sollen sie fliehen? Wer Erdoğan beim Bau der Drohnen hilft oder zum Einsatz schweigt, muss dafür sorgen, dass die Flüchtlinge aufgenommen werden“, so Sido. (erpe)

Rubriklistenbild: © dpa/Ahmed Deeb

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