Nach Gewalt von Regierungsanhängern

Proteste in Serbien: Mehr als 60 Verletzte bei Demos gegen Präsident Vučić

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Seit Monaten wächst der Widerstand gegen Vučić. Die jüngsten Proteste führten zu Gewalt. Die internationale Gemeinschaft bleibt bisher zurückhaltend.

Belgrad – In der Nacht auf Donnerstag gab es bei Protesten gegen Präsident Aleksandar Vučić in Serbien laut Regierungsangaben Dutzende Verletzte. Mindestens 64 Menschen sollen demnach allein bei Demonstrationen im nordserbischen Novi Sad verletzt worden sein. Sicherheitskräfte der autoritären Regierung von Vučić sowie dessen Unterstützer waren gegen die von Studierenden organisierten Proteste vorgegangen.

Aufnahmen in sozialen Medien sollen zeigen, wie Anhänger von Vučić Feuerwerk in eine Gruppe von Demonstrierenden wirft. Zudem kursieren Videos mit scheinbar gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Zivilpersonen dokumentieren. Die Beamten setzten außerdem Tränengas ein.

Vučić: Demonstrierende wollen einen „Bürgerkrieg“ in Serbien anzetteln

Präsident Aleksandar Vučić kündigte ein noch härteres Vorgehen gegen Demonstrierende an. „Wir ergreifen gerade Maßnahmen und die Straßen von Belgrad werden gesäubert, die Straßen von Novi Sad werden bald gesäubert sein, bald werden wir alle unsere Städte von Schlägern, Mördern und allen anderen befreien“, sagte Vučić der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug. Er behauptete, die Proteste seien aus dem Ausland organisiert und sollte einen „Bürgerkrieg“ in Serbien herbeiführen. Nachweise legte er dafür nicht vor. Vučić hat die Demonstrierenden immer wieder als „Terroristen“ bezeichnet, obwohl die Proteste weitgehend friedlich waren.

Ein Konflikt zwischen Demonstrierenden und Anhängern der regierenden SNS-Partei eskaliert am 13. August 2025 in Novi Sad in Serbien.

Seit neun Monaten gibt es in Serbien verstärkt Demonstrationen gegen die Regierung von Aleksandar Vučić und seiner SNS-Partei. Auslöser war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novis Sad, bei dem im November 2024 16 Menschen starben. Der Vorfall soll auf Korruption in der Regierung zurückgehen.

Serbien will unter Vučić weiter in die EU

Zu den Protesten am Mittwoch hatten Studierende und andere Gruppen im ganzen Land aufgerufen. Sie waren eine Reaktion auf gewaltsame Angriffe von SNS-Anhängern auf Demonstrierende im Norden des Landes. Vor 30 Parteizentralen in Serbien waren für gestern Proteste angekündigt.

In Deutschland und der EU hält sich die Politik angesichts der Eskalationen der serbischen Regierung bisher zurück. Vučić zeigt immer wieder Nähe zum russischen Diktator Wladimir Putin und reiste im Mai auch nach Moskau. Obwohl die Menschenrechtslage unter der SNS in den vergangenen Jahren kritisch ist, bleibt das Land zudem offiziell Aufnahmekandidat für die EU. 2024 haben sich die Verbindungen noch einmal verstärkt: Serbien soll künftig vermehrt Lithium in die EU-Mitgliedsstaaten liefern.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Maxim Konankov

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