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Äthiopien fordert seit Jahren die Rückführung der sterblichen Überreste eines Prinzen, der Palast stellt sich quer. Auch König Charles III. bleibt stur - und das trotz Kolonialismus-Vorwürfen.
Windsor – Kaum ist König Charles III. im Amt, liefert die britische Königsfamilie auch schon einen Skandal samt Kolonialismus-Vorwürfen: Der Buckingham Palace hat einen Antrag auf Rückgabe der sterblichen Überreste eines äthiopischen Prinzen abgelehnt, der im 19. Jahrhundert auf Schloss Windsor beigesetzt wurde. Das berichtet die britische Zeitung The Guardian.
Prinz Alemayehu, ein angeblicher Nachfahre des biblischen Königs Salomon, wurde nach der Schlacht von Maqdala 1868 und der damit einhergehenden Plünderung der kaiserlichen Zitadelle nach England gebracht - manche sagen „gestohlen“. Der Prinz starb im jungen Alter von 18 Jahren und wurde auf Wunsch von Königin Victoria in der St. George‘s Chapel auf Schloss Windsor beigesetzt.
Kolonialismus-Vorwürfe: Sterbliche Überreste von äthiopischem Prinz dürfen nicht rückgeführt werden
Das Land Äthiopien fordert seitdem die Rückführung der sterblichen Überreste, die Regierung des Landes hat sich wiederholt dafür eingesetzt. Prominente Persönlichkeiten wie der Dichter und Schriftsteller Lemn Sissay haben sich der Kampagne zur Rückführung angeschlossen.
Doch der Buckingham Palace stellt sich auch heute noch quer. Ein Sprecher der Königsfamilie erklärte gegenüber dem britischen Sender BBC, dass eine Exhumierung der sterblichen Überreste weitreichende Folgen hätte. Der Sprecher verwies auf andere Körper Verstorbener, die in den Katakomben der St. George‘s Chapel in Windsor Castle begraben sind. „Es ist sehr unwahrscheinlich, die sterblichen Überreste zu exhumieren, ohne die Ruhestätte einer beträchtlichen Anzahl anderer Personen in der Nähe zu stören“, hieß es aus dem Palast. Die sterblichen Überreste des äthiopischen Prinzen waren zusammen mit denen von neun anderen Personen beigesetzt worden.
Kolonialismus-Vorwürfe an Buckingham Palace: Äthiopien fordert Prinz Alemayehus sterbliche Überreste
Der Buckingham Palace versicherte, Alemayehus Andenken zu ehren, allerdings hätte er auch „die Verantwortung, die Würde der Verstorbenen zu wahren“. Das Königshaus habe in der Vergangenheit allen Anfragen äthiopischer Delegationen, die die Kapelle besuchen wollten, entsprochen.
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Die Kampagne zur Rückführung von Prinz Alemayehu begann im Jahr 2006, als der äthiopische Präsident in einem Schreiben an Königin Elisabeth um die Exhumierung der sterblichen Überreste bat, was daraufhin abgelehnt wurde. Nach Angaben der äthiopischen Botschaft antwortete der Lord Chamberlain im Namen der Königin: „Ihre Majestät befürwortet zwar die Rückführung [...], aber eine Identifizierung der sterblichen Überreste des jungen Prinzen Alemayehu ist nicht möglich“.
Nachdem König Charles III. seit einigen Wochen im Amt ist, gab es neue Hoffnungen, der Palast könnte seine Haltung zu dem Thema verändern. Zudem war in den vergangenen Jahren das Thema Kolonialismus und die Aufarbeitung im Fokus der Öffentlichkeit. Nun scheint es aber, als hätte der neue König seinen ersten Kolonialismus-Skandal. (fmü)

