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Cem Özdemir hat sich auf dem Treffen der Landwirtschaftsminister gegen die Freigabe von ökologischen Vorrangflächen für die Landwirtschaft ausgesprochen.
Magdeburg - Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grünen) hat sich im Rahmen des Treffens der Landwirtschaftsminister der Länder gegen eine Abkehr von den Klima- und Naturschutzzielen mit Blick auf den eskalierten Ukraine-Konflikt ausgesprochen. In der vergangenen Woche hatte sich unter anderem Bauernpräsident Joachim Rukwied dafür ausgesprochen, einen Teil der ökologischen Vorrangflächen für den Anbau von Lebensmitteln nutzen zu dürfen, um einer durch den Ukraine-Krieg bevorstehenden Lebensmittel-Knappheit entgegenzuwirken.
Özdemir lehnt Getreideabbau auf Ökoflächen ab - müssen allen Krisen gerecht werden
Özdemir sagte am Freitag, man müsse allen Krisen gerecht werden. Die Klimakrise und das Artensterben gingen weiter und bedrohten die Grundlage der Landwirtschaft und damit am Ende auch die Ernährungssicherheit. Zwar bekräftigte der Grünen-Politiker, dass in diesem Jahr „ökologische Vorrangflächen“ als Futter genutzt werden dürfen, betonte jedoch auch, dass es sich dabei um eine Ausnahme handeln würde. Forderungen, wonach ökologische Vorrangflächen wieder vollständig für die Landwirtschaft zugänglich gemacht werden sollen, lehnte der Minister ab.
Der 56-Jährige betonte, dass das zusätzliche Ertragspotenzial durch solche Maßnahmen nur gering ausfallen würden. Berechnungen zufolge könnten dabei nur zusätzlich 0,6 Millionen Tonnen bei einer Getreideernte von 45 Millionen Tonnen gewonnen werden. Darüber hinaus gab der Landwirtschaftsminister an, dass vor allem die stark angestiegenen Energiepreise aktuell Preistreiber für die Lebensmittel sein. „Es ist nicht das Mehl, das bei Brot vor allem den Preis ausmacht.“ Auch verwies Özdemir auf die Entlastungspakete, die durch die Ampel-Regierung bereits auf den Weg gebracht wurden. Einen Anlass für Hamsterkäufe gebe es aktuell ohnehin nicht.
Lebensmittelknappheit durch Ukraine-Krieg? CSU kritisiert Landwirtschaftsminister Özdemir
Kritik an Özdemirs Haltung kommt vor allem auch aus der Union. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erklärte, ihr Bundesland habe eine Freigabe dieser Flächen zum Anbau in diesem Jahr im Bundesrat beantragt. Dieser Antrag habe am Freitag im Agrarausschuss auch eine Mehrheit der Länder erhalten. Mit Blick auf Özdemir erklärte die CSU-Politikerin. „Dass sowohl die Europäische Union wie auch diese Mehrheit im Bundesratsausschuss die Notwendigkeit der Lebensmittelproduktion auf diesen Flächen sieht, sollte die Bundesregierung nochmal zum Nachdenken veranlassen.“
Grüne gegen Getreideanbau auf Ökoflächen - „Schaden für Umwelt und Artenvielfalt wäre ernorm“
Zustimmung erhielt der Bundesminister jedoch aus der eigenen Partei. Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) warnte vor einer „Rolle rückwärts“, welche die Bundesregierung bei der Freigabe der ökologischen Vorrangflächen machen würde. Hunger bekämpfe die Politik nicht, „indem wir ökologische Ruhezonen und Puffer für Artenvielfalt für den Anbau freigeben“, so Günther. Die zusätzlichen Produktionskapazitäten, wenn Stilllegungsflächen bebaut würden, lägen zudem im Zehntel-Prozent-Bereich. „Der Schaden für Umwelt und Artenvielfalt wäre hingegen enorm“, erklärt der Grünen-Politiker weiter.
Die Landwirtschaftsminister der Länder hatten bei ihrem Treffen vor allem über Maßnahmen für die deutsche Landwirtschaft als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine diskutiert. Die kriegsbedingten Ernteausfälle in der Ukraine, die auch als Kornkammer Europas bezeichnet wird, werden aller Voraussicht nach auch Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung von ganz Europa haben. (fd/dpa/afp)
