VonBedrettin Bölükbasischließen
Im Ukraine-Konflikt erkannte Putin die Unabhängigkeit der Separatistengebiete an. Der Kreml-Sicherheitsrat dazu war jedoch nicht live, sondern vorab aufgezeichnet.
München - Mit Spannung wurde gestern (21. Februar) der Sicherheitsrat im Kreml verfolgt. Für den Ukraine-Konflikt war die vom russischen Machthaber Wladimir Putin geleitete Sitzung ein entscheidender Moment, denn nach diesem Sicherheitsrat könnte Putin die Unabhängigkeit der sogenannten pro-russischen „Volksrepubliken“ Donetzk und Luhansk anerkennen. Tatsächlich kam es auch wie befürchtet und Putin unterzeichnete die entsprechenden Dokumente.
Im Sicherheitsrat durfte jeder Minister seine eigene Meinung vortragen. Als Verteidigungsminister Sergei Schoigu auf die Bühne tritt, fiel jedoch einigen etwas heikles auf und ließ vermuten, dass Putin zur Zeit der Ausstrahlung des Sicherheitsrates seine Entscheidung schon längst getroffen hatte. Die Uhr von Schoigu hinkte fünf Stunden nach. Die Vermutungen bestätigten sich.
Ukraine-Konflikt: Russischer Sicherheitsrat doch nicht live? - Uhr von Schoigu löst Zweifel aus
Die Uhr des russischen Verteidigungsministers zeigte bei seiner Rede die Uhrzeit 12.45 Uhr an. Allerdings lief die „Live“-Ausstrahlung der Sitzung nicht etwa zu der von Schoigus Uhr angegebenen Zeit, sondern fünf Stunden später. Um 12.45 Uhr hatten die Anführer der pro-russischen Separatistengebiete im Osten der Ukraine noch nicht um Anerkennung gebeten. So kamen Zweifel über die Sitzung auf, dass sie offenbar schon vorab aufgezeichnet und jetzt lediglich abgespielt wurde.
The funny part is all Putin's pageantry around whether to recognize the separatist republics...already happened. Shoigu's watch seemed to read 12:45pm when we saw him on TV a few minutes ago @tvrain @meduzaproject pic.twitter.com/KhFO1QOebm
— Alec Luhn (@ASLuhn) February 21, 2022
Im Gegensatz zu Schoigu legte Wladimir Putin seine Uhr auf den Tisch ab, sodass die Kamera die Uhrzeit nicht ablesen konnte - wahrscheinlich um genau das zu vermeiden, was Schoigus Uhr auslöste. Sofort wurde in den sozialen Medien spekuliert, dass die Entscheidung zu den „Volksrepubliken“ im Osten der Ukraine bereits gefallen ist und dass der Sicherheitsrat lediglich als Formalität ausgestrahlt wird.
Während Putin seine Uhr ablegte, hat der Verteidigungsminister Schoigu diese anbehalten.
— ¯\_(ツ)_/¯ 🇪🇺 (@Neiswestnij) February 21, 2022
Sie zeigte 12:47.
Diese „Live“ Ausstrahlung ist damit 5 Stunden versetzt.
Damit besprechen sie die Bitten zur Anerkennung der abtrünnigen „Republiken“ bevor diese überhaupt getätigt wurden. pic.twitter.com/6TjhfL6PIg
Zwar argumentierten manche auch, es könne sich schlicht um eine falsche Einstellung der Uhr gehandelt haben. Allerdings ist nicht ersichtlich, warum etwa der russische Präsident seine Uhr sonst abgelegt haben könnte. Schließlich ist er bei öffentlichen Auftritten öfters mit Uhren zu sehen. Die Enthüllungen zum Sicherheitsrat beschränkten sich aber nicht nur auf die Uhr von Schoigu. Die vermeintliche Live-Aufnahme schien zusammengeschnitten, wie auch die Financial Times berichtete. Einzelne Passagen schienen geschnitten oder entfernt zu sein. Auffällig war auch, wie schnell die einzelnen Sprecher nach ihrem Auftritt zu ihrem Sitz zurückkehrten. Offensichtlich wurden zum Beispiel diese Stellen einfach rausgeschnitten.
Ukraine-Konflikt: Kreml-Sprecher bestätigt Vermutungen - „Es waren Aufzeichnungen“
Die Beobachtungen erwiesen sich tatsächlich als richtig. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass es sich bei der Übertragung des Sicherheitsrats eigentlich um eine Aufnahme gehandelt hat. „Es war extrem wichtig, die Argumente des Staatspräsidenten und die Argumente der Mitglieder des Sicherheitsrats zu zeigen“, betonte Peskow laut der russischen Agentur Interfax. Allerdings habe man aus Sicherheitsgründen nicht alles zeigen können und deshalb einzelne Passagen rausgeschnitten. Daneben habe man auch nicht alle Reden in die Aufzeichnung aufgenommen, räumte der Kreml-Sprecher ein.
Peskow lieferte auch Details zu Putins Ansprache, in der er die Anerkennung von Donetzk und Luhansk als „souveräne Volksrepubliken“ bekanntgab. Diese Ansprache sei ebenfalls aufgezeichnet worden und während ihrer Ausstrahlung habe man sogar auch die Zeremonie zur Unterzeichnung der relevanten Dokumente aufgenommen, gestand er. Im Anschluss sei dann die Unterzeichnung ausgestrahlt worden. Das Fazit: Alle vom Kreml als live angegebenen Ausstrahlungen waren in Wahrheit vorab aufgezeichnete Aufnahmen. (bb)
