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Kräftemessen im Ukraine-Konflikt: Russland erteilt Deutschland ein Flugverbot und wirbelt den Reiseverkehr kräftig durcheinander. Was Urlauber jetzt wissen müssen.
Berlin/Moskau – Das Kräftemessen im Ukraine-Konflikt geht weiter: Nach der Verhängung eines Flugverbots über Deutschland für russische Maschinen hat Moskau reagiert und ebenfalls Sanktionen verhängt. So sperrten Russlands Behörden im Gegenzug den Luftraum für Flugzeuge aus der Bundesrepublik, wie der Kreml laut der Nachrichtenagentur dpa am Montag mitteilte. Das Verbot gelte bis auf Weiteres, hieß es. Im Westen war dieser Schritt Moskaus erwartet worden. Nichtsdestotrotz trifft er deutsche Verbraucher spürbar.
Ukraine-Konflikt: Russland sperrt Luftraum als Antwort auf die Sanktionen von Deutschland
Russlands Präsident Wladimir Putin reagierte damit auf die Sanktionen des Westens. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine hatten die USA und die Länder der Europäischen Union (EU) umfangreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet. Neben dem Ausschluss Russlands aus dem internationalen Transaktionssystem Swift hatten Deutschland, Kanada und viele andere EU-Länder ihren Luftraum auch für russische Airlines gesperrt. Dies gilt für den Personen- wie für den Frachtverkehr. Ausgenommen sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums humanitäre Flüge.
Am Montag holte Moskau nun zum Gegenschlag aus. Neben Deutschland stehen 35 weitere Staaten auf der Sanktionsliste des Kremls. Das hat durchaus Auswirkungen auf den europäischen und internationalen Flugverkehr. Zwar war zuvor auch schon der Luftraum über der Ukraine gesperrt worden. Doch die Routen über Russland sind für die europäischen Fluggesellschaften die wichtigen. Denn über diesen Luftraum wird der Großteil der Fracht- und Passagierflüge zwischen Europa und Asien abgewickelt.
Der Konflikt in der Ukraine wirbelt den Flugverkehr in Europa durcheinander
Vor diesem Hintergrund wirbelt das russische Verbot in den kommenden Wochen den Flugverkehr ordentlich durcheinander. Denn jetzt müssen viele Flüge umgeplant werden. Luftfahrtexperten schließen dabei auch viele Stornierungen nicht aus. Denn die Flugzeuge müssen die russischen Gebiete nun weiträumig umfliegen. Das kostet Zeit und Geld.
Flugzeuge, die länger unterwegs sind, können weniger Routen fliegen. Außerdem erhöht sich der Kerosinverbrauch pro Flug. Während einige Flüge also wegfallen werden, wird sich bei anderen der Ticket-Preis erhöhen. Bereits in den kommenden Tagen würden Verbraucher die direkten Folgen zu spüren bekommen, zitierte der Südwest-Rundfunk die Schweizer Flugsicherung Skyguide, die auch für den süddeutschen Raum zuständig ist. Unklar ist noch, wie sehr sich die Änderung der Flugrouten auf eine Behinderung der Lieferketten im Frachtverkehr führt.
Flugverbot über Russland: Auswirkungen werden Verbraucher mit Stornierungen spüren – das sind die Rechte
Für die seit der Corona-Pandemie gebeutelten Fluggesellschaften ist die Ukraine-Krise damit ein weiterer Schlag. Denn bei einer Stornierung der Reise haben die Verbraucher einen Anspruch auf Erstattung, gibt Michael Trinkwalder vom Tübinger Unternehmen A3M, einem Dienstleister für Krisen- und Frühwarninformationen für weltweite Reisen, in einem Gespräch mit merkur.de bekannt. Bei einer Annullierung des Fluges hätten Reisende gemäß der Fluggastrechteverordnung die Wahl zwischen der Erstattung der Ticketkosten innerhalb von sieben Tagen oder einer anderweitigen Beförderung, so der Experte.
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Insoweit bleibt abzuwarten, inwieweit die gegenseitigen Sanktionen von Russland und Deutschland noch für Ärger sorgen. In Deutschland hofft die Politik, durch die Einstellung des russischen Flugverkehres das Umfeld von Putin zu treffen, das geprägt ist von international tätigen Oligarchen. Allerdings mehrten sich am Montag bereits Berichte, wonach die reichen Freunde des russischen Präsidenten in ihren Privatfliegern ohnehin unter dem internationalen Radar fliegen. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

