70 Prozent von Tschernihiw zerstört

Russlands Angriff: 30 Milliarden Dollar allein für Straßen - Ukraine beziffert Kriegsschäden

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Ein Soldat steht in der Nähe von Brovary am Stadtrand von Kiew auf einer Brücke, die von der ukrainischen Armee zerstört wurde, um die Durchfahrt russischer Panzer zu verhindern.
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Der Krieg in der Ukraine bringt unermessliches Leid. Doch auch die wirtschaftlichen Folgen sind immens. Die Kriegsschäden sollen längst 100 Milliarden Euro übersteigen.

Kiew - Am 24. Februar 2022 griff Russland die Ukraine an. Seitdem sind tausende Menschen umgekommen, rund 4,2 Millionen Menschen flüchteten aus dem Land, wie aus UNHCR-Angaben hervorgeht. Weitere 6,5 Millionen Binnenvertriebene sind innerhalb der ukrainischen Staatsgrenzen auf der Flucht. Der Ukraine-Krieg bringt viel menschliches Leid mit sich. Nun beziffert Kiew auch die finanziellen Kriegsschäden. Allein die Zerstörung von Straßen in der Ukraine soll 30 Milliarden US-Dollar ausmachen.

Kriegsschäden durch Ukraine-Konflikt: 70 Prozent der ukrainischen Städte und 13 Prozent aller Straßen zerstört

Der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Tschernihiw, Vladyslav Atroschenko, gab laut der Tageszeitung The Kyiv Independent an diesem Sonntag (3. April) an, dass bereits rund 70 Prozent seiner Stadt von russischen Angriffen zerstört sei. „Die Unternehmen in Tschernihiw können nicht arbeiten und es gibt keine Einnahmen für den kommunalen Haushalt“, so der Bürgermeister im ukrainischen Staatsfernsehen über die dramatische Situation in Tschernihiw.

Zudem sollen bereits rund 13 Prozent aller Straßen in der Ukraine sowie 273 Brücken und Überführungen zerstört worden sein, meldet das Onlinemedium Nexta und beruft sich dabei auf Angaben der ukrainischen Straßenbehörde Ukravtodor. Dies entspräche einem Schaden von 30 Milliarden US-Dollar (etwa 27 Milliarden Euro), wie der Ukravtodor-Vertreter Andrey Ivko mitteilte. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Ukraine-Konflikt: 100 Milliarden Euro Kriegsschäden an Infrastruktur durch russische Angriffe

Insgesamt soll der russische Krieg gegen die Ukraine nach Angaben aus Kiew bereits Schäden an der Infrastruktur von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro verursacht haben. „Heute ist diese Ziffer konkretisiert worden - es sind 119 Milliarden US-Dollar“, sagte Vize-Wirtschaftsminister Denys Kudin bereits am 11. März laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform. Unabhängig überprüfen ließ sich diese Zahl zunächst nicht.

Die Summe steige mit jedem Kriegstag, sagte Kudin. Das Ministerium berücksichtige in seinen Berechnungen sowohl direkte Schäden als auch indirekte Verluste durch den Rückgang der Wirtschaftsleistung. Zuvor hatte das Präsidentenbüro die Zerstörungen allein in der ersten Kriegswoche auf umgerechnet rund 92 Milliarden Euro beziffert.

Im Hinblick auf den Rückgang der Wirtschaftsleistung sagte Finanzminister Serhij Martschenko Mitte März in einem Interview mit dem US-Magazin Forbes.: „Das Wirtschaftsministerium rechnet mit Verlusten von einem Drittel bis zur Hälfte des Bruttoinlandsprodukts.“ Einer anderen Schätzung zufolge handele es sich um rund 500 Milliarden US-Dollar, so Martschenko weiter, ohne Details zu nennen. „Die genaue Summe wird sich erst nach dem Krieg berechnen lassen.“

Ukrainischer Innenminister: „Räumung verborgener Minen würde Jahre dauern“

Selbst wenn der Ukraine-Konflikt heute zu Ende wäre, könnte ein Wiederaufbau oder eine Sanierung beschädigter Gebäude nicht direkt beginnen. Zunächst müssten verborgene Minen geräumt werden, das würde Jahre dauern, schätzt der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj. Die Ukraine wäre dafür auf internationale Hilfe angewiesen, die eigenen Kapazitäten würden nicht ausreichen, so der Innenminister weiter.

Der Wiederaufbau der Ukraine könnte eine halbe Billion Euro kosten. Nach vorläufigen Berechnungen würden sich die direkten einmaligen Verluste für die Ukraine auf bisher 565 Milliarden US-Dollar (515 Mrd. Euro) belaufen, sagte Ministerpräsident Denis Schmygal am 16. März in Kiew. „In der Tat sind dies die Mittel, die benötigt werden, um unseren Staat wiederherzustellen.“ (bm mit Material der dpa).

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