Russland greift ukrainische Hafenstädte an - 60.000 Tonnen Getreide vernichtet
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Bona Hyun
Andreas Schmid
Stefan Krieger
Die russischen Angriffe auf das Gebiet Odessa setzen sich fort. Selenskyj beklagt den Verlust von 60.000 Tonnen Getreide. Der News-Ticker zum Ukraine-Krieg.
Die verarbeiteten Informationen, insbesondere zu Verlusten der beteiligten Armeen im Ukraine-Krieg, stammen teils von den Kriegsparteien aus Russland oder der Ukraine. Sie lassen sich deshalb nicht unabhängig überprüfen.
Update vom 20. Juli, 22.45 Uhr: Die Ukraine setzt die von den USA gelieferte Streumunition nach Angaben des Weißes Hauses bereits im Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer ein. „Sie setzen sie angemessen ein, sie setzen sie effektiv ein“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der US-Regierung, John Kirby. Der Einsatz der Streumunition wirke sich bereits auf russische Verteidigungsstellungen und Offensivmanöver aus, fügte Kirby hinzu. Für weitere Details verwies Kirby an die Ukrainer.
Ukraine reagiert auf russische Drohung im Schwarzen Meer
Update vom 20. Juli, 19.40 Uhr: Als Reaktion auf Drohungen aus Moskau will die Ukraine gegen Schiffe vorgehen, die russisch kontrollierte Häfen im Schwarzen Meer anlaufen. Das Verteidigungsministerium verwies darauf, dass solche Schiffe als Transporte von „Fracht militärischer Bestimmung“ angesehen werden könnten. Die neue Regelung gelte von Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) an.
Zuvor hatte Russland Schiffen, die ukrainische Häfen anlaufen, mit Angriffen gedroht und die bisherigen Sicherheitsgarantien entzogen. Die Durchfahrt durch die Meerenge von Kertsch zum Asowschen Meer an der russisch besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sei bereits seit 5.00 Uhr Ortszeit (4.00 Uhr MESZ) verboten, hieß es aus dem ukrainischen Verteidigungsministerium weiter. Entsprechende Navigations-Mitteilungen seien bereits veröffentlicht worden. Das Ministerium erinnerte auch an den vor mehr als einem Jahr durch Raketen versenkten russischen Kreuzer „Moskwa“. Das zeige, dass man die Mittel dazu habe, sich gegen russische Angriffe auf der See zu verteidigen.
Update vom 20. Juli, 12.05 Uhr: Großbritannien hat Personen und Gruppen mit Zusammenhang mit der russischen Söldner-Gruppe Wagner, die in der Zentralafrikanischen Republik und in Mali tätig sind, auf seine Sanktionsliste gesetzt. Dabei handelt es sich unter anderem um Witali Perfilew als Leiter der Wagner-Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik, teilte die Regierung in London mit. Es werde ein Reiseverbot gegen ihn verhängt. Zudem würden Vermögenswerte eingefroren.
60.000 Tonnen Getreide bei Angriffen auf Hafenregion vernichtet
Update vom 20. Juli, 10.00 Uhr: Nach den verheerenden russischen Angriffen auf Häfen am Schwarzen Meer hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weitere Hilfe bei der Luftverteidigung gefordert. „Bei jedem solchen Angriff appellieren wir immer wieder an unsere Partner: Die ukrainische Luftverteidigung muss gestärkt werden“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Mittwoch (19. Juni).
Russland, das am vergangenen Montag trotz großer Kritik ein international vermitteltes Getreide-Abkommen mit der Ukraine auslaufen ließ, hat in den vergangenen Nächten gezielt die Hafenregion Odessa bombardiert. Durch den jüngsten Beschuss wurden dort ukrainischen Angaben zufolge rund 60.000 Tonnen Getreide vernichtet. Selenskyj sprach vom „womöglich größten Versuch Russlands seit Beginn des groß angelegten Krieges, Odessa Schaden zuzufügen“.
Er betonte darüber hinaus, dass unter solchen Angriffen nicht nur die Ukraine leide, sondern auch Länder in Afrika und Asien, in die die Nahrungsmittel hätten geliefert werden sollen. „In dem Hafenterminal, das in dieser Nacht am meisten unter dem russischen Terror gelitten hat, wurden Agrarprodukte gelagert, die für den Versand nach China bestimmt waren“, so Selenskyj.
Ukrainische Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung in Odessa. Wichtige Infrastruktureinrichtungen und Lagerhäuser wurden bei Luftangriffen beschädigt (Archivbild).
Odessa wird erneut zum Ziel russischer Luftangriffe
Update vom 20. Juli, 7.00 Uhr: Die Region Odessa im Süden der Ukraine ist die dritte Nacht in Folge unter Beschuss geraten. In der Nacht zum Donnerstag waren lokalen Medienberichten zufolge wieder Explosionen in der Nähe des Hafens von Odessa zu hören. Die Luftverteidigung sei aktiv gewesen. Die ukrainische Luftwaffe warnte bei Telegram, es seien Abschüsse von Überschall-Schiffsabwehrraketen in Richtung der Region Odessa registriert worden. Sie rief die Menschen auf, in Deckung zu bleiben. Bereits in den beiden vorangegangenen Nächten hatte Russland die Region Odessa am Schwarzen Meer mit Luftangriffen überzogen.
Angriffe gab es auch auf das Zentrum der südukrainischen Stadt Mykolajiw. Dabei wurden mindestens sieben Menschen verletzt, darunter auch drei Kinder. In der Stadt seien ein dreistöckiges Wohngebäude sowie mehrere Garagen in Brand geraten, berichtete das Internetportal Ukrajinska Prawda unter Berufung auf den Leiter der lokalen Militärverwaltung und den Bürgermeister.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Update vom 19. Juli, 20.09 Uhr: Wladimir Putin schließt eine Wiederaufnahme des Getreideabkommens nicht mehr aus - allerdings nur unter russischen Bedingungen. Moskau sei vom Westen ursprünglich die Erfüllung mehrerer Forderungen zugesichert worden, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge bei einem Treffen mit Regierungsvertretern. „Sobald alle diese Bedingungen, auf die wir uns früher geeinigt haben, erfüllt sind (...), werden wir sofort zu diesem Abkommen zurückkehren.“
Konkreter äußerte sich Putin nicht. Doch Russland behauptet, westliche Staaten hätten angeblich die zugesicherten Erleichterungen für russische Dünge- und Nahrungsmittelexporte nicht ausreichend umgesetzt.
Update vom 19. Juli, 19.22 Uhr: Türkisch-saudischer Deal im Ukraine-Krieg? Im Streit über nach Russland gebrachte ukrainische Kinder bemühen sich beide Länder laut einem Insider um eine Rückführung. Die Verhandlungen liefen seit mindestens April, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.
Der Insider zeigte sich allerdings skeptisch, dass eine Lösung gefunden werden könne: Kremlchef Wladimir Putin würde damit indirekt zugeben, dass er ein Kriegsverbrecher sei. Stellungnahmen der Länder liegen nicht vor.
Zuerst berichtete die Financial Times unter Berufung auf vier Insider von mehrmonatigen Verhandlungen. Die Ukraine wirft Russland vor, fast 19.500 Kinder verschleppt zu haben. Russland weist dies zurück und erklärt, sie seien in Sicherheit gebracht worden.
Aus für Getreide-Deal: Russland droht – Schiffe nun „potenzielle Träger militärischer Fracht“
Update vom 19. Juli, 17.35 Uhr: Nach dem Ende des Getreide-Abkommens mit der Ukraine will Russland Schiffe in den betroffenen Gebieten des Schwarzen Meeres als mögliche Gegner einstufen. Ab Donnerstag um Mitternacht (Mittwoch, 23 Uhr MESZ) würden die Schiffe als „potenzielle Träger militärischer Fracht“ eingestuft, teilte das Verteidigungsministerium von Sergej Schoigu mit.
Update vom 19. Juli, 15.55 Uhr: Bei dem Brand auf einem Militärgelände auf der Krim sind offenbar große Mengen Munition detoniert. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtete unter Berufung auf einen Korrespondenten vor Ort von Explosionen. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow wurde Russlands Präsident Wladimir Putin über den Vorfall informiert. Am Vormittag hatten örtliche russische Behörden zunächst nur von einem Brand auf dem Truppenübungsplatz nahe der Stadt Stary Krym im Osten der Halbinsel gesprochen. Tass veröffentlichte ein bei Tageslicht aufgenommenes Video, das eine Kettenexplosion von Munition zeigte.
Ukraine-Krieg: 60.000 Tonnen Getreide durch russischen Angriff zerstört
Update vom 19. Juli, 14.59 Uhr: Bei einem russischen Angriff auf den Hafen von Tschornomorsk sind nach ukrainischen Angaben rund 60.000 Tonnen Getreide zerstört worden. Ein beträchtlicher Teil der Infrastruktur in dem Hafen für den Getreideexport sei beschädigt worden, teilt Landwirtschaftsminister Mykola Solsky mit. Das Getreide hätte vor 60 Tagen verladen und verschifft werden sollen. Tschornomorsk liegt in der Oblast Odessa im Süden der Ukraine.
Putin fürchtet doch Haftbefehl: Russland-Präsident tritt BRICS-Reise nicht an
Update vom 19. Juli, 13.20 Uhr: Wladimir Putin wird nicht am Treffen der Brics-Staaten in Südafrika im August teilnehmen. Das teilte das Büro des südafrikanischen Präsidenten am Mittwoch mit. Grund ist ein vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) erlassener Haftbefehl gegen Putin. Südafrika hätte den russischen Präsidenten bei der Einreise festnehmen müssen.
Nach Explosion auf Krim: Äußerung über „erfolgreichen Einsatz“ wohl falsch
Update vom 19. Juli, 12.50 Uhr: Die ukrainischen Behörden haben inzwischen klargestellt, dass die angeblichen Äußerungen von Budanow (siehe Update von 9.55 Uhr: Kiew feiert „erfolgreichen Einsatz“ auf der Krim) von einem nicht-offiziellen Telegram-Account verbreitet wurden und falsch sind.
Getreide-Abkommen mit Ukraine: Russland setzt der UN eine Frist
Update vom 19. Juli, 10.50 Uhr: Russland setzt den Vereinten Nationen eine Frist zur Wiederbelebung des Getreide-Abkommens. „Die UN haben noch drei Monate Zeit, um konkrete Ergebnisse zu erzielen“, sagt die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. „Wenn es konkrete Ergebnisse gibt, sind wir zu Verhandlungen über dieses Thema bereit.“
Russland hat am Montag das von den UN und der Türkei vermittelte Getreide-Abkommen mit der Ukraine ausgesetzt. Es ermöglichte unter anderem die Ausfuhr ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer.
Kiew feiert „erfolgreichen Einsatz“ auf der Krim
Update vom 19. Juli, 9.55 Uhr: Nach einem Feuer auf einem Militärgelände auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim hat die Ukraine von einem „erfolgreichen Einsatz“ gesprochen. „Auf der besetzten Krim wurde ein erfolgreicher Einsatz ausgeführt. Der Feind verheimlicht das Ausmaß des Schadens und die Zahl der Verluste“, erklärte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, am Mittwoch (19. Juli) im Onlinedienst Telegram.
Explosion auf der Krim – Tausende Zivilisten evakuiert
Update vom 19. Juli, 8.30 Uhr: Auf einem Militärgelände im Osten der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist nach Behördenangaben ein Feuer ausgebrochen. Wie der russische Gouverneur der Krim, Sergej Aksjonow, am Mittwoch im Onlinedienst Telegram mitteilte, wurde die Evakuierung von tausenden Zivilisten angeordnet. „Die vorübergehende Evakuierung der Bewohner von vier an das Militärgelände im Bezirk Kirow grenzende Ortschaften ist geplant“, erklärte Aksjonow. „Das sind mehr als 2000 Menschen.“
Die den Sicherheitsdiensten nahestehenden russischen Onlinemedien „Mash“ und „Baza“ berichteten, dass Detonationen zu hören seien. Den Angaben von „Mash“ zufolge steht ein Munitionslager in Flammen. Bisher haben die russischen Behörden keine Angaben zur Ursache des Brands gemacht und auch keine Explosionen von Munition bestätigt.
Aksjonow erklärte, wegen des Feuers werde die Autobahn zwischen dem Hafen von Kertsch im Osten der Krim und der Stadt Sewastopol im Südwesten der Halbinsel gesperrt
Update vom 19. Juli, 6.30 Uhr: In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wehren nach Angaben der Militärverwaltung die Luftabwehrsysteme einen erneuten nächtlichen Angriff Russlands ab. Ein Reuters-Augenzeuge berichtet, er habe Explosionen gehört und Rauch in der Nähe von Kiew aufsteigen sehen.
Hafenstadt Odessa wieder Ziel russischer Attacken
Kiew – In der Ukraine ist die Hafenstadt Odessa die zweite Nacht in Folge unter Beschuss geraten. In der Stadt am Schwarzen Meer waren lokalen Medienberichten zufolge auch in der Nacht zum Mittwoch wieder Explosionen zu hören. Die Luftabwehr sei aktiv gewesen. Über Opfer oder Schäden gab es zunächst keine genaueren Informationen. Bereits in der Nacht zum Dienstag hatte Russland die Region Odessa mit Luftangriffen überzogen. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte später die Angriffe.
Auch in etlichen weiteren Gebieten der Ukraine gab es in der Nacht Luftalarm. In der russisch besetzten Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim waren Berichten zufolge ebenfalls Explosionen zu hören.
Selenskyj sucht Unterstützung afrikanischer Länder
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht nach dem Aus für den Getreidedeal, im Konflikt mit Russland Afrika auf die Seite seines Landes zu ziehen. Er habe einer Reihe von afrikanischen Medien ein Interview gegeben, teilte Selenskyj am Dienstag in seiner täglichen Videoansprache mit. „Wir haben (...) insbesondere über die Situation beim Getreideexport und die russische Aggression gegen die globale Ernährungsstabilität gesprochen“, sagte er.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird in Afrika weniger scharf kritisiert als in den westlichen Industrienationen. An den Sanktionen gegen Russland beteiligen sich afrikanische Staaten nicht. Zugleich hat die von Moskau wieder aufgenommene Seeblockade ukrainischer Häfen direkte Folgen für den Kontinent. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreideexporteur. Infolge des Stopps des Getreideabkommens könnten die Lebensmittelpreise steigen, was Sorgen vor einer Hungerkrise in den ärmsten Ländern schürt.
„Eine Preisexplosion würde unweigerlich zu politischen und Migrationskrisen führen, insbesondere in afrikanischen und asiatischen Ländern. Offensichtlich versucht die russische Führung nun, diese Krisen zu provozieren“, betonte Selenskyj in seiner Videoansprache dazu noch einmal.
USA wollen Ukraine weiter unterstützen
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin versicherte derweil, dass die Verbündeten des von Russland angegriffenen Landes bei ihrer Unterstützung für die Ukraine nicht nachlassen würden. „Unsere Arbeit geht weiter, und wir werden alles tun, was wir können, um sicherzustellen, dass die Ukrainer erfolgreich sein können.“
Die USA haben der Ukraine Fortschritte bei ihrer Gegenoffensive gegen die russischen Angreifer bescheinigt. „Die Ukrainer rücken stetig und zielstrebig vor“, sagte Generalstabschef Mark Milley am Dienstag im US-Verteidigungsministerium nach einem Online-Treffen der internationalen Ukraine-Kontaktgruppe zur Koordinierung der Militärhilfe. „Das ist alles andere als ein Misserfolg“, ergänzte er nach einer entsprechenden Frage.
Fünf Verletzte bei Angriff im Gebiet Donezk – zwei Kinder
Bei einem russischen Angriff auf ein Dorf im ostukrainischen Gebiet Donezk sind fünf Menschen verletzt worden, darunter auch zwei Kinder. Die beiden Jungen im Alter von einem und 13 Jahren hätten im Hof eines Wohnhauses gespielt, berichtete das Internetportal Ukrajinska Prawda am späten Dienstagabend unter Berufung auf örtliche Behörden. (Mit Agenturmaterial)