VonMarc Dimitriuschließen
Unter ständigem Beschuss durch russische Truppen, versucht eine Gruppe ukrainischer Soldaten ein Feld zu verminen. Aufnahmen dokumentieren ihren Job aus nächster Nähe.
Awdijiwka – Seit fast zwei Jahren geht der Ukraine-Krieg bereits. Wie der Alltag der Soldaten aussieht, bekommt man nur selten mit. Ein auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlichtes Video gibt nun einen Einblick in das Leben der ukrainischen Truppen an der Front in der Kleinstadt Awdijiwka.
Bei den Kämpfen um die Ortschaft haben russische Truppen mittlerweile Geländegewinne erzielt. Ukrainischen Militärbeobachtern zufolge haben sich ukrainische Einheiten aus dem südöstlich der Stadt gelegenen Industriegebiet zum Teil zurückziehen müssen. Im Raum der Kleinstadt wehrte die ukrainische Armee alleine in 24-Stunden 37 Attacken der Russen ab (Stand: 18:00 Uhr, 12. Dezember). Das berichtet der ukrainische Generalstab laut der Nachrichtenplattform Ukrinform.
Ständig unter Beschuss der Russen: Video zeigt Alltag der ukrainischen Soldaten
Die Aufnahme von der Front, die von dem estnischen Militärblogger „WarTranslated (Dmitri)“ veröffentlicht wurden, zeigt das harte Leben der hier stationierten Soldaten. Zu sehen ist, wie eine ukrainische Pioniergruppe der 47. Brigade versucht, ein Gebiet mit TM-62-Mienen zu versehen, um den Vormarsch der russischen Truppen zu stoppen. Das Material wurde offenbar im November 2023 aufgenommen, gefilmt mit der Helmkamera eines Soldaten.
Schon in den ersten Sekunden des knapp 19-minütigen Videos sieht man, wie die Pioniere unter Artillerie-Beschuss stehen, während sie am Boden Schutz suchen. Immer wieder müssen die Soldaten in Deckung gehen. „Was ist los?“, fragt der Pionier, während er einen Kameraden filmt, der an einem Betonzaun feststeckt. „Ein Scharfschütze“, antwortet er, „vier Kugeln trafen den Zaun.“ Für den filmenden Soldaten offenbar kein Grund, nicht weiterzugehen. Er fragt: „Jungs, warum sitzen wir? Auf wen warten wir?“ Dann zieht er einfach weiter.
„Sollte uns eine Drohne treffen, heißt es tschüss“: Aufnahmen geben seltenen Einblicke in den Ukraine-Krieg
Während die Pioniere in der Folge weiter damit beschäftigt sind, das Feld zu verminen, werden sie immer wieder von russischer Artillerie und Kamikaze-Drohnen beschossen: „Sollte uns eine FPV-Drohne treffen, heißt es auf jeden Fall tschüss“, sagt der Filmer zu den Anderen. Später im Video entgehen sie nur knapp einem Einschlag.
Im weiteren Verlauf der Aufnahmen bekommt man die alltäglichen Gespräche der Pinoniere im Ukraine-Krieg hautnah mit. So fragt einer von ihnen, ob er etwas Wasser seines Kollegen haben kann, da seine Flasche zerschossen wurde. Danach beschwert er sich, dass er lieber Scharfschütze wäre. Meistens verlaufen die Unterhaltungen unter den Kameraden recht entspannt, man merkt wie der Krieg und die Tatsache jederzeit verletzt zu werden oder zu sterben in Gewohnheit übergegangen ist.
Kurz vor Ende des Videos stoßen die ukrainischen Soldaten noch auf die Leichen von drei russischen Soldaten, nehmen ihnen Waffen und Magazine ab und marschieren dann einfach weiter.
Intense combat footage shows the effort of the 47th Brigade to stop the Russian advance in Avdiivka. Here, Ukrainian sappers are mining an area of a potential Russian approach in the Stepove area. Filmed in November '23, the footage shows a Ukrainian sapper group, armed with… pic.twitter.com/b0cpgRpKqr
— WarTranslated (Dmitri) (@wartranslated) December 12, 2023
Ukrainer in Awdijiwka droht Einkesselung: Russische Truppen erzielen Gebietsgewinne
Die Stellungen, die man noch in den Aufnahmen sieht, mussten die ukrainischen Truppen mittlerweile verlassen. Kleinere Gebietsgewinne seien durch russische Truppen auch nordwestlich von Awdijiwka beim Dorf Stepowe erzielt worden. Den ukrainischen Einheiten droht weiter eine Einkreisung. Die Garnison der stark zerstörten Stadt kann nur noch über einen schmalen Korridor von weniger als sieben Kilometern mit Nachschub versorgt werden. Ein weiteres Video, das von Anton Gerashchenko (Berater der ukrainischen Regierung für innere Angelegenheiten) veröffentlicht wurde, zeigt ebenfalls die harte Realität des Kriegs an der Front von Awdijiwka. Nahe der Kleinstadt verlief bereits seit 2014 die Frontlinie zu den von Moskau unterstützten Separatisten. (md mit dpa)
Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter/WarTranslated (Dmitri)

