VonFabian Hartmannschließen
Wirtschaftsforscher aus Kiel haben analysiert, welche Länder die Ukraine tatkräftig unterstützen. Ein überraschendes Ergebnis: Deutschland liegt international auf Platz zwei.
München – Der Ukraine-Krieg läuft mit aller Härte weiter. Russische Truppen greifen vor allem den Osten der Ukraine an und wollen neue territoriale Gewinne erzielen. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Bei der Verteidigung ihres Landes vertrauen die Ukrainer in erster Linie auf Waffen und finanziellen Hilfen aus dem Westen.
Dabei unterstützt Deutschland die Ukraine offenbar stärker als öffentlich bislang wahrgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Die Ökonomen haben sich direkte und indirekte Hilfen – etwa über die EU – angeschaut. Demnach kommt Deutschland im Ukraine-Konflikt auf Unterstützungszahlungen in einem Volumen von 3,5 Milliarden Euro. Nur die Vereinigten Staaten schneiden mit 10,3 Milliarden Euro noch besser ab.
Ukraine-Krieg: Berechnung der Ukraine-Unterstützung von Ländern - Deutschland auf Platz 2
Die Berechnung der Forscher beginnt am 24. Januar, also einen Monat vor dem Angriffskrieg des russischen Machthabers Wladimir Putin gegen die Ukraine. Sie umfasst Waffenlieferungen sowie finanzielle Unterstützung. Die Datenbank der Forscher beinhaltet Zahlungsströme aus 31 Staaten. Hinter Deutschland liegen Polen (2,4 Milliarden Euro) und Großbritannien (2,1 Milliarden Euro).
Allerdings beinhaltet die Liste auch angekündigte Zusagen. „Wann und wie dieses Geld fließt, ist jedoch unklar. Auch der Umfang und genaue Ablauf des sogenannten Ringtauschs sind für uns schwer zu berechnen“, sagte IfW-Forschungsdirektor Christoph Trebesch im Gespräch mit Zeit Online. So habe Deutschland 1,2 Milliarden Euro für militärische Hilfe, etwa Waffenkäufe, zugesagt. Bislang ist das Geld jedoch nicht geflossen.
Ukraine-Krieg: Unterstützung für Kiew - Deutschland in der Mitte wenn Wirtschaftskraft-Indikator ist
Der deutsche Spitzenplatz relativiert sich ohnehin, wenn die Unterstützung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet wird. Die Bundesrepublik landet dann nur noch im Mittelfeld. An der Spitze steht Estland vor Lettland und Polen. Deutschland befindet sich allerdings auch in dieser Rangliste immer noch deutlich vor anderen großen EU-Mitgliedern wie Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Die Vereinigten Staaten kommen sogar nur auf Rang 26, wenn das Bruttoinlandsprodukt als Berechnungsgrundlage dient.
Ukraine-Krieg: Bundestag spricht sich für schwere Waffen aus - Einigkeit zwischen Ampel und Union
Zuletzt hat der Deutsche Bundestag grünes Licht für schwere Waffenlieferungen an die Ukraine gegeben. In einem gemeinsamen Antrag sprachen sich die Fraktionen von SPD, Grünen, FDP sowie die Union dafür aus, die „Lieferung benötigter Ausrüstung an die Ukraine fortzusetzen und wo möglich zu beschleunigen und dabei auch die Lieferung auf schwere Waffen und komplexe Systeme etwa im Rahmen des Ringtausches zu erweitern“. (fh)
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