Flugobjekte mit mehr als 200 km/h

Ukraine verfolgt wohl Drei-Punkte-Plan gegen Russlands Drohnen – finale Stufe erst 2025?

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Volle Konzentration bei der Arbeit: Der Drohnen-Pilot verfolgt den Flug auf dem Bildschirm.
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Die Ukraine will den russischen Luftangriffen offenbar in drei Schritten beikommen. Dabei wird Jagd auf die Drohnen aus Moskau gemacht.

Kiew – Im Ukraine-Krieg kommt für das überfallene Land viel Schlechtes von oben. Russland überzieht Städte und Dörfer regelmäßig mit Luftschlägen und die Abwehrsysteme können längst nicht alle Drohnen, Raketen und Marschflugkörper außer Gefecht setzen.

Die Folge sind zerstörte Infrastruktur, Tote und viele Verletzte – gerade unter Zivilisten. Immer und immer wieder. Die Schreckensbilder gehen um die Welt. Auch mit westlicher Unterstützung gelingt es Kiew bislang nicht immer, den von Kreml-Chef Wladimir Putin befohlenen Luftattacken Einhalt zu gebieten.

Video: Lässt die ukrainische Offensive russische Eliten an Putin zweifeln?

Ukraine und die Drohnen: Aktuell werden gegen Russland Quadrocopter eingesetzt

Nun berichtet die Bild von einem Drei-Punkte-Plan, mit dem sich die Ukraine selbst helfen will. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet. Die erste Stufe sieht demnach Quadrocopter vor, die sowohl Aufklärungs- als auch Kamikaze-Drohnen zum Absturz bringen können. Dafür werden kleine Drohnen entsprechend umprogrammiert. Dem Bericht zufolge werden so bereits Dutzende Drohnen der Russen pro Woche vom Himmel geholt.

Den nächsten Schritt sollen dann verbesserte Starrflügler ermöglichen. Im Gegensatz zu den kleinen Quadrocoptern können diese Drohnen mit festen Flügeln in größerer Höhe über weitere Strecken operieren. Demnach sind sie in der Lage, ihren Zielen in bis zu vier Kilometern Flughöhe bis zu 60 Kilometer weit zu folgen. Diese Modelle werden derzeit getestet, sollen noch in diesem Jahr auf russische Flugobjekte losgelassen werden.

Russland feuert Raketen auf Kinderkrankenhaus in Kiew: Fotos zeigen erschütternde Szenen

Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen.
Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen. © Evgeniy Maloletka / dpa
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk.
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk. © Andreas Stroh / dpa
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen.
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen. Rettungskräfte und Zivilisten suchen nach möglichen Verschütteten. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew.
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew. © dpa/AP | Efrem Lukatsky
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew.
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben. © Evgeniy Maloletka / dpa
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew.
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik.
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik. © Evgeniy Maloletka / dpa
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone.
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone. © Evgeniy Maloletka / dpa
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden verletzte abtransportiert.
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden Verletzte abtransportiert. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde.
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde. © Evgeniy Maloletka / dpa
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg.
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt.
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt. © Aleksandr Gusev / dpa
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter.
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter. © IMAGO/Maxym MarusenkoNurPhoto
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden.
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden. © IMAGO/Maxym Marusenko/NurPhoto
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können.
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können. © IMAGO/Bahmut Pavlo/Ukrinform/Abaca
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben. © IMAGO/Ruslan Kaniuka/Ukrinform/ABACA
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern.
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern. © Anton Shtuka / dpa
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern.
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern. © Anton Shtuka / dpa

Luftangriffe im Ukraine-Krieg: Kiew braucht spezielle Flugobjekte zur Jagd auf iranische Langstrecken-Drohnen

Die finale Stufe sollen dann fliegende „Drohnen-Killer“ bilden, deren Bestimmung es ist, Jagd auf die Russland vom Iran zur Verfügung gestellten Langstrecken-Drohnen Geran-1 und Geran-2 zu machen. Sie müssten mindestens 200 km/h erreichen können und nach Möglichkeit 500 Kilometer Reichweite haben. Zudem stellt sich die Preisfrage.

Diese Phase 3 soll spätestens 2025 umgesetzt werden können. Vorerst müssten womöglich Millionen Euro teure Patriot- oder IRIS-T-Raketen genutzt werden, um die russischen Drohnen, die 50.000 Euro wert sein sollen, zu stoppen.

Kurz vor dem Zusammenprall: Dieses Video soll zeigen, wie eine FPV-Drohne eine Merlin-VR (im Bild) vom Himmel holt.

Ukraine gegen Russlands Drohnen-Angriffe: Video zeigt Zerstörung eines Flugobjekts in der Luft

Die ukrainische Nationalgarde demonstrierte derweil auf ihrem Telegram-Kanal in einem Video, wie eine russische Drohne in der Luft außer Gefecht gesetzt wurde. Demnach wurde die Aufklärungsdrohne des Typs Merlin-VR von einer FPV-Drohne – die Aufnahmen aus der Ich-Perspektive liefert – ausgeschaltet. Dafür sei die Rubizh Brigade verantwortlich.

Das zerstörte russische Modell werde wegen seiner Geräuschlosigkeit, verbesserten Optik, und Flugreichweite als technologischer Durchbruch gefeiert. Der erfolgreiche Angriff ereignete sich laut dem ukrainischen Portal Militarnyi nahe Bachmut in der Oblast Donezk.

Neue Drohnen für die Ukraine: „Kamikaze-Abfangjäger“ erreichen bis zu 170 km/h

In einem weiteren Bericht auf der Homepage geht es um einen sogenannten „Kamikaze-Abfangjäger“ des ukrainischen Unternehmens „Besomar“. Diese Flugobjekte seien in der Lage, russische Drohnen vom Himmel zu holen, relativ günstig und würden auch schon im Kriegsgebiet eingesetzt werden. Da es zweieinhalb Stunden am Stück in der Luft bleiben kann, eignet es sich auch für Aufklärungsmissionen.

Roman Shemechko von dem Unternehmen umschreibt sie als „große FPV, wie ein Flugzeug, das länger in der Luft bleiben und größeres Gewicht tragen kann“. Das Modell kann bis zu 170 km/h schnell werden und in Höhen von bis zu vier Kilometern operieren. Dank einer Bremse könnte sie auch feindlichen Drohnen ausweichen. Pro Monat könnten 100 davon hergestellt werden.

Drohnen-Lager: Nach der Auslieferung müssen die Flugobjekte noch an ihre Bestimmungsorte gebracht werden.

Luftangriffe auf Russland: Flughäfen müssen zwischenzeitlich ihren Betrieb einstellen

Derweil teilte das russische Verteidigungsministerium mit, es seien 144 ukrainische Flugobjekte während eines nächtlichen Angriffs abgefangen worden. Laut einem Sprecher des Luftverkehrsbundesamtes wurde der Betrieb an drei Flugplätzen in der Region Moskau vorübergehend eingestellt. Oberste Priorität habe die Flugsicherheit, dafür seien alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden.

Zuletzt hatten Luftangriffe auf Russland Zerstörungen angerichtet. Getroffen wurden unter anderem ein Treibstofflager und eine Luftwaffenbasis, aber offenbar auch Wohnhäuser. Bereits vor einigen Wochen wurde so ein russischer Stützpunkt in Mitleidenschaft gezogen. Einige Drohnen sollen Reichweiten von 1800 Kilometern haben.

Für Aufsehen sorgte zuletzt auch der Absturz eines mutmaßlich russischen unbemanntes Flugobjektes im Osten Lettlands. Rumänien meldete den Überflug einer Drohne, die offenbar ebenfalls zu Putins Arsenal gehört. Später fand die Armee an der Grenze zur Ukraine Trümmer einer russischen Drohne. (mg)

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