VonFabian Müllerschließen
Der ehemalige russische Oligarch Michail Chodorkowski hat sich in einem Interview zu einem möglichen Ende des Ukraine-Krieges geäußert. Er beschreibt drei denkbare Szenarien.
Kiew/Moskau - In etwas mehr als zwei Monaten wird der russische Überfall auf die Ukraine ein Jahr währen. Abertausende Tote, unermessliches Leid, der Krieg in der Ukraine hat Europas Blick auf Wladimir Putins Russland nachhaltig verändert. Einer, der zunächst als Unterstützer und Profiteur des russischen Putinismus, seit vielen Jahren aber als erbitterter Feind des Kreml gilt, ist Michail Chodorkowski. Im Interview mit dem Tagesspiegel sprach der ehemals reichste Russe (geschätztes Vermögen: 15 Milliarden Dollar) nun unter anderem über mögliche Szenarien für ein Ende des Krieges.
Laut Chodorkowski gebe es drei Möglichkeiten - die in seinen Augen schlimmste: „Der Westen ermüdet und hört auf, die Ukraine zu unterstützen.“ Das würde Putin ermöglichen, sein Land auf Kriegswirtschaft auszurichten und mittels ein oder zwei weiteren Mobilmachungen die ukrainische Hauptstadt Kiew zu erreichen.
Purin-Feind Chodorkowski beschreibt drei Szenarien für Ende des Ukraine-Krieges
Für die Ukraine würde dieses Szenario den Untergang bedeuten, für Putin wäre es nur ein weiterer Schritt, um sein angeknackstes Image in Russland wieder aufzupolieren. Denn selbst wenn er mehr als zwei Drittel der Ukraine unter Kontrolle hätte, müsste er laut Chodorkowski „wieder weiter Krieg führen“, „um die wirtschaftlichen Probleme Russlands zu lösen“.
Szenario zwei beschreibt einen festgefahrenen Krieg: „Der Konflikt wird eingefroren“, sagt Chodorkowski dem Tagesspiegel. „15 Prozent der Ukraine bleiben von Russland besetzt.“ Putin könne kurz durchatmen, danach ginge der Krieg aber weiter, denn die Nationalpatrioten in Russland würden ihn zu diesem Schritt zwingen.
Video: Ex-Oligarch Chodorkowski erklärt, warum Putin die Ukraine angegriffen hat
In der dritten Variante, Chodorkowski nennt sie „das beste Szenario“, unterstützt der Westen die Ukraine weiterhin ernsthaft militärisch. Dann könne „die Ukraine ihr Gebiet zumindest bis zu den Grenzen vom 24. Februar 2022 zurückerobern“. Ob auch die Krim zurückgewonnen werden könne, sei schwer vorherzusehen.
Für Chodorkowski ist allerdings klar, dass in dieser Situation „Putin die Macht verlieren“ könnte. Er hofft: „Unter einer neuen russischen Regierung könnte es zu einem Friedensschluss kommen.“ Ein Szenario, das sicherlich viele im Westen unterschreiben würden. (fmü)
