VonMarcus Giebelschließen
Rund 150.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sollen bislang den Weg nach Deutschland gefunden haben. Doch es sind wohl deutlich mehr. Ein wirklicher Überblick ist kaum möglich.
München - Deutschland bekommt die unmittelbaren Folgen des Ukraine-Kriegs zu spüren. Rohstoffpreise - gerade für Öl und Gas - steigen in ungeahnte Höhen. Immer mehr Geflüchtete treffen in der Bundesrepublik ein und wollen versorgt sowie menschenwürdig untergebracht werden. Die Behörden registrierten bereits eine sechsstellige Zahl an Menschen, die vor dem Tod und der Zerstörung in ihrem Heimatland geflohen und hier auf Hilfe angewiesen sind.
Doch wie gut ist Deutschland vorbereitet auf die Flüchtlingswelle, die nach den jüngsten Bombardements der Truppen von Wladimir Putin auch im Westen der Ukraine rasant anwachsen könnte? CSU und Grüne nahmen SPD-Innenministerin Nancy Faeser bei Merkur.de bereits in die Pflicht. Unter anderem wird die Forderung nach einem Sonderregister laut.
Ukraine-Krieg und die Flüchtlinge: Forderung eines Gipfels im Kanzleramt
Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann spricht sich nun vehement für einen Gipfel im Kanzleramt bei Regierungschef Olaf Scholz aus. Dabei solle der genaue Umgang mit den Kriegsflüchtlingen festgelegt werden: „Wichtig ist jetzt, dass Bund, Länder, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen beraten, welche Hilfen und Unterstützung für die nächste Zeit vorgehalten werden müssen und welche Bedarfe zu decken sind.“
Auch andere Länder nimmt Haßelmann dabei in die Pflicht: „Europa ist gefordert, die Aufnahme der geflüchteten Menschen gemeinsam und solidarisch zu tragen.“ Zugleich lobt sie die „sehr große Hilfsbereitschaft“ in der Bevölkerung. Hilfsorganisationen, Rettungsdienste, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von THW, Initiativen, Bahn, staatliche Stellen und Zivilgesellschaft seien eine große Unterstützung.
Flüchtlinge vor dem Ukraine-Krieg in Deutschland: Aufnahme in Hallen oder Hotels - Zeltstadt in München?
Allerdings wird allen Beteiligten immens viel abverlangt. Die Versorgung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine stellt beispielsweise in den Städten Bayerns eine große Kraftanstrengung dar.
Laut einem Sprecher des Bayerischen Städtetages kommen gerade in München oder Nürnberg sehr viele Frauen und Kinder an, es müssten Hotels und Hallen als Unterkünfte genutzt werden. Auch Improvisation sei gefragt. So denke die Landeshauptstadt über eine Art Zeltstadt nach.
Deutschland nimmt Flüchtlinge aus Ukraine auf: Knapp 150.000 Menschen offiziell ins Land gekommen
Es sei jedoch nicht bekannt, wie viele Ukrainer in den vergangenen zweieinhalb Wochen den Weg in den Freistaat gefunden hätten. Denn diese seien nicht verpflichtet, sich zu melden. Besitzen sie einen biometrischen Reisepass, dürfen sie sich bis zu 90 Tage frei in der EU bewegen - auch ohne Visum.
In vielen Fällen sind Flüchtlinge dem Sprecher zufolge privat eingereist und bei Verwandten oder Freunden untergekommen. Somit würden die städtischen Behörden von ihrer Anwesenheit gar nicht in Kenntnis gesetzt werden.
Offiziell waren laut Innenministerium seit dem Einmarsch der russischen Truppen bis zum Montag 146.998 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Hierbei handelt es sich nur um die Flüchtlinge, die von der Bundespolizei registriert wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. (mg)
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