Schlimme Vorwürfe

Gewaltsame „Flucht“: Verschleppt Russland ukrainische Kinder und Jugendliche?

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Jeden Tag zwingt der Ukraine-Krieg tausende Menschen zur Flucht, darunter viele Kinder. Die Ukraine erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die russischen Streitkräfte.

Kiew/München - Seit nun mehr acht Wochen tobt der Krieg um die Ukraine. Während Präsident Wolodymyr Selenskyj und seine Landsleute alles dafür tun, um ihr Land zu verteidigen, rückt die russische Armee nun vor allem in der Donbass-Region aggressiver vor. Millionen Menschen haben aufgrund der Kriegshandlungen die Flucht ergriffen: Viele finden Unterschlupf in den westlichen Nachbarländern, vereinzelt zieht es die Ukrainer aber auch nach Russland, oftmals sogar gegen ihren Willen. Kiew erhebt deshalb nun schwere Vorwürfe gegen Russland.

Krieg in der Ukraine: Verschleppt Russland ukrainische Kinder

Wie The Kyiv Independent auf Twitter berichtet, sei eine Gruppe ukrainische Jugendlicher gewaltsam nach Russland verschleppt worden. Die Kinder im Alter von 14 bis 15 Jahren sollen aus der Region um die Städte Lugansk und Donezk stammen - die Gegend im Osten der Ukraine, in der seit 2014 prorussische Separatisten gegen ukrainische Streitkräfte kämpfen. Die Informationen gehen zurück auf Ljudmyla Denisowa, die als Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments fungiert.

Denisowa hatte sich im ukrainischen Fernsehen (20. April) jüngst auf Zahlen der UNO berufen und erklärt, dass etwa 550.000 Ukrainer, darunter 121.000 Kinder, im Laufe des Krieges nach Russland verschleppt worden seien. Des weiteren kritisierte Denisowa das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), dem sie in dieser Angelegenheit eine Kollaboration mit Russland vorwarf: „Das Internationale Rote Kreuz erfüllt sein Mandat nicht, dessen bin ich mir sicher.“

Grundlage für Denisowas Anschuldigungen ist die Ankündigung des IKRK, eine Zweigstelle in der südrussischen Region Rostow zu eröffnen. Dort will das Rote Kreuz ukrainischen Flüchtlingen helfen, die nach Angaben Kiews gewaltsam nach Russland transportiert wurden. Das IKRK wies die Anschuldigungen entschieden zurück: „Das IKRK hilft niemals bei der Organisation oder Durchführung von Zwangsevakuierungen. Wir würden keine Operation unterstützen, die gegen den Willen der Menschen und das Völkerrecht verstößt“. Das einzige Ziel sei es, „das Leid der Menschen zu lindern, die von dem bewaffneten Konflikt betroffen sind.“

Krieg in der Ukraine: Verschleppungsvorwürfe schon länger bekannt

Ob die Vorwürfe gegen die russische Seite tatsächlich der Wahrheit entsprechen, lässt sich derzeit nicht zweifelsfrei sagen. Allerdings gab es schon Ende März Berichte, die von gewaltsamen Verschleppungen ukrainischer Kindern sprachen. Die britische Tageszeitung Independent verwies am 22. März auf eine Stellungnahme der ukrainischen Regierung, die von mehr als 2.380 Kindern sprach, die aus der umkämpften Donbass-Region ins benachbarte Russland „evakuiert“ worden sein sollen. Auch aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol kamen damals ähnliche Berichte. Eine offizielle Bestätigung gab es auch damals nicht.

Das ukrainische Verteidigungsministerium klagte zudem via Twitter an, dass Russland Waisen-Kinder „evakuiere“ und ein Gesetz vorbereite, mit dem diese dann schneller und einfacher von russischen Familien adoptiert werden könnten. (to mit afp)

Rubriklistenbild: © Emilio Morenatti

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