Gegenoffensive läuft

Ex-General sicher: Ukraine kann Krim bis Ende August befreien – unter einer Bedingung

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Die Befreiung der Krim hält Ex-US-General Ben Hodges für realistisch. Dafür brauche die Ukraine allerdings bestimmte Waffen aus dem Westen.

Kiew – Während der fortschreitenden Gegenoffensive der Ukraine könnte die Krim als Schauplatz in den Mittelpunkt rücken. Es gibt Anzeichen dass Russland wegen Sabotageakten auf der Krim in Sorge ist und sich bereits auf die Verteidigung vorbereitet. Doch wäre ein militärischer Erfolg überhaupt realistisch? Der ehemalige US-General Ben Hodges traut der Ukraine im Zuge der jüngst gestarteten Gegenoffensive zu, die Krim im Sommer befreien zu können. Die Krim bis Ende August zu befreien, sei eines der „Ziele der Offensive.“ 

Befreiung der Krim bis Ende August: Ex-General nennt Voraussetzung

Hodges rechnet mit einer Befreiung der Krim bis zum Ende des Sommers, „wenn der Westen den ukrainischen Streitkräften alles zur Verfügung stellt, was sie brauchen, insbesondere Präzisionswaffen mit großer Reichweite“, schreibt der Ex-General in einem Bericht für das Zentrum für Europäische Politikanalyse.

Befreiung der Krim: Ex-General nennt Bedingung für Rückeroberung im Sommer.

Hodges schreibt weiter: „Dann könnten die Langstrecken-Präzisionswaffen wichtige Ziele auf der Krim erreichen, und das würde es ihnen ermöglichen, die Halbinsel für die russischen Streitkräfte unhaltbar zu machen. Deshalb war die Lieferung der britischen Storm Shadow Marschflugkörper so ein wichtiger Beitrag.“ Die Krim sei „das entscheidende Terrain dieses Krieges.“

Ex-US-General hofft auf ATACMS für die Ukraine

Hodges hofft zudem, dass Biden „endlich einlenkt“ und der Ukraine ATACMS-Boden-Boden-Raketen zur Verfügung stellen wird. „Das wäre ein entscheidender Beitrag zu dem, was die ukrainischen Streitkräfte vor Ort erreichen können, und würde der Offensive einen enormen Schub verleihen“, so Hodges. US-Präsident Joe Biden sagte jüngst, dass die ATACMS  jetzt „im Spiel“ seien, ihre Lieferung nach mehr als einem Jahr also erwogen wird. 

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba gab sich jedenfalls schon Ende Dezember 2022 optimistisch, dass sein Land diese Waffen im Ukraine-Krieg bekommen könnte. Die ATACMS verfügen über eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern und könnten der Offensive am Boden entscheidend weiterhelfen. Sie wären laut Kiew in der Lage, die von Russland im Jahr 2014 völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel Krim oder gar Teile Russlands ins Visier zu nehmen.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Eroberung der Krim im Ukraine-Krieg wäre „schwer, aber möglich“

Doch wären die Ukrainer trotz Waffenlieferung bei der Krim-Eroberung erfolgreich? Mark Cancian, Oberst des US-Marinekorps im Ruhestand und leitender Berater des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS), hat bereits Thesen über den Ablauf einer Offensive auf der Krim aufgestellt. Cancian geht in seiner Analyse von einer mehrere Monate andauernden ukrainischen Offensive aus. Ein schneller Durchmarsch sei für die ukrainischen Soldaten wohl nicht möglich, stattdessen könne man von einer „verlängerten Belagerung“, urteilte Cancian.

Dabei komme es vor allem darauf an, die Infrastruktur der russischen Armee zu zerschlagen. Der strategisch wichtigste Punkt sei die Brücke über Straße von Kertsch. Sie überbrückt die Meerenge und verbindet die Krim mit dem russischen Festland. Mit der Eroberung der Krim-Brücke wäre der wichtigste Versorgungsweg des russischen Militärs abgeschnitten. Eine solche Eroberung hält Cancian für „schwer, aber möglich.“ Die ersten Befreiungsschläge der ukrainischen Armee werden die Krim vermutlich nicht über Land, sondern aus der Luft treffen, so Cancian. (bohy)

Rubriklistenbild: © Madeleine Kelly/Imago

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