Merkur-Interview

„‚Wenn die Kugeln knapp am Kopf vorbeizischen ...“: Deutscher Legionär schildert Schrecken des Ukraine-Kriegs

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Der Ex-Bundeswehr-Soldat Jonas Kratzenberg diente in der Internationalen Legion der Ukraine.
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Der Ex-Bundeswehr-Soldat kämpfte in Butscha und Irpin für die Ukraine. Nun gibt er im Merkur-Interview Einblick in die Realität des Krieges.

München/Kiew – Er konnte dem Unrecht in der Ukraine nicht tatenlos zusehen: Der 25-jährige Ex-Bundeswehrsoldat Jonas Kratzenberg kämpfte als Legionär in Irpin, Butscha und im Donbas gegen Russland – bis er bei einem Drohnenangriff von Granatsplittern im ganzen Körper schwer verletzt wurde. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur und in dem Buch „Schützenhilfe“ (Yes Publishing, 22 Euro) beschreibt der Aachener, was er in der Internationalen Legion im Ukraine-Krieg erlebte.

Münchner Merkur: Sie wurden in der Bundeswehr zum Panzergrenadier ausgebildet. Warum sind Sie als deutscher Soldat zum Kämpfen in die Ukraine gegangen?

Jonas Kratzenberg: Schon Wochen vor Kriegsausbruch war mir klar, dass Russland die Ukraine überfallen würde. Ich war angewidert von der Inaktivität der Bundesregierung, von der Inaktivität der Nato und litt darunter, dass die Ukraine zumindest in der Anfangsphase in diesem Krieg völlig alleingelassen wurde. Und mir hat der Kampfgeist der Ukrainer imponiert. Als der Krieg ausgebrochen ist, war ich gerade aus der Bundeswehr ausgeschieden. Ich hatte keinen Job, hatte keine Freundin, keine Verpflichtungen – so schien es mir die perfekte Gelegenheit, etwas für den Frieden in Europa zu tun und das, was ich fünf Jahre lang bei der Bundeswehr gelernt hatte, auf dem Schlachtfeld einzusetzen.

Sind Sie einfach an die ukrainische Grenze gefahren und haben gesagt, Sie würden gerne gegen die Russen kämpfen?

Mehr oder weniger. Man kann sich im Konsulat anmelden, danach muss man nur zum ausgemachten Treffpunkt in der Ukraine gehen, wo man genommen oder abgelehnt wird. Die Internationale Legion ist grob in drei Gruppen aufgeteilt: Die Russischsprachigen, da kommen die meisten aus Georgien. Dann gibt es sehr viele Spanischsprachige aus Lateinamerika. Der Rest wurde in den Topf englischsprachige Ausländer gesteckt, wo auch Deutsche oder Franzosen drin sind, die gar kein Englisch können. Aber irgendwie haben wir uns immer verständigt.

Ukraine-Krieg: „Die Details sind es, die man nicht los wird“

Und dann ging es gleich aufs Schlachtfeld?

Ende März wurden wir ohne formales Training nach Irpin und Butscha geschickt. Schon während ich es erlebte, war mir klar, dass das, was ich dort sah, mich nie mehr loslassen würde. In Irpin standen wir an einem Observationspunkt, direkt am letzten Abschnitt vor der russischen Front, quasi im Niemandsland zwischen Russen und Ukrainern. Auch wenn man die Bilder des Krieges aus den Medien kennt – man kann es sich nicht vorstellen, wie schlimm es wirklich war. Die Details sind es, die man nicht los wird.

Können Sie diese Details beschreiben?

(stockt, lange Pause) Die Leichen. Die Leichen …

Haben Sie auch Kameraden in diesen Kämpfen verloren?

Ja …

Wie geht man damit um?

Man lebt weiter.

Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg: „Panik begleitete uns jederzeit“

Gibt es psychologische Hilfe?

Ich habe das Glück, dass ich als ehemaliger Bundeswehr-Angehöriger Zugriff auf den Sozialdienst der Bundeswehr habe. Wenn ich nicht bei der Bundeswehr gewesen wäre, würde ich nicht wissen, an wen ich mich wenden könnte – außer vielleicht an den Dorfpfarrer. Es gibt Dinge, die kann man alleine nicht verarbeiten. Artillerie-Beschuss oder im Kampf zu stehen: Darauf bereitet einen nichts vor, egal, ob man im Kampf gehärteter Soldat oder Zivilist im friedlichen Deutschland ist. Da kommt man nicht ungeschoren raus. Egal wie mutig oder sogar verrückt man ist: Wenn die Kugeln knapp am Kopf vorbeizischen, wenn man das Pfeifen der Artillerie hört, dann scheißt sich jeder ein. Panik begleitete uns jederzeit. Die Hauptsache ist, diese Angst zu unterdrücken und trotzdem weiterzumachen.

Die Ukraine ist von Kopf bis Fuß ein korruptes Land, und das trifft auch auf das Militär zu.

Jonas Kratzenberg

Wie erlebten Sie Ihre ukrainischen Vorgesetzten?

Die Ukraine ist von Kopf bis Fuß ein korruptes Land, und das trifft auch auf das Militär zu. Ausländische Kämpfer, die kein Ukrainisch sprechen und die sich juristisch nicht wehren können, sind der Willkür der Kommandeure ausgeliefert. Jede Art von Beschwerde stößt im besten Fall auf taube Ohren.

Haben Sie nicht gedacht: Wenn ihr mich hier so behandelt, dann gehe ich zurück nach Deutschland!

Am Gehen wird man grundsätzlich nicht gehindert. Aber meine Kameraden und ich waren nicht bereit, den Kampf aufzugeben, vor allem nicht nach dem, was wir in Irpin und Butscha erlebt hatten.

Ukraine-Krieg: „Es ist ‚Im Westen nichts Neues‘ mit Kampfdrohnen“

Es heißt oft, dass der Krieg in der Ukraine mit seinen Schützengräben an den Ersten Weltkrieg erinnert. Stimmt das?

Ja, es ist „Im Westen nichts Neues“ mit Kampfdrohnen. Artillerie vorbereiten, Infanteriewellen mit gepanzerter Unterstützung – alles wie im Ersten Weltkrieg. Wir hatten das Glück, Teil einer Spezialeinheit zu sein, und hatten so dynamischere, gefährlichere Missionen. Aber dafür blieb es uns erspart, dauernd im Schützengraben zu sitzen.

Es heißt, russische Soldaten würden wie Kanonenfutter verheizt.

Ja, aber beide Seiten haben sich da nicht viel genommen. Nur: Die Russen haben mehr Menschen zum Verheizen.

Wir waren auf dem Weg zurück in die Basis. Auf den letzten Metern kam eine Drohne, ich hab mich auf den Boden geworfen, wie es mir beigebracht wurde. Die Drohne hat sich mich ausgesucht, dann hat’s gerummst.

Jonas Kratzenberg beschreibt den Moment seiner Verwundung in der Ukraine

Werden in der Ukraine auch die Internationalen Legionen verheizt?

Tatsächlich nicht. Es wurden falsche Entscheidungen getroffen, weil es an erfahrenen Offizieren fehlt. Dadurch wurden Leben unnötig weggeworfen. Aber zumindest der vom Geheimdienst geführte Legions-Teil, bei dem ich war, wurde grundsätzlich nicht als Kanonenfutter missbraucht.

Wie war es, als sich die Russen aus Irpin und Butscha zurückzogen?

Wir haben gejubelt. Der Punkt, wo das Leiden sich ausgezahlt hat, wo man einfach abschalten kann, ist ein pures Glücksgefühl. Wenn der Sieg der Ukraine irgendwann kommt, wird die Nachricht für mich in Deutschland weit weniger bedeuten, als wenn ich sie kämpfend in der Ukraine hätte erleben können.

Sie haben deshalb nicht bis zum Ende des Krieges kämpfen können, weil Sie im November 2022 in der Nähe des südukrainischen Mikolajew schwer verletzt wurden …

Es war eine meiner heftigsten Missionen, wir hatten Verluste, Verwundete, aber wir hatten es nach einem schweren Feuergefecht rausgeschafft. Wir waren auf dem Weg zurück in die Basis. Auf den letzten Metern kam eine Drohne, ich hab mich auf den Boden geworfen, wie es mir beigebracht wurde. Die Drohne hat sich mich ausgesucht, dann hat’s gerummst.

Jonas Kratzenberg nach seiner Verwundung im Ukraine-Krieg.

Gruppe Wagner „deutlich kompetenter und gefährlicher als die russische Armee“

Wie war die medizinische Versorgung?

Ich wurde von meinen Kameraden stabilisiert und in ein Krankenhaus nach Odessa gebracht, wo ich alle Hilfe der Welt hatte. Die medizinische Versorgung auch an der Front ist sehr gut. Aber es war trotzdem sehr schwierig in einem Krankenhaus, wo man die Sprache nicht richtig spricht, wo man nicht weiß, was mit einem passiert, wo man sich völlig hilflos fühlt.

Haben Sie da nicht bereut, als Kämpfer in die Ukraine gegangen zu sein?

Nein! Keine Sekunde! Ich werde es auch niemals bereuen.

Haben Sie auch gegen Söldner der Gruppe Wagner gekämpft?

Gott sei dank nicht. Aber meine Kameraden sind, nachdem ich verwundet wurde, in den Donbass gezogen und haben dort gegen Wagner gekämpft. Sie erzählen, dass Wagner deutlich kompetenter und gefährlicher ist als die russische Armee.

Deutscher Legionär schildert Eindrücke aus dem Ukraine-Krieg: Nicht mit Afghanistan-Mission vergleichbar

Ist es illegal, in einem fremden Land zu kämpfen?

Grundsätzlich darf ein Zivilist mehr oder weniger machen, was er will. Wer aber für den deutschen Staat bei einer Sicherheitsbehörde oder der Bundeswehr arbeitet, macht sich strafbar, wenn er für ein anderes Land kämpft. Deshalb musste ich bis Ende Februar warten, ehe ich in die Ukraine konnte.

Sie waren als Bundeswehr-Soldat auch in Afghanistan. War das vergleichbar mit dem, was Sie in der Ukraine erlebten?

Nicht im Mindesten. Klar, in Afghanistan war Krieg, aber was wir dort unten gemacht haben, war kein Krieg. Es war eine Stabilisierungsmission. Das Highlight meines Einsatzes war, dass eine Rakete in unser Lager einschlug und einen Generator zerstörte. Geholfen hat mir aber in der Ukraine, dass ich vor dem Afghanistan-Einsatz eine gute infantristische Ausbildung bekam. Und in Afghanistan habe ich Dinge gelernt, an die man beim Soldatsein nicht unmittelbar denkt: Im Gefecht ist es ungemein wichtig, den Alltagsstress möglichst gering zu halten. Wann immer es möglich war, habe ich in den Kampfpausen in der Ukraine gelesen. Und in einem Dorf gab es WLAN. Wenn wir nicht im Schützengraben saßen, gingen wir dorthin, um mit unseren Angehörigen daheim zu sprechen.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Der Krieg begann Ende Februar mit Angriffen Russlands auf zahlreiche Städte der Ukraine. Die Truppen aus Moskau nahmen frühzeitig auch Kiew, die Haupstadt des Landes, unter Raketenbeschuss. Eine der russischen Raketen wurde als Teil einer Ausstellung vor dem Nationalmuseum für Militärgeschichte platziert. Kurator Pavlo Netesov wollte nach eigener Aussage mit der Ausstellung der zerstörten Ausrüstung die Bewohnerinnen und Bewohner Kiews an die Straßenkämpfe erinnern, die in anderen Städte der Ukraine tobten, von denen die Hauptstadt aber verschont blieb. © Sergei Supinsky/afp
Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Eine dieser Städte war Donezk. Im Mai 2022 besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die einstige Millionenmetropole und hörte sich dort den Bericht von Frontsoldaten an. In Donezk tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bereits seit 2014. Seitdem herrscht dort ein von Moskau installiertes Regime, das sich selbst Volksrepublik Donezk nennt. Nach einigen vorübergehenden Waffenstillstandsabkommen ist die Stadt im Südosten nun wieder Ort erbitterterte Kämpfe. © Uncredited/dpa
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Es ist vor allem die Zivilbevölkerung, wie diese beiden Kinder und Seniorinnen in Lyssytschansk, die unter dem Ukraine-Krieg leiden. Die Großstadt liegt mitten im Donbass, die seit Kriegsausbruch am schwersten umkämpfte Region in der Ukraine. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht fliehen oder konnten, müssen nun regelmäßig Schutz vor Artilleriebeschuss suchen. © Aris Messinis/afp
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Unweit von Lyssytschansk liegt die Kleinstadt Tschassiw Jar. Dort räumen Arbeiter die Trümmer eines Hauses von der Straße, das von einer russischen „Hurrikan“-Rakete getroffen wurde. Im Juli 2022 feierte Russland vor allem in der Donbass-Region militärische Erfolge. Zahlreiche Städte und Gemeinden wurden erobert. Die Truppen Wladimir Putins schienen die Ukraine im Sturm zu erobern. © Anatolii Stepanov/afp
brennendes Weizenfeld in der Region Saporischschja
Dieser Mann in Militäruniform ist in einem brennenden Weizenfeld in der Region Saporischschja, während russische Truppen Felder beschießen, um die örtlichen Landwirte an der Getreideernte zu hindern. Die Ukraine auszuhungern und die Ernte zu stehlen, war von Anfang an Teil der russischen Strategie © Uncredited/dpa
Das sechsmonatige Jubiläum im August war ein trauriger Abschnitt im russischen Angriffs-Krieg
Das sechsmonatige Jubiläum des UKraine-Kriegs im August war ein trauriger Abschnitt der russischen Invasion. Doch die ukrainischen Streitkräfte leisteten mit Herz und allen Mitteln weiter Widerstand und feierten ihre Nation, wie hier mit Drohne und ukrainischer Flagge über dem „Monument des Mutterlands“ in Kiew. © Dimitar Dilkoff/afp
Hier wurde im September in der Stadt Kupiansk in der Kharkiv Region eine Brücke bombadiert
Im September begannen die Truppen Wladimir Putins, die Infrastruktur der ukrainischen Städte unter Beschuss zu nehmen. In der Stadt Kupiansk in der Region Kharkiw bombardierte Moskau eine Brücke. An vielen anderen Städten versuchten die russischen Streitkräfte, die Energieversorgung zu stören. © Yasuyoshi Chiba/afp
Statt eines kurzen Angriffskriegs, den der russische Präsident Wladimir Putin geplant hatte, dauert der Krieg immer noch an.
Weil die Erfolge in der Ukraine ausblieben, benötigten die russischen Truppen immer mehr Rekruten für die Front. Präsident Wladimir Putin verkündete deshalb eine Teilmobilisierung im eigenen Land. Tausende junger Männer mussten sich wie dieser Mann in der Stadt Kineschma von ihren Müttern verabschieden und in den Ukraine-Krieg ziehen. © Vladimir Smirnov/imago
Hier sieht man Putin bei einer Ansprache auf einem großen Screen auf dem Roten Platz anlässlich der Annexion von vier Regionen der Ukraine, die von russischen Truppen im September besetzt waren
Im Osten der Ukraine schuf Wladimir Putin Ende September Tatsachen. Vier Regionen des Landes, die zuvor ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, wurden annektiert. Anlässlich der Gebietsgewinne richtete sich Putin in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung Russlands. Zumindest auf dem Roten Platz in Moskau wurde Putins Rede frenetisch bejubelt. © Alexander Nemenov/afp
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf. Sie ist die einzige Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Krim-Halbinsel. Russland versprach, die Täter zu finden, ohne die Ukraine sofort zu beschuldigen. © Uncredited/afp
Ukrainische Artilleristen feuern eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk Ende Oktober während des russischen Einmarsches in die Ukraine
Ebenfalls im Oktober gelingt es der Ukraine, an vielen Frontabschnitten vorzurücken. Das gelingt den Streitkräften vor allem dank der Unterstützung aus dem Westen, die immer mehr schweres Gerät in den Konflikt liefert. Hier feuern ukrainische Artilleristen eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk ab. © Dimitar Dilkoff/afp
Ein Einwohner von Cherson hebt seinen Daumen zur Unterstützung der Ukraine auf dem Hauptplatz der Stadt nach der Befreiung von den russischen Besatzern
Mitte November gelingt den ukrainischen Truppen ein großer Erfolg. Sie können die Hafenstadt Cherson im Südosten des Landes zurückerobern. Die Millionenmetropole besitzt neben hohem strategischem auch symbolischen Wert im Kampf gegen Russland. Ein Bewohner feiert die Befreieung mit erhobenem Daumen im Zentrum der Stadt. © Celestino Arce Lavin/dpa
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden. Russland attackierte die Ukraine mit einem massiven Angriff auf die zivile Infrastruktur, wodurch Millionen von Haushalten ohne Strom blieben. Unmittelbar nach dem Vorfall gab es Befürchtungen, dass es sich um eine neue Eskalation des Konflikts handeln könnte, doch am 16. November 2022 gab Polen bekannt, dass das Geschoss wahrscheinlich von der ukrainischen Luftabwehr stammte. Diese Theorie wurde dann auch von Washington bestätigt. © Wojtek Radwanski/Damien Simonart/afp
ein Werk des britischen Straßenkünstlers Banksy auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion
Auch Banksy besuchte die Ukraine inmitten des Krieges. Ein am 17. November 2022 aufgenommenes Foto zeigt ein Werk des britischen Straßenkünstlers auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Ukraine sich auf einen Winter des Krieges einstellen wird müssen. © Sergei Supinsky/afp
Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten
Weitere harte Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur. Sogar Kernkraftwerke werden zum Ziel russischer Raketen. Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten, der durch Beschuss im Zuge der russischen Militäroperation in der Ukraine in Enerhodar beschädigt wurde. © Alexey Kudenko/imago
Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022
Kleine Momente des Glücks im Wahnsinn des Krieges: Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022, als die Stadt nach den jüngsten massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur von einem geplanten Stromausfall betroffen ist. © Yuriy Dyachyshyn/afp
Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine
Für einen Augenblick darf dieses Mädchen einfach Kind sein. Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine © Dimitar Dilkoff/afp
Ukraine-Krieg - Jahrestag Kriegsbeginn- Kiew
Ukrainische Soldaten erinnern am 24. Februar 2023 an der Sophienkathedrale in Kiew an den Beginn des Ukraine-Kriegs ein Jahr zuvor. © Kay Nietfeld/dpa
Ukraine-Krieg - Orthodoxe Ostern in Saporischschja
Die kirchlichen Rituale werden in der Ukraine auch im April 2023 befolgt: Orthodoxe christliche Priester und Gläubige bei der Segnung der traditionellen Osterkörbe am Ostersonntag in der St. Nikolaus-Kirche in Saporischschja. © Andriy Andriyenko/dpa
Ukraine-Krieg - Ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes
Ukrainische Soldaten gestikulieren im September 2023 auf ihrem Bradley Fighting Vehicle (BFV) in der Frontstadt Orichiw. Aus ihrem amerikanischen Schützenpanzer berichten sie von schweren Gefechten. Seit Kriegsbeginn stand Orichiw unter ständigem Beschuss der russischen Armee. © Oliver Weiken/dpa
Ukraine-Krieg - Kupjansk
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) wird am 30. November 2023 während eines Besuchs in einem Gefechtsstand an der Front in Kupjansk über die Kriegssituation informiert. © dpa
Lwiw
Auch im Dezember 2023 feiern die Menschen in der Ukraine Weihnachten. In Lwiw besuchen sie den Gottesdienst an Heiligabend und bereiten sich darauf vor, den ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember zu feiern.  © Yuriy Dyachyshyn/AFP
Ukraine-Krieg - Charkiw
Ein großer Haufen Trümmer mit Resten von russischen Raketen liegt in der Stadt Charkiw. In den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2024 schlug eine russische Rakete in einem Wohngebiet von Chugugyv ein und tötete eine 67-jährige Frau. © Ximena Borrazas/dpa
Charkiw
Trotz Gesprächen über eine Waffenruhe dauert der Ukraine-Blick auch im Jahr 2025 weiter an. Charkiw steht mehrmals schwer unter russischem Beschuss. Das Kunstwerk „Kreuz des Friedens“ mit einem Kruzifix aus 20.000 Fragmenten russischer Artilleriegeschosse wurde vom amerikanisch-ukrainischen Künstler Sergey Melnikoff (besser bekannt als MFF) und dem ukrainischen Künstler Viktor Belchik geschaffen. © Sergey Bobok/AFP
Ukraine-Krieg - Sumy
Bei einem schweren russischen Luftschlag mit ballistischen Raketen gegen die Stadt Sumy kommen am Palmsonntag 2025 mehr als 30 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Zivilpersonen werden verletzt. Unter den Toten sind auch Kinder. © Evgeniy Maloletka/dpa

Wie fanden es Ihre Eltern, dass Sie in den Krieg gezogen sind?

(Lange Pause) Irgendwie haben sie es verkraftet. Es war schrecklich, vor allem für meine Mutter. Sie hat mit niemandem darüber geredet, wo ich bin, nicht einmal mit ihren Schwestern. Sie wusste, wenn das Thema zur Sprache kommt, dann kann sie nicht mehr aufhören zu weinen.

Sieg gegen Russland? „Es steht besser um die Ukraine als viele glauben“

Haben die Ukrainer eine Chance, gegen das mächtige Russland zu gewinnen?

Es steht besser um die Ukraine, als viele bei uns glauben. Solange der Westen in seiner Unterstützung nicht nachlässt, ist das machbar. Die Frage ist, wie viele Menschenleben das noch kosten wird. Wenn die Ukraine das komplette Kriegsziel mit der Befreiung der Krim erreichen will, wird das noch lange dauern. Das Einzige, worauf man für einen schnellen Sieg hoffen kann, ist, dass es einen Putsch in Russland gibt.

Gehen Sie nach Ihrer Genesung wieder zurück in den Kampf in der Ukraine?

Ich verspüre schon noch den Drang, zurückzukehren und wieder zu kämpfen. Aber mein Platz ist hier bei meiner Freundin, die ich in der Ukraine kennengelernt habe, und bei meiner Familie, und da muss ich anfangen, mir eine Zukunft ohne den Krieg aufzubauen.

Interview: Klaus Rimpel

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