Oppositionelle schätzt Lage ein

Keine Hilfe für Putin: Warum Lukaschenko Belarus nicht in den Ukraine-Krieg schickt

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Lukaschenko wird wohl keine Armee in den Krieg entsenden – um zivile Unruhe zu vermeiden, glaubt eine Oppositionelle.
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Lukaschenko gilt als Wladimir Putins Verbündeter. Doch seine Streitkräfte wird er wohl nicht in den Ukraine-Krieg schicken – um zivile Unruhe zu vermeiden.

Belarus – Die enge Partnerschaft zwischen Kreml-Chef Putin und dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko bereitet Sorge. Diese ist größer geworden, seitdem Lukaschenko Bedingungen für einen Kriegseinzug Belarus genannt und somit eine Beteiligung im Krieg dem Anschein nach nicht ausgeschlossen hatte. Doch die prominente Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja stellt eine militärische Unterstützung infrage. Lukaschenko werde seine Truppe nicht in den Krieg schicken, so Tichanowskaja. Denn dann könnte seine ohnehin geringer Rückhalt noch mehr schwinden.

Ein Jahr Ukraine-Krieg: Warum Lukaschenko seine Armee nicht in den Krieg schicken wird

Würde Lukaschenko die belarussische Armee an die Front schicken, würde das für Unruhe in der Gesellschaft sorgen. „Lukaschenko weiß: Wenn er die Armee sendet, wird das vorhersehbare Folgen haben. Unsere Armee will nicht kämpfen“, sagte Tichanowskaja im Interview mit der Welt. Sowohl Putin als auch Lukaschenko wüssten, „dass es bereits kocht in der Gesellschaft in Belarus.“ Der Großteil der Bevölkerung wolle sich nicht an dem Ukraine-Krieg beteiligen. Zudem wüssten Putin und Lukaschenko beide, dass die Entsendung der belarussischen Armee in den Ukraine-Krieg die Situation weiter „destabilisieren“ würde.

Gemeinsame militärische Übungen zwischen Belarus und Russland im letzten Jahr haben Sorge genährt, dass Minsk an der Seite von Moskau gegen die Ukraine kämpfen könnte. Lukaschenko hat bislang wiederholt Spekulationen zurückgewiesen, seine Truppen würden sich an den Kämpfen in der Ukraine beteiligen. Tichanowskaja sieht den belarussischen Präsidenten am Krieg beteiligt, auch wenn er noch keine Truppen entsandt hat. „Was die Armee angeht, ist das etwas anderes. Aber Lukaschenko ist bereits ein Kriegsverbrecher und er trägt Verantwortung“, sagte Tichanowskaja.

Zieht Belarus für Putin in den Ukraine-Krieg? Lukaschenko diskutiert wohl Militärpläne mit Putin

Kreml-Chef Putin hatte jüngst Spekulationen um eine Beteiligung Belarus am Ukraine-Krieg zusätzlich befeuert. Putin hatte vor einem Treffen mit Lukaschenko erklärt, er wolle mit seinem belarussischen Verbündeten am Freitag, 17. Februar 2023, in Nowo-Ogarjowo gemeinsame Pläne zur militärischen Zusammenarbeit besprechen. Darüber berichtet CNN.

Nach dem Treffen am 17. Februar 2023 gab Lukaschenko am Jahrestag des Ukraine-Kriegs bekannt, er habe mit Purin ein langes Gespräch „über verschiedene Themen“ gehabt. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Lukaschenkos Social-Media-Kanal, welcher mit Lukaschenkos Pressedienst verbunden ist. Einzelheiten nannte er nicht.

Putins geheimer Belarus-Plan: Will der Kreml-Chef Belarus annektieren?

Immer wieder betonten beide Staatsoberhäupter ihre Partnerschaft. Doch möglicherweise nutzt der Kreml-Chef die Zusammenarbeit mit Belarus als Vorbehalt für andere Absichten. Mehrere Medien berichteten über geleakte Belarus-Geheimpläne des russischen Präsidenten. Demnach wollen Putins Strategen Belarus in drei Etappen politisch, wirtschaftlich und militärisch unterwandern, mit dem Ziel, einen gemeinsamen „Unionsstaat“ unter russischer Führung zu schaffen. Dieser soll als Bollwerk gegen das westliche Verteidigungsbündnis Nato fungieren.

Entstanden sein soll das Dokument im Sommer 2021, also noch vor Russlands Einmarsch in die Ukraine. Russland wolle in seinem Nachbarland das politisch-wirtschaftliche und militärische Leben bestimmen, heißt es. Strategisches Ziel Moskaus sei „die Sicherstellung des vorherrschenden Einflusses der Russischen Föderation in den Bereichen Gesellschaftspolitik, Handel, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Kultur“. Ob es tatsächlich aus der Präsidentialdirektion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit stammt, lässt sich nicht eindeutig bestätigen, doch mehrere westliche Geheimdienste halten es laut SZ für authentisch.

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