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Elon Musk mischt im Ukraine-Krieg mit. So viel ist sicher. Der Multimilliardär gibt sich als Vermittler. Wird er in Wahrheit als Sprachrohr von Wladimir Putin genutzt?
München - Wenn sich Elon Musk der Welt mitteilen möchte, nutzt er dafür in der Regel Twitter. Das geht schnell und unkompliziert. Kann einem aber auch mal heftig auf die Füße fallen. Wie der Multimilliardär etwa erfahren musste, als er den wohl bald in seinen Besitz übergehenden Social-Media-Dienst nutzte, um seinen persönlichen Friedensplan im Ukraine-Krieg zu verbreiten und für jedermann zur Abstimmung freizugeben.
Der sah erneute Referenden in den von Russland annektierten Gebieten des Nachbarlandes vor. Außerdem sollte die Krim russisch bleiben. Und die Ukraine neutral werden. Letztlich nahmen fast 2,75 Millionen Twitter-Nutzer an dem Voting teil, von denen immerhin 40,9 Prozent Musk zustimmten. Nicht nur viele der anderen 59,1 Prozent stellten sich dagegen die Frage: Hat sich der Tesla-Gründer diesen Tweet vorher von Wladimir Putin absegnen lassen?
Musk und der Ukraine-Krieg: Starlink-Zugriff für Krim verweigert
Dem Mann, den er kurz nach der russischen Invasion noch zum Kampf „Mann gegen Mann“ herausforderte, nach dem der Gewinner über das Schicksal der Ukraine entscheiden sollte. Und dem Musk die Stirn bot, indem er der ukrainischen Armee nach dem Einmarsch die Starlink-Internet-Terminals seiner Firma SpaceX zur Verfügung stellte.
Jüngst lehnte der Unternehmer den Ukrainern jedoch die Nutzung von Starlink auf der Krim ab. Zudem berichtete die Financial Times, während der Offensive der Verteidiger würde die Verbindung in den umkämpften Regionen häufiger zusammenbrechen. Dies alles nährt Spekulationen, Musk habe in dem Konflikt die Seiten gewechselt.
Video: Fünf Fakten über Elon Musk
Musk und Putin: Kreml-Chef soll Unternehmer Bereitschaft für Verhandlungen signalisiert haben
Zumindest einen Austausch mit dem russischen Präsidenten gab es laut dem Politikwissenschaftler Ian Bremmer. Darüber berichtete die Webseite Vice. Dem Chef der Eurasia-Group, einem in New York sitzenden international agierenden Beratungsunternehmen, zufolge habe Musk ihm mitgeteilt, dass Putin „bereit für Verhandlungen“ sei - unter den Bedingungen, dass die Krim russisch bleibe, die Ukraine einen neutralen Status einnehme und die Annexionen der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja anerkenne.
Weiter habe Musk demnach Bremmer verraten, Putin gehe davon aus, dass diese Ziele „auf jeden Fall“ erreicht werden. Sollte die Ukraine auf der Krim einmarschieren, sei ein Atomschlag nicht auszuschließen. Daher habe Musk Bremmer gesagt, „alles müsse unternommen werden, um dies zu verhindern“.
Von dem Unternehmer Sven Henrich (NorthmanTrader) via Twitter mit dem Artikel konfrontiert, antwortete Musk, dies sei nicht wahr. Und weiter: „Ich habe nur einmal mit Putin gesprochen und das ist 18 Monate her. Dabei ging es um das Weltall.“
Twitterstreit mit Musk: Wissenschaftler Bremmer besteht auf Aussagen aus Gespräch mit Putin
So einfach kommt der reichste Mann der Welt aber nicht davon. Bremmer legte nun ebenfalls via Twitter nach. Dort schrieb er: „Elon Musk hat mir gesagt, dass er direkt mit Putin und dem Kreml über die Ukraine gesprochen hat. Er nannte mir auch die roten Linien des Kreml.“
Bremmer schreibe seinen wöchentlichen Newsletter zum Thema Geopolitik, in dem die Anschuldigungen zur Sprache kamen, seit 24 Jahren: „Ich schreibe ehrlich und ohne Angst oder Bevorzugung, und das war in dieser Woche nicht anders.“
Und dann über seinen mutmaßlichen Gesprächspartner: „Ich bewundere Musk seit langem als einzigartigen und weltverändernden Unternehmer. Er ist kein geopolitischer Experte.“ Das dürfte sogar der Angesprochene so unterschreiben. (mg)
