Merkur-Kommentar

Die historischen Beschlüsse der Nato: Merkel lag falsch, wieder muss es Amerika richten

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Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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Europa berauschte sich jahrelang an seiner „soft power“. Jetzt sind es wieder die Amerikaner, die den Kontinent vor den imperialen Fantasien eines größenwahnsinnigen Diktators retten müssen. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Es ist nicht lange her, da feierten die Linksliberalen Angela Merkel als die Anführerin der freien Welt. Nichts hätte, wie wir heute wissen, falscher sein können: Während Europa sich an sich selbst und seiner „soft power“ berauschte und Deutschland wie zum Beweis seiner immerwährenden Friedfertigkeit die Bundeswehr abwrackte, bereitete Putin seinen brutalen Angriffskrieg in Osteuropa vor. Jetzt müssen uns einmal mehr die Amerikaner vor den imperialen Fantasien eines größenwahnsinnigen Diktators retten. Sie sind es, die durch ihre Waffenlieferungen den russischen Durchmarsch in der Ukraine bis an die Grenze Polens stoppten und jetzt neue Truppen zur Verteidigung Europas schicken. So hat es gerade die Nato auf ihrem historischen Gipfel beschlossen. Die USA, deren Verdrängung aus Eurasien Kern von Putins Politik war, sind zurück.

Ukraine-Krieg: Jetzt muss die Bundeswehr wieder das eigene Land verteidigen

Die Putin-Versteher in der SPD (und auch die Verfasser schlauer Promi-Briefe) müssen harten Tatsachen ins Auge sehen. Nicht das Mantra vom „Wandel durch Handel“ hat drei Generationen lang den Frieden auf dem Kontinent bewahrt, sondern die US-Beistandsgarantie und das Gleichgewicht des Schreckens, das jedem Aggressor bedeutete: Wer als Erster schießt, ist als Zweiter tot. Kanzler Helmut Schmidt hat das verstanden. Für die von ihm durchgesetzte Nato-Nachrüstung wurde er 1982 von seiner SPD gestürzt. Jetzt ist es mit Olaf Scholz wieder ein Sozialdemokrat, der die Deutschen zurückführen muss auf den Weg kühler Vernunft. Jahrzehntelang wurde ihnen erzählt, die Bundeswehr sei eine Art Sondereinsatzkommando für Einsätze am Hindukusch. Jetzt muss die Armee wieder das eigene Land verteidigen. Dafür muss sie massiv aufgerüstet werden. Das kostet viel Geld und Wohlstand. Doch kann der Friedlichste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

KGB-Mann Putin hat die EU immer nur als schwächlichen Vorhof eines russischen Großreichs betrachtet. Und als Quatschbude. Jetzt lernt er ein neues Europa kennen.

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