VonNadja Orthschließen
Die Ukraine hat ein militärisches Ladungsschiff von Russland beschädigt. Die Regierung kündigt weitere Anschläge an. Russland reagiert mit Maßnahmen.
Kiew/Moskau – In der Nacht auf Freitag (4. August) ist der Ukraine laut Angaben des Geheimdienstes ein Angriff auf ein russisches Landungsschiff im Schwarzmeerhafen von Noworossijsk gelungen. Während Russland den Erfolg des Angriffs bislang abstreitet, kündigt die Ukraine bereits weitere Attacken auf die russischen Flotten im Schwarzmeer an. Russland beginnt offenbar mit der Sicherung seiner Häfen.
Der Treffer am Landungsschiff „Olenegorski gornjak“ (Olenegorsker Bergmann) sei ein großer Verlust für die Flotte der Besatzer, sagte der Sprecher des Militärgeheimdienstes HUR, Andrij Jussow, im russischsprachigen Auslandssender Freedom des ukrainischen Staatsfernsehens. Laut ihm stellen gerade diese Ladungsschiffe eine Gefahr im Ukraine-Krieg dar. Umso zufriedener ist man mit dem Erfolg. „Für die Ukraine ist das eine gute und gerechte Nachricht“, sagte er am Freitag. Gleichzeitig kündigte Jussower an: „Das wird weitergehen.“
Die ukrainische Zeitung Kyiv Post veröffentlichte ein angebliches Video des Drohnenangriffs:
⚡️A video of a surface drone attack on the Russian Navy’s Ropucha-class landing ship Olenegorski Gornjak in #Novorossiysk has appeared on the Internet. pic.twitter.com/wcfKIVEE4K
— KyivPost (@KyivPost) August 4, 2023
Ukraine-Attacken auf Schiffe sollen „weitergehen“: Experte erklärt strategisches Ziel
Auch unabhängige Experten sind sich sicher, dass die Ukraine zukünftig mehr Angriffe auf die russische Schwarzmeerflotte starten wird. Der Forschungsbeauftragte für Seemacht am Royal United Services Institute, Sidharth Kaushal, sagte gegenüber Sky News, dass die Ukraine „relativ wahrscheinlich“ ähnliche Attacken starten wird. Mit der Zerstörung russischer Schiffe seien gleich zwei Ziele verbunden: Zum einen wolle die ukrainische Armee die Logistik Russlands schwächen, von der die Seestreitkräfte ein Teil seien. Zum anderen sei das Ziel, „Gegendruck auf die russische Blockade von Odessa auszuüben“, so Kaushal weiter.
Der Ukraine sei mit dem Angriff ein wichtiges Zeichen gelungen. Auch wenn es sich um einen Angriff auf ein militärisches und nicht auf ein kommerzielles Objekt handele, zeige er doch, dass die Ukraine russische Handelshäfen angreifen könne.
Nach Ukraine-Attacke auf russisches Ladungsschiff: Russland sichert ersten Hafen ab
Dass Russland den Angriff nicht auf die leichte Schulter nimmt, zeigen aktuelle Entwicklungen im Hafen der russischen Stadt Sotschi. Wie der Bürgermeister Alexey Kopaygorodskiy via Telegram-Nachricht mitteilte, planen die Behörden von Sotschi „zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung des Schutzniveaus des Wasserbereichs und der Küsteninfrastruktur“ planen.
Kopaygorodskiy behauptet im Detail, dass als Maßnahme unter anderem der Sicherheitsperimeter des Seehafens verstärkt werden würde. Weiter sagte er, es gebe etwa 3.000 Überwachungskameras in Sotschi, und es sei geplant, ihre Zahl zu erhöhen. Insgesamt würden die Behörden bei ihren Verbesserungen in der Sicherheit die Erfahrungen „anderer Schwarzmeerhafenstädte“ berücksichtigt.
Unterdessen behauptet das russische Verteidigungsministerium nach der jüngsten Attacke auf seine Schwarzmeerflotte, dass der Angriff abgewehrt worden sei. Dagegen ist auf Videos und Bildern zu sehen, dass das Schiff Schlagseite hat. (nz mit dpa-Material)
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