Deutlich zu erkennen: Zerstörte und/oder verlassene Bradley-Schützenpanzer sowie ein verlassener Leopard-2-Panzer der ukrainischen Armee (unten). Das Foto soll in der Region Saporischschja entstanden sein.
Die Gegenoffensive der Ukraine ist im Gange. Bezahlt werden die Gebietsgewinne mit Verlusten bei den Panzern. Doch Militärexperten beruhigen.
München – Mit einer Gegenoffensive im Ukraine-Krieg will Kiew die Gebiete, die von den Truppen des Kreml-Chefs Wladimir Putin besetzt wurden, zurückerobern. Sowohl im Süden in Saporischschja als auch im Osten in Donezk liefern sich das ukrainische Militär und die russische Armee inzwischen schwere Gefechte. Den ukrainischen Soldaten ist es zwar gelungen, bereits kleine Erfolge zu vermelden. Doch der Preis hierfür stellte sich als hoch heraus.
Ukrainische Gegenoffensive: Russen zerstören wohl amerikanische Bradleys
Westliche Länder, dabei vor allem die USA, versorgten Kiew mit reichlich Militärausrüstung seit Beginn des russischen Angriffskrieges. In den letzten Monaten fokussierte man sich bei der militärischen Hilfe schließlich auf ukrainische Pläne, eine Gegenoffensive durchzuführen. Neben der Ausbildung von Truppen sollten vor allem westliche Panzer wie die deutschen Leopards oder die amerikanischen Abrams Erfolge für die ukrainische Armee sichern und Putins Soldaten aus ukrainischen Regionen vertreiben.
Die USA lieferten zudem auch gepanzerte Truppentransporter vom Typ Bradley an die Ukrainer. Das Fahrzeug kann bis zu 10 Soldaten in die Gefechtszone transportieren und Feuerunterstützung geben. Aktuell kommen sie offenbar verstärkt an den Frontlinien in Saporischschja zum Einsatz. Doch dort scheitert die ukrainische Offensive an der russischen Verteidigung, wie vom russischen Verteidigungsministerium verbreitete Drohnenaufnahmen belegen. Russische Drohnen nehmen die ukrainischen Einheiten ins Visier und zerstören die ukrainischen Fahrzeuge.
Gegenoffensive der Ukraine: Fehlende Artillerie- und Luftunterstützung
Zwar ist das genaue Datum der russischen Aufnahmen unbekannt, doch auch unabhängige Militärbeobachter sprechen von hohen Verlusten bei der ukrainischen Armee. Der niederländische Beobachter Jakub Janovsky vom Portal Oryx sammelt auf Grundlage von visuellen Bestätigungen die Verluste der Ukraine bei der Gegenoffensive. Für die Bradleys zieht er eine bittere Bilanz: In den letzten Tagen seien 16 der US-Fahrzeuge zerstört worden. Insgesamt habe Washington dabei 109 Bradleys geliefert. Somit seien schon jetzt 15 Prozent der Truppentransporter bei russischen Attacken zerstört worden.
Militärexperten grübeln inzwischen über den Grund für die hohe Zerstörungsrate der ukrainischen Fahrzeuge. Die wahrscheinlichste Erklärung ist die ungenügende Luftunterstützung auf der ukrainischen Seite. Schon als die USA die Lieferung der Bradleys angekündigt hatten, kamen Warnung auf. Der militärische Analyst und Ex-US-General James Marks hatte etwa laut dem Sender CNN erklärt, die Fahrzeuge seien zwar „wunderbar“, müssten aber zusammen mit Luft- und Artillerieunterstützung eingesetzt werden.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Ukraine-Krieg: Experten zeigen sich hoffnungsvoll über Gegenoffensive von Kiew
Gleiches betonte auch der britische Ex-Soldat und Militärexperte Nicholas Drummond. „Ich würde eine von mehr Artillerie und Kampfflugzeugen begleitete Nutzung der gepanzerten Fahrzeuge gerne sehen“, sagte er gegenüber CNN. Die Bedeutung des sogenannten „Gefechts der verbundenen Waffen“ wurde im Hintergrund der Vorbereitungen für die ukrainische Gegenoffensive immer wieder hervorgehoben.
Drummond zufolge ist die Zerstörung der Bradleys außerdem halb so wild. Die Panzerung erfülle ihre Aufgabe und die Soldaten würden mit ihrem Leben davonkommen. „Katastrophalen Schaden“ gebe es nicht. Der Beobachter Janovsky äußerte sich ebenfalls hoffnungsvoll. Viele der US-Fahrzeuge seien nicht komplett zerstört, sondern lediglich beschädigt. Diese könne man wieder erbeuten und reparieren.
Trotz der Verluste geht es mit der Offensive aber voran. Die Ukraine hatte zuletzt die Eroberung mehrerer Dörfer in Donezk gemeldet. Es mag sich zwar um kleine Erfolge handeln, doch der CNN-Militäranalyst Mark Hertling sieht hier durchaus eine positive Entwicklung. „Das verstärkt die Tatsache, dass es vorangeht“, so der Experte. Schließlich sei jede noch so kleine Eroberung von Land ein „Marsch in Richtung operationellen Erfolg“. (bb)