Gedenktermin in Polen

Blutrotes Farbbad für Botschafter – Ukraine-Protest vertreibt Putin-Gesandten von Friedhof

+
Farbangriff auf Russlands Botschafter in Polen, Sergej Andrejew.
  • schließen

Eigentlich wollte Putins Gesandter in Polen zum 9. Mai einen Kranz niederlegen. Demonstranten bewarfen ihn mit roter Flüssigkeit. Sein Gesicht wirkte wie blutüberströmt.

Warschau - Russlands Botschafter in Polen greift sich ins Gesicht und wischt sich mit dem Daumen eine rote Flüssigkeit aus dem Auge. Auf den ersten Blick scheint es, als ob Sergej Andrejew stark blutet. Tatsächlich ist es aber eine andere Substanz, die den Kopf des Botschafters am Montagmittag (9. Mai) überströmt. Es ist ein Protest gegen den Ukraine-Krieg.

Ukraine-Krieg: Demonstranten attackieren Russlands Botschafter mit Farbe

Der 9. Mai ist einer der wichtigsten Feiertage in Russland. Moskau zelebrierte mit einer großen Militärparade das Ende des Zweiten Weltkriegs, aber auch in anderen Ländern zeigte Russland Präsenz. In Polens Hauptstadt Warschau wollte eine russische Delegation Blumen auf dem Mausoleumsfriedhof in Warschau für sowjetischen Soldaten niederlegen. Hier liegen die sterblichen Überreste von mehr als 20.000 Soldaten, die in den Jahren 1944 und 1945 im Kampf gegen Nazi-Deutschland gefallen waren. Am Friedhof erwarteten jedoch polnische und ukrainische Demonstranten die Gruppe.

Wie die Nachrichtenagentur PAP berichtet, riefen die Demonstranten zunächst Begriffe wie „Mörder“ oder „Faschisten“ in Richtung Andrejew und seine Begleiter. Dann trafen erste Flüssigkeitsspritzer den russischen Botschafter, ehe ein großer Klecks der Flüssigkeit im Gesicht des Botschafters landete. Das Mediennetzwerk Nexta, ein wichtiges Sprachrohr für Kritik in Belarus mit Sitz in Warschau, veröffentlichte die Szenen auf Twitter. Der Botschafter und die Delegation kehrten nach dem Angriff zu ihren Dienstwagen zurück.

Ukraine-Krieg: Russland feiert Militärparade - Putin rechtfertigt Einmarsch

Am 9. Mai feiert Russland den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland. Russlands Präsident nutzte das Datum dieses Jahr für eine große Militärparade. Sie stand freilich im Zeichen des Ukraine-Kriegs. So warnte der Kremlchef den Westen vor einer weiteren Eskalation und einem „globalen Krieg“.

Zudem rechtfertigte Putin die russische Invasion mit der Erweiterung der Nato. „Russland hat präventiv die Aggression abgewehrt, das war die einzig richtige Entscheidung“, sagte Putin. Er warf dem Westen einmal mehr vor, „Neonazis“ in der Ukraine bewaffnet zu haben. Eine befürchtete Eskalation blieb zwar aus, Putin hielt sich jedoch eine rhetorische Hintertür offen. Fernab der Militärparade geht der Ukraine-Krieg derweil weiter. Kurz nach Putins Rede meldete Russland 200 Angriffe auf die Ukraine und Hunderte Tote binnen weniger Stunden. (as)

Kommentare