Gescheitertes Manöver?

Mariupol-Rätsel: Truppen ziehen offenbar ab - trotz Putins Eroberungsplan bis 9. Mai

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  • Magdalena von Zumbusch
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Russland plant offenbar, das Stahlwerk „Azovstal zu erobern und Putin zum 9. Mai den Sieg zu schenken“. Warum dann aber der Truppenabzug der Russen?

Mariupol - Russland will nach Einschätzung der ukrainischen Regierung das belagerte Stahlwerk in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol bis zum Montag (9. Mai) erobern. Die schweren Angriffe auf das Gelände des Stahlwerks, in dem sich die letzten Verteidiger Mariupols zusammen mit Zivilisten verschanzt haben, scheinen die Sichtweise der Ukraine zu stützen.

Ukraine-Krieg: Putins Wunsch zum 9. Mai

Olexij Arestowytsch, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sprach am Donnerstagabend (5. Mai) über Wladimir Putins mutmaßliche Pläne im Ukraine-Krieg: Das Azovstal-Werk solle zum 77. Jahrestages des Sieges über Hitler-Deutschland am 9. Mai erobert werden: In Moskau ist am Montag eine große Militärparade geplant. Putin wird eine Rede halten. „Das schönste Geschenk an einen Herrscher ist der Kopf seines Gegners. Ich erkenne klar das Bestreben, Azovstal zu erobern und Putin zum 9. Mai den „Sieg“ zu schenken“, habe er laut Agentur Unian berichtet. „Sie wollen das unbedingt, aber mal sehen, ob ihnen das gelingt“, so Arestowytsch.

Rauch steigt am 05. Mai aus dem Stahlwerk Azovstal in Mariupol auf. Die Stadt ist im Ukraine-Krieg hart umkämpft.

Ukraine-Krieg: Abzug russischer Truppen wirft Fragen auf

Nun sorgen Aussagen aus dem Pentagon aber für Zweifel am Eroberungsplan von Mariupols letzter „Widerstandsfestung“. Der Großteil der russischen Streitkräfte sei abgezogen. Konkret: 2000 Soldaten, wie Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag erklärte.

Es kann sich also noch nicht um einen siegesgewissen Abzug handeln. Wurde hier nur eine kurze Pause eingeleitet, um sich für letzte, zähe Kämpfe zu wappnen? Oder ist Russland nicht mehr entschlossen genug, um nach den harten Kämpfen, die um das Stahlwerk bereits mit großen Verlusten auch für Russland stattgefunden haben, den letzten erbitterten Widerstand zu brechen? Die nächsten Tage werden es wohl zeigen.

Ukraine-Krieg: Kiew meldet Mariupol-Evakuierung

Von Kiew wurde derweil am Freitagmorgen (6. Mai) die Befreiung von 500 Zivilisten aus Mariupol bestätigt. „Wir haben es geschafft, 500 Zivilisten herauszuholen“, teilte der Leiter des ukrainischen Präsidialamts Andrij Jermak am Freitag auf Telegram mit. Er sprach von einer „weiteren Etappe der Evakuierung“, die in den kommenden Tagen fortgesetzt werden solle. Außerdem dankte er der UN für ihre Hilfe bei der Organisation der Flüchtlingskorridore.

Aktuell sollen in dem Stahlwerk damit weiterhin bis zu 200 Zivilisten und eine unbekannte Anzahl ukrainischer Soldaten ausharren. Für Freitag und Samstag waren mehrstündige Feuerpausen vereinbart worden und Moskau hatte den Zivilisten freien Abzug zugesichert. Von den ukrainischen Soldaten fordert der Kreml aber, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. (dpa)

Rubriklistenbild: © Uncredited/dpa/AP

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