Kritik vom Ost-Nachbarn

„Scholz hält eigene Ankündigungen nicht ein“: Polen-Zeitung attackiert Kanzler wegen Ukraine-Politik

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„Der Kanzler muss seine Hausaufgaben machen“: Kritik an Olaf Scholz in der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“.
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Deutschland unterstützt die Ukraine nicht, argumentiert eine polnische Zeitung. Die Politik des Bundeskanzlers sei „unerklärlich“.

Warschau - Olaf Scholz steht für seine Ukraine-Russland-Politik in der Kritik, gerade im Osten Europas. Deutschlands Nachbarland Polen etwa kritisiert die Bundesregierung derzeit regelmäßig.

So hält die polnische Regierung die Telefonate des Kanzlers mit Kremlchef Wladimir Putin für nicht zielführend. „Die halten wir absolut für sinnlos“, sagte Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek zuletzt in der ARD-Sendung „Maischberger“. Außerdem forderte er, Deutschland müsse mit Blick auf Waffenlieferungen „endlich mehr“ tun. In diese Kerbe schlug nun auch die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita, die die Scholz-Politik mit anderen sozialdemokratischen Regierungen Europas verglich.

Ukraine-Krieg: „Olaf Scholz hält seine eigenen Ankündigungen nicht ein“

Am Mittwoch (8. Juni) hieß es in der Zeitung in einem Kommentar zur deutschen Politik im eskalierten Ukraine-Konflikt: „Nach mehr als hundert Tagen russischer Aggression gegen die Ukraine lässt sich kaum behaupten, dass Kanzler Olaf Scholz den Test in deutscher und europäischer Führung gut bestanden hat.“ Und weiter: „Nach der Verkündung einer Abkehr von Willy Brandts Ostpolitik - dem Prinzip ‚Wandel durch Annäherung/Geschäft‘ mit Russland - hält Scholz seine eigenen Ankündigungen nicht ein.“

Das Blatt kritisierte: „Deutschland liefert praktisch keine Waffen an die heldenhaft kämpfende Ukraine.“ Tatsächlich kommen bislang keine schweren Waffen in der Ukraine an. Vielmehr würde die Bundesrepublik „hin und wieder“ deeskalierende Friedensgespräche fordern oder Putin garantieren, dass er „unter Wahrung des Gesichts“ aus dem Krieg herauskommt“.

Ukraine-Krieg: Polnische Zeitung vergleicht Scholz mit SPD-Kollegen

Die polnische Zeitung kritisierte auch Scholz‘ politische Nähe zu Frankreich. „Unerklärlicherweise hat sich Scholz kürzlich Emmanuel Macron angeschlossen, dessen obsessive Leidenschaft es ist, den russischen Aggressor anzurufen.“ Zudem habe Scholz den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj „nicht ausdrücklich und symbolisch unterstützt“. Das Blatt bezog sich auf den bis dato ausgebliebenen Ukraine-Besuch des Kanzlers.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Scholz lehnt eine Kiew-Reise bisher ab. Andere sozialdemokratische Regierungschefs Europas taten das nicht. Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und der portugiesische Ministerpräsident António Costa trafen sich mit Selenskyj in Kiew. „Jeder der genannten sozialdemokratischen Politiker“, schreibt Rzeczpospolita, „hat die russische Aggression unmissverständlich verurteilt und die Gefahren von Putins imperialer Russlandpolitik erkannt.“ Deutschland hingegen nicht. Symbolisch sei aus deutscher Sicht, „dass es der SPD bisher nicht gelungen ist, Gerhard Schröder mit Krach hinauszuwerfen“.

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