Der Ukraine-Krieg läuft und Polen macht sich militärisch immer stärker. Auf die Rolle Deutschlands wirkt sich dies offenbar negativ aus.
München – Erhöhte Verteidigungsausgaben, der Einkauf von bewaffneten Drohnen wie etwa die Bayraktar TB2 aus der Türkei und Abrams-Panzer aus den USA: Angetrieben durch den Ukraine-Krieg von Kreml-Chef Wladimir Putin stellt Polen eine immer stärkere und gut bewaffnete Armee auf. Für die Rolle von Deutschland als den wichtigsten Verbündeten der USA in Europa bleibt dies wohl nicht ohne Konsequenzen.
Polen verstärkt Militär – Warschau für USA nun wichtiger als Berlin
Die Aussagen eines US-Militärbeamten gegenüber der Zeitung Politico zeigen: Polen hat Deutschland bereits als den zentralen, europäischen US-Verbündeten verdrängt. „Polen ist zu unserem wichtigsten Partner im kontinentalen Europa geworden“, betonte der Militärbeamte. Dabei verwies er auf die Unterstützung der Ukraine und die Verstärkung der Nato-Verteidigung im Baltikum durch Polen.
Die ewigen Diskussionen der deutschen Innenpolitik hingegen führen in Washington offenbar zu Skepsis über Berlins Rolle. Deutschland sei zwar immer noch wichtig als ein logistisches Zentrum, so der US-Beamte. Allerdings hätten endlose Debatten über die Bundeswehr und der „Mangel an strategischer Kultur“ die Effektivität von Deutschland als Partner beeinträchtigt.
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Polen gibt mehr für Militär aus – und wird für die USA ein zentraler Partner
Die Ampel-Koalition will die Bundeswehr mit einem Paket im Wert von 100 Milliarden Euro stärken und Verteidigungsausgaben erhöhen. Zuletzt wütete CDU-Chef Friedrich Merz über „Wortbruch“. Allerdings geht es nur langsam voran und Diskussionen reißen einfach nicht ab. Währenddessen nimmt Polen schon grundlegende Änderungen vor. Deutschland streitet um die Einhaltung des Zwei-Prozent-Ziels. Indes will Polen die Ausgaben für die Verteidigung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf ganze 5 Prozent erhöhen.
Politico zufolge besitzt Polen deutlich mehr schwere Waffen wie Haubitzen und Panzer als Deutschland. Außerdem soll die Personenstärke des polnischen Militärs aktuellen Plänen zufolge bis zum Jahr 2035 verdoppelt werden und etwa 300.000 betragen. Laut der US-Zeitung ist es für Warschau im Gegensatz zu Berlin einfacher, neue Soldaten zu rekrutieren.
Dies ist vor allem auf die Einstellung der polnischen Bevölkerung zurückzuführen. „Die Polen haben eine viel positivere Haltung gegenüber ihrem Militär als Deutschland, denn sie mussten für ihre Freiheit kämpfen“, so der österreichische Militärexperte Gustav Gressel. Jedoch betonte Gressel auch: Interne Konflikte in Polen würden dazu führen, dass das Land die vorhandene Kraft nicht vollständig entfalten könne. (bb)