Militärische Aufrüstung

„Unser wichtigster Partner“: Polen verdrängt wohl Deutschland als zentralen Militär-Verbündeten in Europa

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Polen wird für die USA offenbar ein wichtigerer Verbündeter in Europa. (Archivbild)
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Der Ukraine-Krieg läuft und Polen macht sich militärisch immer stärker. Auf die Rolle Deutschlands wirkt sich dies offenbar negativ aus.

München – Erhöhte Verteidigungsausgaben, der Einkauf von bewaffneten Drohnen wie etwa die Bayraktar TB2 aus der Türkei und Abrams-Panzer aus den USA: Angetrieben durch den Ukraine-Krieg von Kreml-Chef Wladimir Putin stellt Polen eine immer stärkere und gut bewaffnete Armee auf. Für die Rolle von Deutschland als den wichtigsten Verbündeten der USA in Europa bleibt dies wohl nicht ohne Konsequenzen.

Polen verstärkt Militär – Warschau für USA nun wichtiger als Berlin

Die Aussagen eines US-Militärbeamten gegenüber der Zeitung Politico zeigen: Polen hat Deutschland bereits als den zentralen, europäischen US-Verbündeten verdrängt. „Polen ist zu unserem wichtigsten Partner im kontinentalen Europa geworden“, betonte der Militärbeamte. Dabei verwies er auf die Unterstützung der Ukraine und die Verstärkung der Nato-Verteidigung im Baltikum durch Polen.

Die ewigen Diskussionen der deutschen Innenpolitik hingegen führen in Washington offenbar zu Skepsis über Berlins Rolle. Deutschland sei zwar immer noch wichtig als ein logistisches Zentrum, so der US-Beamte. Allerdings hätten endlose Debatten über die Bundeswehr und der „Mangel an strategischer Kultur“ die Effektivität von Deutschland als Partner beeinträchtigt.

Ukraine-Besuche im Krieg – Die Politik zeigt Solidarität

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit den Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates während einer gemeinsamen Pressekonferenz  im März 2022.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (vorne) empfängt im März 2022 hohen Besuch (von links): Jaroslaw Kaczynski (Vize-Ministerpräsident von Polen), Petr Fiala (Ministerpräsident der Tschechischen Republik), Janez Jansa (Verteidigungsminister von Slowenien), Mateusz Morawiecki (Ministerpräsident von Polen) sind zu Gast in Kiew. © imago-images
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte am 08. April ein Massengrab in der Stadt Butscha. Flankiert wird sie vom slowakischen Ministerpräsidenten Eduard Heger (links) und dem Hohen Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Josep Borrell (rechts).  © SERGEI SUPINSKY/AFP
Wolodymyr Selenskyj (links) und Karl Nehammer in Kiew am 09. April 2022
Selenskyj traf sich mit dem österreichischen Bundeskanzler Nehammer für bilaterale Gespräche. © imago
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken
Der britische Premierminister Boris Johnson besuchte die Ukraine, um seine Solidarität auszudrücken. © AFP PHOTO / the Ukrainian Presidential Press Service
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka.
Der polnische Präsident Andrzej Duda besichtigt mit Militärschutz den ukrainischen Ort Borodjanka. © Jakub Szymczuk/dpa
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj zu treffen.
Die Präsidenten der baltischen Staaten und Polen reisten in die Ukraine, um Selenskyj (Mitte) zu treffen (von links): Gitanas Nauseda (Litauen), Andrzej Duda (Polen), Egils Levits (Lettland) und Alar Karis (Estland). © Jakub Szymczuk/Kprp/dpa
Der US-Verteidigungsminister und der US-Außenminister trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew.
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin (links in der Mitte) und der US-Außenminister Anthony Blinken (rechts daneben) trafen sich Ende April mit Selenskyj in Kiew. © Ukraine President s Office/imago
Während dem Besuch des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an.
Während des Besuchs des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 28. April 2022 griff Russland Kiew an. © AFP PHOTO/UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko in Kiew.
Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz traf sich mit Wladimir und Vitali Klitschko (rechts) in Kiew.  © Efrem Lukatsky/dpa
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche.
Auf seinem Weg in die Ukraine besucht Gregor Gysi (Die Linke) in Lemberg eine Suppenküche. © Michael Schlick/dpa
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew.
Anniken Huitfeldt und Masud Gharahkhani (Norwegen) besuchen eine Kirche in der Region Kiew. © Pavlo_Bagmut/imago
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem unbekannten Soldaten die Hand schüttelt
Selenskyj beobachtet, wie Justin Trudeau (Kanada) einem Soldaten die Hand schüttelt. © SERGEI SUPINSKY/AFP
Die Band U2 signiert eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besucht.
Bono (Mitte) und The Edge (Zweiter von links) von der Band U2 signieren eine Fahne, als sie die Ukraine am 8. Mai 2022 besuchen. © SERGEI CHUZAVKOV/AFP
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine.
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Grüne) besucht als erstes deutsche Kabinettsmitglied die Ukraine. © Efrem Lukatsky/dpa
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat Mitch McConnell im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew.
Selenskyj und Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, im Gebäude der Präsidialverwaltung in Kiew. © Ukraine Presidency/imago

Polen gibt mehr für Militär aus – und wird für die USA ein zentraler Partner

Die Ampel-Koalition will die Bundeswehr mit einem Paket im Wert von 100 Milliarden Euro stärken und Verteidigungsausgaben erhöhen. Zuletzt wütete CDU-Chef Friedrich Merz über „Wortbruch“. Allerdings geht es nur langsam voran und Diskussionen reißen einfach nicht ab. Währenddessen nimmt Polen schon grundlegende Änderungen vor. Deutschland streitet um die Einhaltung des Zwei-Prozent-Ziels. Indes will Polen die Ausgaben für die Verteidigung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf ganze 5 Prozent erhöhen.

Politico zufolge besitzt Polen deutlich mehr schwere Waffen wie Haubitzen und Panzer als Deutschland. Außerdem soll die Personenstärke des polnischen Militärs aktuellen Plänen zufolge bis zum Jahr 2035 verdoppelt werden und etwa 300.000 betragen. Laut der US-Zeitung ist es für Warschau im Gegensatz zu Berlin einfacher, neue Soldaten zu rekrutieren.

Dies ist vor allem auf die Einstellung der polnischen Bevölkerung zurückzuführen. „Die Polen haben eine viel positivere Haltung gegenüber ihrem Militär als Deutschland, denn sie mussten für ihre Freiheit kämpfen“, so der österreichische Militärexperte Gustav Gressel. Jedoch betonte Gressel auch: Interne Konflikte in Polen würden dazu führen, dass das Land die vorhandene Kraft nicht vollständig entfalten könne. (bb)

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