Merkur-Kommentar

Raketen auf polnisches Grenzdorf: Einen Krieg mit der mächtigen Nato kann selbst Putin nicht wollen

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NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gab nach dem Einschlag von Raketen in einem polnischem Grenzdorf eine Erklärung ab. Wie gefährlich nah an Nato-Gebiet der russische Raketen-Terror wütet, kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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Raketen-Irrläufer auf ein polnisches Grenzdorf zeigen, wie gefährlich nah der Krieg dem NATO-Gebiet kommt. Nur mehr Waffenlieferungen für Kiew können helfen, Putins barbarische Pläne zu durchkreuzen, kommentiert Georg Anastasiadis.

Es waren, wie sich am Tag danach herausstellte, wohl zwei verirrte ukrainische Abfangraketen, die am Dienstagabend den Krieg zum ersten Mal auf Nato-Gebiet trugen und in einem polnischen Grenzdorf zwei Menschen das Leben raubten. Die Welt atmet auf, weil nicht die Russen die Geschosse (mit oder ohne Absicht) auf Polen abgefeuert hatten, der Bündnisfall mithin nicht greift. Doch gibt es für Erleichterung wenig Grund. Denn die Tragödie zeigt, wie gefährlich nah Putins erbarmungsloser Raketenterror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung den Krieg an Nato-Gebiet herangeführt hat.

Putins verrostete Armee blamiert sich bereits gegen die Ukraine

Vermutlich war das Erschrecken im Kreml über die Geschehnisse an der polnisch-ukrainischen Grenze zunächst kaum geringer als im Westen: Einen eigenen Irrläufer konnte in der ersten Verwirrung wohl auch in Moskau niemand sicher ausschließen. Einen Krieg mit der mächtigen Nato aber kann selbst Putin nicht wollen. Schließlich blamiert sich seine verrostete Armee bereits gegen die Ukraine. Es ist gut, dass das Verteidigungsbündnis abgeklärt reagierte: Je verzweifelter der Diktator in der Ukraine um sich schlägt, desto kühler, aber auch entschlossener muss die Nato handeln.

Ließe sich der Westen auf Drängen Kiews jetzt dazu hinreißen, eine Flugverbotszone in der Ukraine einzurichten, stünden die Alliierten mit einem Bein im Krieg. Schließlich müsste diese militärisch durchgesetzt werden. Das wäre eine gefährliche Eskalation. Umso wichtiger ist die Lieferung weiterer Panzer und vor allem Flugabwehrsysteme, um Moskaus barbarischen Plan zu durchkreuzen, vor dem Winter die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung für die ukrainische Bevölkerung zu zerstören. Auch der lange zögernde Kanzler kann dem Drängen seiner Ampelpartner jetzt keine guten Argumente mehr entgegensetzen.

Georg Anastasiadis

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