Arktis gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung

Nach Arktis-Ärger mit Russland: USA stellen neuen Plan vor 

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Der nuklear angetriebene russische Eisbrecher Rosatomflot im Juli 2022 in der Arktis. Angesichts der russischen Aktivität in der Arktis, haben die USA nun eine neue Strategie beschlossen.
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Die USA stellten am Freitag eine neue Strategie für die Arktis vor. Dabei geht es um den strategischen Wettbewerb mit Russland und China und die „nötige Präsenz, um das Land zu schützen.“

Washington, DC - Der politische Status der Arktis ist umstritten. Zahlreiche Staaten erheben Anspruch auf das Gebiet, vor allem wegen seines Reichtums an Bodenschätzen. Am Freitag stellten die USA eine neue Strategie für die Arktis vor. Dabei ginge es auch um den „verschärften strategischen Wettbewerb mit Russland und China“, hieß es. Denn Russland baut nicht erst seit Beginn des Ukraine-Kriegs seine militärische Präsenz in der Region aus.

Warum die Arktis von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt

Die Arktis ist die Region rund um den Nordpol. Auf den ersten Blick wartet hier nur das ewige Eis, tatsächlich schlummern unter der Erde aber viele Bodenschätze. Der Klimawandel schreitet in der Arktis viermal schneller voran als im Rest der Welt und gibt nach und nach wertvolle Ressourcen und Seewege frei. Es ist also absehbar, dass zuvor zugefrorene Wasserwege künftig Handels- und Militärschiffen offen stehen werden. Von Jahr zu Jahr wächst damit die geopolitische Bedeutung der Region. Dabei geht es einerseits um Öl- und Gasvorkommen, aber auch um Bodenressourcen wie Seltene Erden, Edelmetalle oder Eisen. Zudem werden Rohstoffe wie Diamanten, Gold oder Nickel unter dem Eis vermutet. Darüber hinaus ist die Arktis wegen ihrer strategischen Lage und für den Fischfang interessant.

Die Staatsgebiete von Dänemark (Grönland), Norwegen, Russland, Kanada und der USA grenzen an die Polarregion, weshalb diese Länder Ansprüche auf das Gebiet erheben. Auch Finnland, Island und Schweden halten territoriale Anteile. China verfolgt indes den Plan einer „polaren Seidenstraße“ und verstärkte in den vergangenen Jahren nach und nach seine Präsenz in der Region, unter anderem mit der Errichtung arktischer Forschungsstationen.

Deshalb rückte die Arktis während des Ukraine-Krieges in den Fokus

Einem Bericht von Business Insider zufolge fördert Russland bereits 90 Prozent des Erdgases und 60 Prozent des Erdöls aus der Arktis. Doch nicht nur wirtschaftlich hat das Gebiet für Wladimir Putin große Relevanz. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs rückte die Polarregion auch aus anderen Gründen in den Fokus. Wegen der Sanktionen im Ukraine-Krieg hatte Norwegen im Juli einen russischen Warentransport nach Spitzbergen blockiert, der Kreml sprach von einem „Aushungern von Russen“. Das sogenannte „Spitzbergen-Traktat“ stand kurzzeitig auf der Kippe - es regelt die Seegrenzen in der Barentssee. Der Streit zwischen Norwegen und Russland konnte jedoch beigelegt werden.

Putin hatte schon lange vor Beginn des Ukraine-Krieges die militärische Präsenz Russlands in der Arktis ausgebaut. Im Mai 2021 sagte etwa der russische Außenminister Sergej Lawrow: „Für jeden ist klar, dass dies unser Territorium ist, das ist unser Land.“ Die arktische Küste gehöre Russland und niemandem sonst. Im September warnte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor einer deutlichen „Verstärkung der militärischen Präsenz Russlands in der Arktis.“ Moskau sei dabei, Stützpunkte aus Sowjetzeiten wieder zu öffnen und dort neue hochmoderne Waffen wie Hyperschallraketen zu stationieren, so Stoltenberg. Nach einem Nato-Beitritt von Schweden und Finnland würde russisches Staatsgebiet unmittelbar an Nato-Gebiet grenzen. Im August kritisierte Kremlsprecher Dmitri Peskow den geplanten Ausbau der Nato-Präsenz rund um den Nordpol. „Wir nehmen das negativ wahr“, so der Sprecher und warnte:„Russland wird seine Interessen in angemessener Weise wahren.“ 

USA stellen neue Arktis-Strategie vor: „Eine Arktis, die friedlich, stabil, wohlhabend und kooperativ ist“

Einem Strategiepapier des amerikanischen Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2019 zufolge besteht die Möglichkeit, US-amerikanisches Staatsgebiet von der Arktis aus anzugreifen. Die USA haben demzufolge auch ein sicherheitspolitisches Interesse an der Region. Am Freitag stellten ranghohe US-Regierungsbeamte ein Papier zur neuen Arktis-Strategie der Vereinigten Staaten vor. Die vier Säulen der auf zehn Jahre ausgelegten Strategie seien Nationale Sicherheit, Umweltschutz, eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und internationale Zusammenarbeit bei der Verwaltung, hieß es. Dazu gehöre auch die nötige Präsenz, um das Land zu schützen. Im Vergleich zur vorherigen US-Strategie für die Polarregion aus dem Jahr 2013 habe der Klimawandel nun höhere Priorität bekommen.

Die Beamten gingen auch auf die Situation mit Russland ein. Moskau habe in den vergangenen Jahren verstärkt Ambitionen gezeigt, Vorkommen von Naturschätzen in der Arktis zu erschließen. Speziell mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine sieht die US-Regierung demzufolge „Herausforderungen“ bei der internationalen Zusammenarbeit in der Region. Man wolle internationales Recht in der Arktis aufrechterhalten, hieß es. Regierungen könnten die Probleme der Region nicht im Alleingang lösen und man brauche eine breite Koalition mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Im August hatten die USA bereits die Ernennung eines Sonderbotschafters für die Arktis angekündigt. „Eine Arktis, die friedlich, stabil, wohlhabend und kooperativ ist, ist von entscheidender strategischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und eine Priorität für Minister Blinken“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Vedant Patel, damals. (bme mit Material von dpa)

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