„Muss ich selbst mit Fangnetzen kommen?“

Infos über Cyberangriffe: Prorussische Spionage? FDP-Mann berichtet gar von Drohne über Ministerium

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Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin soll von einer Drohne überwacht werden. (Symbolfoto)
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Prorussische Spionage in Berlin? Auf Cyberangriffe auf das Entwicklungsministerium folgte ein Drohnen-Vorfall. Die FDP kritisiert das SPD-geführte Ressort.

Berlin – Prorussische Hacker haben aktuell offenbar das Bundesentwicklungsministerium im Visier. Zuletzt gab es mehrere Angriffe auf die Ukraine-Plattform der Bundesregierung. Das Ministerium führt eine Website zur Beteiligung am Wiederaufbau in der Ukraine. Wenige Stunden nach offiziellem Start der neuen Homepage begann der Angriff. Er dauerte mehrere Stunden – konnte laut eines Ministeriumssprechers aber abgewehrt werden. Nach Informationen von Merkur.de von IPPEN.MEDIA folgten aber weitere Angriffe, allein zwei am Dienstag (4. April).

Cyber-Attacke auf Entwicklungsministerium: Ukraine-Plattform angegriffen

Die Ukraine-Plattform soll Anlaufstelle für alle sein, die sich beim Wiederaufbau einbringen wollen und Hilfsorganisationen, Unternehmen und Initiativen vernetzen. Der FDP-Entwicklungspolitiker Christoph Hoffmann bezeichnet die Attacken als „unmenschlich“. Hoffmann ist Stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er erklärte: „Diese Art der hybriden Kriegsführung ist völlig inakzeptabel, denn sie trifft Institutionen, die für Menschen in Not Verantwortung übernehmen.“

Christoph Hoffmann sitzt seit 2017 im Deutschen Bundestag. Er ist de-facto Chef im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Mitglied der Parlamentariergruppe Ukraine.

Hoffmann nannte Merkur.de noch eine weitere Spionagegefahr. So fliege „seit Wochen“ eine Drohne um die Liegenschaften des Entwicklungsministeriums. Dabei handle es sich „höchstwahrscheinlich“ um russische Spionage. Das SPD-geführte Ministerium erklärte auf Anfrage, es gebe keinen systematischen Drohneneinsatz. Eine Sprecherin bestätigte lediglich einen Drohnenvorfall am 29. März und teilte mit: „Das Ministerium hat keine Kenntnis über etwaige Spionageversuche durch eine Drohne.“

Drohne über deutschem Ministerium - „Wann wacht der Bundesverfassungsschutz auf?“

Hoffmann kritisierte, das Ministerium habe der Drohne wenig bis nichts entgegenzusetzen. „Es ist beschämend, dass unsere Dienste nicht in der Lage sind, diese Drohne einzufangen. Muss ich selbst mit den Fangnetzen kommen? Wann wacht der Bundesverfassungsschutz auf?“

Auch weitere öffentliche Stellen der Bundesrepublik sind unterdessen von Angriffen betroffen. Der Spiegel berichtete über „prorussische Cyberattacken“ auf mehrere Ministerien und die Polizei. Dabei seien Server mit einer künstlich generierten Masse an Aufrufen geflutet worden, bis sie unter der Last zusammenbrachen. Angriffe auf deutsche Behörden häuften sich zuletzt.

Auch innerhalb der EU gab es vermehrt Attacken. Die meisten davon aus Russland, wie uns der österreichische EU-Abgeordnete Lukas Mandl (ÖVP) sagte: „Ein EU-Sonderausschuss hat ermittelt, dass 60 Prozent der hybriden Angriffe schon vor dem konventionellen Kriegsbeginn aus Putin-Russland gekommen sind.“ Mandls Schlussfolgerung: „Wir leben in Zeiten hybrider Kriegsführung.“ (as)

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