„Ekel“ über West-Äußerungen

Fußbrand, Panik und Burnout: Ukrainische Soldaten berichten von der Not an der Front

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In der Ukraine läuft vor dem Winter ein „mentaler Zermürbungskrieg“: Auch die Verteidiger klagen ihre Not. Die Moral könnte den Krieg am Ende entscheiden.

Kiew/Frankfurt – Immer wieder sind im Ukraine-Krieg Klagen russischer Soldaten und ihrer Angehörigen zu vernehmen: Schlechte Ausbildung, miserable Ausrüstung und sogar Himmelfahrtskommandos gehören zu den kolportierten Missständen. Doch auch auf ukrainischer Seite leiden die Kämpfenden. Ein wesentlicher Unterschied könnte die Motivationslage der Menschen in Uniform sein – darauf haben auch Militärexperten immer wieder hingewiesen.

Ein plastisches Beispiel liefert nun womöglich ein offener Brief eines promovierten Historikers im Fronteinsatz für die Ukraine. Über das Schreiben berichtete am Mittwoch (30. November) unter anderem die US-amerikanische Newsweek. Die Echtheit ist gleichwohl nicht verifiziert. Kaum Zweifel gibt es an anderen eindrücklichen Berichten: Etwa über schmerzhafte Begleiterscheinungen des Grabenkampfes. Oder an mentaler Ermattung auch auf ukrainischer Seite.

Ukrainer klagt Leid an der Front – und erklärt die Gründe für angeblich dennoch ungebrochene Moral

Letztere verwies Nazar Raslutskyj, der Autor des Briefes von der ukrainischen Seite der Front, ins Reich der Fabel. Trotz drastischer Schilderungen des Kriegs-Alltags. Er berichtete von Tod und Verlust: Mit-Soldaten seien von Raketen, Gewehrkugeln, Cluster-Bomben oder Phosphor-Munition getötet worden. „Einige von ihnen sind bereits tot. Und einige werden nie mehr in ihre Berufe zurückkehren weil sie ausgebrannt sind“, heißt es in dem Schreiben, das zuerst das Portal Ukraine Frontlines veröffentlicht hatte.

Ein ukrainischer Soldat in einem Schützengraben im Gebiet Saporischschja - das Foto entstand angeblich Anfang November.

„Aber alle von ihnen werden weiterkämpfen. Weil die Ukraine hinter ihnen steht. Denn wenn sie die Waffen niederlegen, werden ihre Eltern getötet, ihre Frauen und Töchter vergewaltigt und ihre Häuser zerstört und konfisziert werden“, schrieb Raslutskyj den Berichten zufolge. Hinweise von Politikern etwa aus Frankreich oder Deutschland auf die Option einer Kapitulation riefen „Zorn und tiefen Ekel“ hervor, betonte er. Nötig seien „Waffen, Geld, Sanktionen“. Damit unterstreicht der mutmaßliche Front-Augenzeuge Forderungen der Kiewer Regierung.

An Motivation mangele es nicht, heißt es in dem Schreiben weiter: „Wir haben Historiker, die bereit sind, in Verschlägen für fünf Menschen in zwei Stockbetten zu schlafen, und wochenlang in Matsch zu trampeln, ohne Gelegenheit, sich zu waschen.“ Auch „junge Studenten“ seien dabei, „ihre besten Jahre in Todesangst zu verbringen“. Tatsächlich ist der Matsch mehr als ein kosmetisches Problem: Andere Berichte schilderten die Rückkehr von aus dem Ersten Weltkrieg bekannten Erkrankungen in ukrainischen Schützengräben.

Ukraine-Krieg: Fußbrand und ein „Leben im Sumpf“

So erzählten Soldaten der Nachrichtenagentur AFP, viele Einheiten begännen unter Fußbrand zu leiden. Das auch „Grabenfuß“ genannte Leiden entstehe „durch Tragen von nassen, kalten Socken oder Schuhen über mehrere Tage“, ist auf der Medizin-Webseite msdmanuals.com zu lesen. Neben Schmerzen, Blasen und Taubheitsgefühlen könnten auch Infektionen zu den Folgen zählen.

„Die Infanterie“ – die Gruppe der sich zu Fuß bewegenden und kämpfenden Soldaten – sei „das Herz jeder Armee und sie leidet viel“, erklärte ein 24-Jähriger ukrainischer Soldat der AFP im Donbass. „Ihre Schuhe sind immer nass. Sie schlafen nur sehr sporadisch. Manchmal haben sie Probleme mit der Nahrungsversorgung“, sagte er. Ein anderer schilderte: „Ich leide unter dem Regen. Wir leben buchstäblich im Sumpf.“ Diese Probleme könnten sich im Winter verschärfen. Trotzdem versicherte auch der Nachrichtenagentur ein Soldat: „Unsere Moral ist extrem hoch“. Sogar von einer Gegenoffensive hörten die Reporter in der schwer umkämpften Region.

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt.
Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt. © BULENT KILIC/afp
Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus. © Aris Messinis/afp
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine. © Sergei Malgavko/dpa
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet. © Sergei Mikhailichenko/afp
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
Weltweit gehen die Menschen gegen den Ukraine-Krieg auf die Straßen. Eine Demonstrantin in Montreal (Kanada) macht deutlich, wen sie für das Leid in der Ukraine verantwortlich macht: Russlands Präsidenten Wladimir Putin. © Andrej Ivanov/afp
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion.
Wolodymyr Selenskyj meldet sich mit einer nächtlichen Videobotschaft aus Kiew - während der russische Angriff auf die Hauptstadt läuft. Der Präsident wird im Verlauf des Kriegs zur Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion. © Facebook/afp
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden.
Die Verluste Russlands lassen sich vor allem auf die hohe Kampfmoral der ukrainischen Bevölkerung zurückführen. Diese Frau lässt sich in Lwiw an einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausbilden. © Daniel Leal/afp
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen.
Der Kampf um Kiew tobt vor allem in der Anfangsphase. Die Hauptstadt der Ukraine ist von den Angriffen Russlands schwer gezeichnet. Doch der Widerstand hält an. Putins Armee gelingt es nicht, Kiew einzunehmen. © Daniel Leal/afp
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen.
Ein sieben Jahre altes Mädchen aus der Ukraine hat es nach Moldawien geschafft. Laut dem UNHCR sind allein in den ersten drei Monaten des Krieges mehr als sechs Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. © Nikolay Doychinov/afp
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland.
Irpin, ein Vorort Kiews, wird von der russischen Artillerie unter Beschuss genommen. Yevghen Zbormyrsky, 49 Jahre alt, sucht vor seinem zerstörten Haus Schutz vor dem Angriff aus Russland. © Aris Messinis/afp
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg.
Blutspuren in einem Zug in Kramatorsk, der für die Evakuierung von Zivilisten genutzt wurde, zeugen von den Grausamkeiten im Ukraine-Krieg. © Fadel Senna/afp
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke.
Der Zusammenhalt zwischen der Armee und der Bevölkerung im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Irpin helfen Soldaten bei der Evakuierung einer Frau über eine zerstörte Brücke. © Aris Messinis/afp
Mitten Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland.
Mitten im Krieg geben Valery (l.) und Lesya sich in einem Außenposten vor Kiew das Ja-Wort. Beide kämpfen in der Armee der Ukraine gegen Russland. © Genya Savilov/afp
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland.
Per Videoschalte hält Wolodymyr Selenskyj eine Rede im Deutschen Bundestag. Für seinen historischen Auftritt erhält der ukrainische Präsident Applaus - und im weiteren Verlauf die Zusage zur Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland. © Michael Kappeler/dpa
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen.
Vitali Klitschko im von russischen Angriffen zerstörten Kiew. Der ehemalige Boxweltmeister ist Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt und organisiert dort den Widerstand gegen Russlands Armeen. © Sergej Supinsky/afp
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen.
Immer wieder nimmt Russland Kiew unter Beschuss. Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum sterben mindestens sechs Menschen. © Aris Messinis/afp
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen.
Doch nicht nur Kiew, auch Charkiw ist zu Beginn des Krieges heftig umkämpft. Ein Mann flieht aus der Stadt, während im Hintergrund russische Raketen einschlagen. © Aris Messinis/afp
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind.
Russland muss im Ukraine-Krieg unerwartet hohe Verluste in Kauf nehmen. Davon zeugen etliche zerstörte Panzer und Militärfahrzeuge, deren Überreste auf einer Straße Richtung Butscha zu sehen sind. © Aris Messinis/afp
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest.
Wochenlang tobt die Schlacht um Mariupol. Die Hafenstadt im Osten der Ukraine gleicht einem Trümmerfeld. Ein russischer Soldat hält die Zerstörung mit seinem Handy fest. © Alexander Nemenov/afp
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes.
Raketenangriffe spielen im Ukraine-Krieg eine besonders große Rolle. Ein Soldat der Ukraine inspiziert die Überreste einer ballistischen Rakete aus russischen Beständen auf einem Feld nahe Bohodarove im Osten des Landes. © Yasuyoshi Chiba/afp
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben.
Anwohnerinnen und Anwohner aus Mariupol kommen in Saporischschja im Südosten der Ukraine an. Darunter befinden sich auch zahlreiche Personen, die fast zwei Monate in Schutzräumen des Asowstal-Stahlwerks ausgeharrt haben. © dpa
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol.
Die Kämpfer des Asowstahl-Stahlwerks in Mariupol werden in der Ukraine wie Helden gefeiert. Wochenlang hielten sie die russische Armee auf und der Belagerung stand. Am Ende und nach hohen Verlusten verkündet der Kreml aber die Einnahme des Stahlwerks und damit die Kontrolle über Mariupol. © Dmytro ‚Orest‘ Kozatskyi/afp
Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz in der Bundeswehr.
Am 21. Juni treffen die ersten schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine ein. Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz der Bundeswehr. Sie sieht aus wie ein riesiger Kampfpanzer und kann Ziele in 40 Kilometern Entfernung treffen.  © Sven Eckelkamp/Imago
bombardiert die russische Luftwaffe ein Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk
Am 27. Juni bombardiert Russland ein Einkaufszentrum im 100 Kilometer von der Frontlinie entfernten Krementschuk. Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden sich laut ukrainischen Angaben etwa 1000 Menschen in dem Gebäude, mindestens achtzehn Menschen werden getötet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnet die Attacke als „absoluten Horror“.  © STR/afp
Dieses Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt einen Überblick über die Schlangeninsel im Schwarzen Meer.
Nach wiederholten ukrainischen Angriffen zieht sich das russische Militär Ende Juni von der Schlangeninsel südlich von Odessa zurück. Russland spricht von einem „Zeichen des guten Willens“. Die Die Ukraine feiert die Rückeroberung dagegen als Sieg. „KABOOM! Keine russischen Truppen mehr auf der Schlangeninsel“, schreibt der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, auf Twitter. „Unsere Streitkräfte haben großartige Arbeit geleistet.“ © dpa
In der Nacht auf den 29. Juli brannte nach einer Explosion ein Gefängnis in Oleniwka, in der von pro-russischen Separatisten besetzten Donezk-Region, aus.
In der Nacht auf den 29. Juli kommen bei einem Angriff auf ein Gefängnis in Oleniwka in der Donezk-Region Dutzende ukrainische Kriegsgefangene ums Leben. Der ukrainische Generalstab beschuldigt Russland, damit Folter von Gefangenen und Hinrichtungen verschleiern zu wollen. Prorussische Separatisten hingegen bezichtigten die Ukraine, für den Angriff verantwortlich zu sein © afp
Auf dem Gelände des Militärflugplatzes Saki nahe Nowofjodorowka kommt es zu heftigen Explosionen.
Am 9. August erschüttern mehrere Explosionen eine russische Luftwaffenbasis auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim. Mehrere Flugzeuge werden zerstört. Eine Woche später detoniert auf der Krim ein russisches Munitionslager. Rusland spricht von einem „Sabotageakt“. © dpa
Dieses Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt das von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk Saporischschja.
Das Atomkraftwerk Saporischschja ist schwer umkämpft. Das Artilleriefeuer lässt international die Angst vor einer Atomkatastrophe steigen. Am 25. August wird das AKW erstmals in seiner Geschichte vom Stromnetz getrennt. Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig den Beschuss des Kraftwerksgeländes und der Umgebung vor. © Planet Labs Pbc/dpa
Rauch steigt über einem Feuer in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Stadt Mykolajiw nach einem Beschuss durch die Streitkräfte der Ukraine auf.
Am 29. August gelingt den ukrainischen Truppen an mehreren Stellen in der Oblast Cherson ein Vorstoß über feindliche Frontlinien. Das russische Verteidigungsministerium bestätigt eine ukrainische Offensive bei den von Russland besetzten Gebieten in der Oblast Cherson und der Oblast Mykolajiw. © Kherson Region Emergency Service/Imago
Einheiten der ukrainischen Streitkräfte sind in der Region Charkiw unterwegs.
Im September erobert die Ukraine im Zuge ihrer Gegenoffensive in der Oblast Charkiw die strategisch bedeutsamen Städte Kupjansk und Isjum von Russland zurück und durchbricht die Frontlinie an mehreren Stellen.  © Imago
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.
Im Zuge ihrer Gegenoffensive im Raum Charkiw gelingt es den ukrainischen Streitkräften in wenigen Tagen erhebliche Gewinne zu erzielen. In dieser Phase gelingt ihnen Anfang Oktober auch die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk.  © YASUYOSHI CHIBA/afp
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt.
Mitten im Krieg bringt der britische Streetart-Künstler Banksy den Menschen in der Ukraine mit mehreren Werken seine Solidarität zum Ausdruck. So wirft ein kleiner Judoka in den Ruinen eines Kindergartens in Borodyanka nahe Kiew einen erwachsenen Kämpfer zu Boden, dessen Gestalt ein wenig der des russischen Präsidenten Wladimir Putin ähnelt. © GENYA SAVILOV/afp
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.
Im November erobert die ukrainische Armee auch die Stadt Cherson zurück. Am 11. November gab Russland den Rückzug von 30.000 Soldaten aus dem westlich des Dnepr liegenden Teil der Cherson-Region bekannt. Zwei Tage später feiern die Menschen die Befreiung der Stadt, die ukrainischen Soldaten werden herzlich begrüßt.  © afp

Ukraines Soldaten im Krieg gegen Russlands Angreifer: „Es verletzt meine Seele“

Doch auf lange Sicht könnte es schwierig sein, besagte Moral hoch zu halten. So berichtete es auch Anton Pendukh, ein „Moraloffizier“ der ukrainischen Armee, dem US-Sender NPR in der Ostukraine. Es gebe Bataillone, die mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren haben. „Einige Leute aus diesen Gliederungen benötigen in der Folge psychologische Hilfe. Sehr ernsthafte psychologische Hilfe.“ Auch Pendukh selbst berichtete über Probleme mit dem auf dem Schlachtfeld Erlebten: „Wenn ich das mit meinen eigenen Augen sehe, verletzt es meine Seele. Mir ist klar, dass all das passiert, aber wenn ich es sehe...“ Die Beteiligten würden „niemals mehr die Selben“ sein.

Eine Psychologin aus dem Gebiet Saporischschja erklärte dem Sender zugleich, schlechte Moral sei „ansteckend“. Die Nachfrage von Kommandeuren nach psychologischer Begleitung für die Soldaten sei im Kriegsverlauf angewachsen. Mehr als 100 Kämpfende habe sie betreut. Jüngere Soldaten hätten dabei weniger Skrupel etwa über Panikattacken zu sprechen. Das größte Problem seien aber Selbstvorwürfe, etwa wenn Familienmitglieder sterben. „Ich war am falschen Platz, ich hätte dort sein sollen“, laute eine übliche Selbstanklage.

Ukraine: „Mentaler Zermürbungskrieg“ an der Front – „Angst ist infektiöser als Covid“

Die Washington Post hatte den Ukraine-Krieg in einem Korrespondenten-Bericht aus der Region Cherson bereits Mitte Oktober zu einem „mentalen Zermürbungskrieg“ erklärt. Betroffen sei davon auch die Ukraine – etwa angesichts von Brigaden, die seit Beginn der russischen Invasion durchgängig im Einsatz waren. Soldaten berichteten dem Blatt von hohen Verlusten oder Mangel an Kraft und Ressourcen. Auch auf ukrainischer Seite sei mangelnde Ausbildung ein Thema.

Blick in eine improvisierte Schlafstätte der ukrainischen Armee in einem Schützengraben – im Sommer.

Am Ende könnten Moral und Motivation den Krieg entscheiden. So erklärte es jedenfalls der Politikwissenschaftler und Golfkriegs-Teilnehmer Jeff McCausland unlängst dem US-Sender CNN. Russland drohe eine „stille Kapitulation“ seiner Soldaten. Entscheidend sei oftmals, ob eine Armee an den Grund ihres Auftrages glaube. In Putins Truppen schien das schon früh in Frage zu stehen.

„Angst und Panik sind infektiöser als Covid“, betonte McCausland zugleich. Dabei könnten wohl auch Berichte über riesige Verluste der russischen Armee eine Rolle spielen. Und ukrainische Soldaten berichteten zuletzt über ihre Gegenüber: „Sie behandeln sie wie Einweg-Soldaten“. Der Ausgang bleibt aber abzuwarten. Russische Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur könnten das gesamte Land im Winter stark beuteln. Oder den Zorn der Kämpfenden sogar noch vergrößern. (fn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dmytro Smolienko

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