Foreign Policy

Hört auf, die Ukraine mit dem Ersten Weltkrieg zu vergleichen

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Ein Raketenwerfer der ukrainischen Armee. (Archivbild)
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Es gibt eine viel bessere historische Analogie - und sie rät zu Geduld.

Kiew – Vor mehr als einem Jahrhundert wurde Europa vom Ersten Weltkrieg erschüttert, in dem die Alliierten - angeführt von Großbritannien, Frankreich, Russland und schließlich den Vereinigten Staaten - gegen die Mittelmächte, angeführt vom kaiserlichen Deutschland und Österreich-Ungarn, kämpften. Im Westen verliefen die Kämpfe entlang einer 440 Meilen langen Front, die sich vom Ärmelkanal bis zur französisch-schweizerischen Grenze erstreckte. Ein Großteil dieser Front war durch ein jahrelanges operatives Patt gekennzeichnet. Im Laufe des Krieges stürmten immer wieder Hunderttausende von Soldaten aus ihren Schützengräben und gingen für ein paar Meilen Land in den Tod.

Ukraine-Krieg wie der Erste Weltkrieg? Eine irreführende Analogie

Heute vergleichen viele Kommentatoren den gegenwärtigen Krieg zwischen Russland und der Ukraine mit der Westfront des Ersten Weltkriegs. Satellitenbilder zeigen ausgedehnte russische Schützengräben entlang der 700 Meilen langen Front mit kilometerlangen Minen und Befestigungen - allesamt Bilder, die an eine andere Zeit zu erinnern scheinen. Ebenso wie die grauen Bilder von knorrigen Bäumen und Schlammkratern, die durch Artilleriebeschuss entstanden sind, sowie die Bilder von Soldaten, die durchnässt und zitternd in der Kälte in diesen trostlosen Schützengräben Wache stehen, die an Szenen von vor mehr als einem Jahrhundert erinnern. Aus dieser historischen Analogie schließen Beobachter, dass die derzeitige ukrainische Gegenoffensive zum Scheitern verurteilt ist und der Krieg unweigerlich auf eine Pattsituation zusteuert.

Historische Analogien können unvollkommen, aber informativ sein. Einige sind jedoch schlichtweg irreführend, und die Analogie zum Ersten Weltkrieg ist eine von ihnen. Ein besserer historischer Präzedenzfall zum Verständnis der aktuellen Kämpfe in der Ukraine sind die Erfahrungen der US-Armee im Sommer 1944, als sie in den Hecken der Normandie in Frankreich gegen die Nazis kämpfte. Ein Großteil der Kämpfe an der Westfront während des Ersten Weltkriegs war durch technologischen Stillstand gekennzeichnet, da keine Seite in der Lage war, die gewaltigen Verteidigungsvorteile zu überwinden, die Maschinengewehre, Schützengräben und Stacheldraht boten. Selbst die innovativsten Technologien der damaligen Zeit - wie das Flugzeug, der Panzer und das Giftgas - konnten diese Sackgasse nicht durchbrechen.

Im Gegensatz dazu war der Zweite Weltkrieg ein fließenderer Konflikt mit Phasen relativen Stillstands, gefolgt von Durchbrüchen. Nachdem die Alliierten an den Stränden der Normandie gelandet waren, gab es eine Phase des taktischen Stillstands. Die US-Armee brauchte etwa sechs Wochen harter Kämpfe mit langsamen, zermürbenden Angriffen durch die Hecken der Normandie, um die deutschen Verteidiger nur 19 Meilen hinter den Landekopf in Richtung der französischen Stadt Saint-Lô zu drängen. Erst als es den Amerikanern schließlich gelang, die Nazi-Linien zu durchbrechen, zogen sich die Deutschen vollständig zurück.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz. © Philipp Schulze/dpa
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben. © JONATHAN NACKSTRAND/afp
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bradley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechenden Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren. © U.S. Army/dpa
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil. © Björn Trotzki/Imago
Aus Großbritannien stammt der Kampfpanzer vom Typ Challenger 2. Dabei handelt es sich um einen der modernsten Panzer weltweit. Im Gegensatz zu den meisten anderen modernen Kampfpanzern ist der Challenger 2 mit einer 120-Millimeter-Kanone mit gezogenem Lauf ausgerüstet. Auch auf lange Entfernung sind zuverlässige Treffer zu erwarten. So soll ein Challenger 2 im Golfkrieg von 1991 einen irakischen Panzer auf fast fünf Kilometer Entfernung ausgeschaltet haben. Die Chobham-Panzerung sorgt für einen enorm guten Schutz. Als Nachteile gelten das hohe Gewicht, die komplizierte Logistik und die eingeschränkte Mobilität.
Aus Großbritannien stammt der Kampfpanzer vom Typ Challenger 2. Dabei handelt es sich um einen der modernsten Panzer weltweit. Im Gegensatz zu den meisten anderen modernen Kampfpanzern ist der Challenger 2 mit einer 120-Millimeter-Kanone mit gezogenem Lauf ausgerüstet. Auch auf lange Entfernung sind zuverlässige Treffer zu erwarten. So soll ein Challenger 2 im Golfkrieg von 1991 einen irakischen Panzer auf fast fünf Kilometer Entfernung ausgeschaltet haben. Die Chobham-Panzerung sorgt für einen enorm guten Schutz. Als Nachteile gelten das hohe Gewicht, die komplizierte Logistik und die eingeschränkte Mobilität. © Spc. Nicko Bryant Jr./Imago
Der Marder hat schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, ist aber noch immer bei der Bundeswehr im Einsatz. Gebaut wurde der Marder mitten im Kalten Krieg. Er dient den Panzergrenadieren als Gefechtsfahrzeug und Führungspanzer. Durch seine Geschwindigkeit sollen die Infanteristen den Kampfpanzern folgen können. Mit 600 PS bei 35 Tonnen ist er gut motorisiert. Bewaffnet ist der Marder mit einer 20-Millimeter-Kanone. Die Besatzung besteht aus Kommandant, Richtschütze, Fahrer und sechs Grenadieren.
Der Marder hat schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, ist aber noch immer bei der Bundeswehr im Einsatz. Gebaut wurde er mitten im Kalten Krieg. Der Marder dient den Panzergrenadieren als Gefechtsfahrzeug und Führungspanzer. Durch seine Geschwindigkeit sollen die Infanteristen den Kampfpanzern folgen können. Mit 600 PS bei 35 Tonnen ist er gut motorisiert. Bewaffnet ist der Marder mit einer 20-Millimeter-Kanone. Die Besatzung besteht aus Kommandant, Richtschütze, Fahrer und sechs Grenadieren. © Philipp Schulze/dpa
Die NLAW ist eine Panzerabwehrlenkwaffe aus schwedischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen sowie Gebäuden. Sie kann von einem einzelnen Menschen transportiert und eingesetzt werden. Der Start mit der geschulterten Waffe kann liegend, kniend oder stehend erfolgen. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 600 Metern. Verfehlt die Rakete das Ziel, so zerstört sie sich nach einer Flugzeit von 5,6 Sekunden selbst. Die NLAW ist ein Wegwerfartikel und kann nur einmal abgefeuert werden.
Die NLAW ist eine Panzerabwehrlenkwaffe aus schwedischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von gepanzerten Fahrzeugen sowie Gebäuden. Sie kann von einem einzelnen Menschen transportiert und eingesetzt werden. Der Start mit der geschulterten Waffe kann liegend, kniend oder stehend erfolgen. Ihre Reichweite liegt bei bis zu 600 Metern. Verfehlt die Rakete das Ziel, so zerstört sie sich nach einer Flugzeit von 5,6 Sekunden selbst. Die NLAW ist ein Wegwerfartikel und kann nur einmal abgefeuert werden. © Sergei Supinsky/afp
Das Patriot-System dient zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern, Drohnen und Raketen kürzerer Reichweite. Es besteht aus mehreren Komponenten: Das Bodenradar erkennt Flugobjekte, der Leitstand berechnet deren Flugbahn, programmiert die eigenen Raketen und koordiniert deren Abschuss, das Startgerät verfügt über bis zu acht Raketenwerfer, der erforderliche Strom kommt von einem Fahrzeug mit Generatoren. Das Patriot-System kann gleichzeitig bis zu 50 Ziele beobachten und fünf bekämpfen. Die maximale Kampfentfernung liegt bei etwa 68 Kilometern. Die Entwicklung des Boden-Luft-Lenkwaffensystems reicht in die späten 1960er-Jahre zurück, eingeführt wurde es in den frühen 1980er-Jahren, seitdem wurde es immer wieder modernisiert.
Das Patriot-System dient zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern, Drohnen und Raketen kürzerer Reichweite. Es besteht aus mehreren Komponenten: Das Bodenradar erkennt Flugobjekte, der Leitstand berechnet deren Flugbahn, programmiert die eigenen Raketen und koordiniert deren Abschuss, das Startgerät verfügt über bis zu acht Raketenwerfer, der erforderliche Strom kommt von einem Fahrzeug mit Generatoren. Das Patriot-System kann gleichzeitig bis zu 50 Ziele beobachten und fünf bekämpfen. Die maximale Kampfentfernung liegt bei etwa 68 Kilometern.  © Kevin Schrief/dpa
Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell. Die Typenbezeichnung des US-amerikanischen Militärs lautet M270. Bei der Bundeswehr wird es unter dem Namen MARS (Mittleres Artillerieraketensystem) geführt. Das System trägt zwölf Raketen, die Ziele in bis zu 40 Kilometer Entfernung treffen.
Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell. Die Typenbezeichnung des US-amerikanischen Militärs lautet M270. Bei der Bundeswehr wird es unter dem Namen MARS (Mittleres Artillerieraketensystem) geführt. Das System trägt zwölf Raketen, die Ziele in bis zu 40 Kilometer Entfernung treffen. © Jeon Heon-Kyun/dpa
Die türkische Kampf- und Aufklärungsdrohne Bayraktar TB2 ist seit 2016 im Einsatz. Der Name geht auf ihren Erfinder Selçuk Bayraktar zurück, den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Drohne erreicht eine Flughöhe von 7300 Metern. Sie ist 6,5 Meter lang, besitzt eine Spannweite von zwölf Metern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 Kilometern pro Stunde. Beim ukrainischen Angriff auf das russische Flaggschiff „Moskwa“ soll die Drohne einen Angriff vorgetäuscht haben, bevor zwei Neptun-Raketen das Schiff trafen.
Die türkische Kampf- und Aufklärungsdrohne Bayraktar TB2 ist seit 2016 im Einsatz. Der Name geht auf ihren Erfinder Selçuk Bayraktar zurück, den Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Drohne erreicht eine Flughöhe von 7300 Metern. Sie ist 6,5 Meter lang, besitzt eine Spannweite von zwölf Metern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 222 Kilometern pro Stunde. Beim ukrainischen Angriff auf das russische Flaggschiff „Moskwa“ soll die Drohne einen Angriff vorgetäuscht haben, bevor zwei Neptun-Raketen das Schiff trafen. © Birol Bebek/afp
Im Ukraine-Krieg kommen auch zahlreiche unbemannte Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Die Switchblade 300 ist zusammengeklappt so handlich, dass sie in jeden Rucksack passt. Sie wird mithilfe von Druckluft aus einem Rohr abgeschossen und verfügt über vier schwenkbare Flügel, die im Flug wie Springmesser herausspringen. Sie hat eine Reichweite von knapp zehn Kilometern und kann einige Zeit über ihrem Einsatzgebiet verweilen, ehe sie im Sturzflug angreift. Der Gefechtskopf der Switchblade 300 hat eine Sprengladung, die einer 40-Millimeter-Granate entspricht.
Im Ukraine-Krieg kommen auch zahlreiche unbemannte Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Die Switchblade 300 ist zusammengeklappt so handlich, dass sie in jeden Rucksack passt. Sie wird mithilfe von Druckluft aus einem Rohr abgeschossen und verfügt über vier schwenkbare Flügel, die im Flug wie Springmesser herauskatapultiert werden. Sie hat eine Reichweite von knapp zehn Kilometern und kann einige Zeit über ihrem Einsatzgebiet verweilen, ehe sie im Sturzflug angreift. Der Gefechtskopf der Switchblade 300 hat eine Sprengladung, die einer 40-Millimeter-Granate entspricht.  © Lcpl. Tyler Forti/Imago
Das norwegische Luftabwehrsystem NASAMS wurde entwickelt, um Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und unbemannte Luftfahrzeuge zu identifizieren, anzugreifen und zu zerstören. Es ist in der Lage, 72 Ziele gleichzeitig zu treffen. Ihre weitreichendsten Raketen können Ziele bis maximal 50 Kilometer abschießen. Eine Batterie besteht aus zwölf Raketenwerfern, acht Radar-Stationen, einer Feuerleitzentrale, einem Kamera- und einem Kontroll-Fahrzeug. Seit 2005 schützt das System die US-Hauptstadt Washington, D.C.
Das norwegische Luftabwehrsystem NASAMS wurde entwickelt, um Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und unbemannte Luftfahrzeuge zu identifizieren, anzugreifen und zu zerstören. Es ist in der Lage, 72 Ziele gleichzeitig zu treffen. Ihre weitreichendsten Raketen können Ziele bis maximal 50 Kilometer abschießen. Eine Batterie besteht aus zwölf Raketenwerfern, acht Radar-Stationen, einer Feuerleitzentrale, einem Kamera- und einem Kontroll-Fahrzeug. Seit 2005 schützt das System die US-Hauptstadt Washington, D.C. © Robin Van Lonkhuijsen/dpa
Die Ukraine kann im krieg gegen Russland auch auf Bushmaster-Panzerfahrzeuge aus australischer Produktion zurückgreifen. Sie sind dank ihrer gepanzerten Stahlplatten explosionssicher und für alle Umgebungen geeignet. Auch eine Reifenpanne hindert den Bushmaster nicht an der Weiterfahrt. Das Fahrzeug bietet Platz für insgesamt zehn Soldaten einschließlich ihrer Waffen und Ausrüstung. Übliche Bordwaffen sind 5,56-Millimeter- und 7,62-Millimeter-Maschinengewehre.
Die Ukraine kann im Krieg gegen Russland auch auf Bushmaster-Panzerfahrzeuge aus australischer Produktion zurückgreifen. Sie sind dank ihrer gepanzerten Stahlplatten explosionssicher und für alle Umgebungen geeignet. Auch eine Reifenpanne hindert den Bushmaster nicht an der Weiterfahrt. Das Fahrzeug bietet Platz für zehn Soldaten einschließlich ihrer Waffen und Ausrüstung. Übliche Bordwaffen sind 5,56-Millimeter- und 7,62-Millimeter-Maschinengewehre. © Russell Freeman/Imago
Die Geschichte des M113 ist schon mehr als 60 Jahre alt. Das auch gerne als „Battle Taxi“ bezeichnete Militärfahrzeug war der erste moderne Truppentransportpanzer. Die Möglichkeit, in einem leichten, schnellen, schwimmfähigen und per Flugzeug transportablen gepanzerten Fahrzeug elf Infanteristen durch ein Kampfgebiet zu befördern, kam einer Revolution gleich. Seit der Markteinführung 1960 wurden mehr als 80.000 Fahrzeuge herstellt. In der Standardausführung verfügt der M113 über ein 12,7-Millimeter-Maschinengewehr als Hauptwaffe.
Die Geschichte des M113 ist schon mehr als 60 Jahre alt. Das auch gerne als „Battle Taxi“ bezeichnete Militärfahrzeug war der erste moderne Truppentransportpanzer. Die Möglichkeit, in einem leichten, schnellen, schwimmfähigen und per Flugzeug transportablen gepanzerten Fahrzeug elf Infanteristen durch ein Kampfgebiet zu befördern, kam einer Revolution gleich. Seit der Markteinführung 1960 wurden mehr als 80.000 Fahrzeuge herstellt. In der Standardausführung verfügt der M113 über ein 12,7-Millimeter-Maschinengewehr als Hauptwaffe. © Björn Trotzki/Imago
Der PT-91 Twardy („Der Harte“) ist eine modernisierte Version des Panzers T-72 aus der Sowjetzeit. Der PT-91 ist seinem Vorbild äußerlich nach wie vor sehr ähnlich, besitzt jedoch gegenüber dem Original einige Verbesserungen. Dazu gehören eine im Vergleich zum Basismodell deutlich präzisere Feuerleitanlage, ein Laserwarnsystem, eine Wärmebildkamera und eine Reaktivpanzerung.
Der polnische PT-91 Twardy („Der Harte“) ist eine modernisierte Version des Panzers T-72 aus der Sowjetzeit. Der PT-91 ist seinem Vorbild äußerlich nach wie vor sehr ähnlich, besitzt jedoch gegenüber dem Original einige Verbesserungen. Dazu gehören eine im Vergleich zum Basismodell deutlich präzisere Feuerleitanlage, ein Laserwarnsystem, eine Wärmebildkamera und eine Reaktivpanzerung.  © Imago
Der Gepard ist ein Flugabwehrpanzer, der Teil der Heeresflugabwehr der Bundeswehr war, bis er 2010 außer Dienst gestellt wurde. In der Zwischenzeit wird er nur noch von anderen Armeen verwendet, so auch von der Ukraine. Der Gepard wurde in erster Linie entwickelt, um die Panzer- und Panzergrenadiertruppe vor angreifenden Flugzeugen und Hubschraubern im niedrigen Höhenbereich zu schützen. In der Ukraine ist vor allem der Suchradar von Vorteil, mit dem feindliche Drohnen schnell erkannt angegriffen werden können. Der Gepard verfügt über 35-Millimeter-Maschinenkanonen.
Der Gepard ist ein Flugabwehrpanzer, der Teil der Heeresflugabwehr der Bundeswehr war, bis er 2010 außer Dienst gestellt wurde. In der Zwischenzeit wird er nur noch von anderen Armeen verwendet, so auch von der Ukraine. Der Gepard wurde in erster Linie entwickelt, um die Panzer- und Panzergrenadiertruppe vor angreifenden Flugzeugen und Hubschraubern im niedrigen Höhenbereich zu schützen. In der Ukraine ist vor allem der Suchradar von Vorteil, mit dem feindliche Drohnen schnell erkannt und angegriffen werden können. Der Gepard verfügt über 35-Millimeter-Maschinenkanonen.  © Michael Mandt/afp
Italienische Panzerhaubitzen M109L werden über Udine und Österreich in die Ukraine geliefert.
Ende April 2023 lieferte Italien klammheimlich über die nordöstliche Region Friaul-Julisch Venetien und Österreich 30 schwere Panzerhaubitzen M109L in die Ukraine. Das Foto vom Transport ist am Bahnhof Udine entstanden. Laut italienischer Tageszeitung „La Repubblica“ erhält Kiew vom Nato-Mitglied insgesamt 60 Stück der Standard-Haubitze des Verteidigungsbündnisses. Die M109L zeichnet vor allem ihre schwere 155mm-Kanone aus. © Twitter@Topolin28714725
Ein gepanzerter MaxxPro-Truppentransporter der US-Streitkräfte. (Symbolfoto)
Zu Beginn ihrer Gegenoffensive hatten die ukrainischen Streitkräfte mit Hilfe der Vereinigten Staaten laut „Magazin für Europäische Sicherheit & Technik“ einen Bestand von 580 sogenannter MRAPs (Mine Resistant Ambush Protected Vehicle) aufgebaut. Dabei handelt es sich um Truppentransporter mit hohem Minenschutz. Etliche davon gingen im Frühsommer 2023 verloren, vor allem gepanzerte MaxxPro (Beispiel-Foto), was Videos brennender Exemplare bei Twitter beweisen sollten.  © IMAGO / ZUMA Wire
Ein Radpanzer Stryker der US-Streitkräfte.
Die USA haben der Ukraine im Verlauf des ersten Halbjahres 2023 bis zu 90 Radpanzer vom Typ Stryker geliefert. Der hochmobile Schützenpanzer mit einer Länge von knapp sieben Metern und einer Breite von 2,72 Metern soll Truppenverlegungen binnen kurzer Zeit ermöglichen, weil er mit bis zu 100 km/h deutlich schneller ist als viele Kettenpanzer. Mit bis zu 39 Millimetern Außenhülle ist er jedoch vergleichsweise schwach gepanzert. © IMAGO / ABACAPRESS
Ukrainische Soldaten werden an schwedischen Schützenpanzern CV 90 ausgebildet.
Das Combat Vehicle 90 (CV 90) gilt als einer der modernsten Schützenpanzer der Welt. Entwickelt wurde der Panzer in den 1990er Jahren vom britischen Rüstungskonzerns BAE Systems AB für die Streitkräfte Schwedens. Das skandinavische Land stellte der Ukraine im Frühjahr 2023 nach und nach 50 der Schützenpanzer bereit, die die 40-mm-Ma­schi­nen­ka­no­ne 40/70B auszeichnet. Bis zu acht Infanterie-Soldaten können mit dem CV 90 mitten in die Schlacht gefahren werden. © IMAGO / TT
Aus Frankreich soll die Ukraine bereits im März 2025 drei Modelle des Kampfjets „Mirage 2000“ erhalten
Aus Frankreich soll die Ukraine bereits im März 2025 drei Modelle des Kampfjets „Mirage 2000“ erhalten. Bei den Maschinen soll es sich laut Medienberichten um Modelle der Variante „Mirage 2000-5“ handeln. Eine offizielle Bestätigung der Lieferung steht noch aus. Frankreich verfügt selbst über 26 modernisierte Kampfjets des Typs „Mirage 2000-5“. © KHALED DESOUKI/AFP
Ein Leopard-1-A5 der belgischen Armee, der in Deutschland produziert wurde. (Archivfoto)
Der Leopard 1A5 ist eine kampfwertgesteigerte Variante des „Leos“ 1 aus deutscher Produktion und Vorgänger des Leopard-2-Kampfpanzers der Bundeswehr. Zwischen 1986 und 1992 wurde im A5 eine neue Feuerleitanlage sowie erstmals ein Laserentfernungsmesser eingebaut. Anfang 2023 hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der Ukraine 178 Exemplare in Aussicht gestellt. Beim Nato-Gipfel im Juli erfüllte Deutschland die zwischenzeitlich genannte Zielgröße von 25 gelieferten Leopard-1-A5 im Sommer 2023. © IMAGO / StockTrek Images
Die F-16 wurde in den 1970er Jahren als wendiger, vergleichsweise kostengünstiger und vielfältig einsetzbarer Kampfjet.
Die F-16 wurde in den 1970er Jahren als wendiger, vergleichsweise kostengünstiger und vielfältig einsetzbarer Kampfjet entwickelt. Sie trägt den offiziellen Spitznamen „Fighting Falcon“ (Kämpfender Falke), ist aber auch als „Viper“ bekannt. Der einstrahlige Kampfjet ist mit einer 20-Millimeter-Kanone mit mehreren Läufen bewaffnet und kann mit Luft-Luft-Raketen und Bomben ausgestattet werden. Nach Angaben der US-Luftwaffe erreicht die F-16 Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 2400 Kilometern pro Stunde und kann mehr als 860 Kilometer entfernt liegende Ziele anfliegen, ihre Raketen abfeuern und zum Startpunkt zurückkehren.  © PETRAS MALUKAS/afp
Die USA haben Atacms-Raketen an die Ukraine geliefert.
Die USA haben Atacms-Raketen an die Ukraine geliefert. Nach Abschuss vom Boden fliegen sie eine ballistische Kurve und sollen wieder am Boden detonieren. Obwohl sie als schwer abzufangen gelten, sind sie im Vergleich zu Marschflugkörpern nicht annähernd so präzise. Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit. In der Spitze erreichen sie mehr als dreifache Schallgeschwindigkeit (Mach 3). Dieses hohe Tempo von rund 3700 km/h macht es auch deutlich schwerer, die Rakete zu kontrollieren. Bisher haben die USA Atacms mit einer gedrosselten Reichweite von 165 Kilometern geliefert. Die Ukraine wünscht sich aber Atacms mit einer Reichweite von 300 Kilometern. © U.S. Army/Imago
Kampfflugzeug des Typs „Gripen“ aus Schweden
Eigentlich sollte die Ukraine bereits im März 2024 die erste Lieferung von Kampfflugzeugen des Typs „Gripen“ aus Schweden erhalten. Bislang sind aber keine Modelle des von der Firma Saab hergestellten Kampfjets im Kampf gegen Russland. Das wiederum liegt an der Lieferung der F16-Kampfjets an die Ukraine. Um die Luftwaffe des Landes und ihre Piloten nicht zu überfordern, wurde die Lieferung und Ausbildung des Personals an den schwedischen Flugzeugen zunächst ausgesetzt. Geplant sind die Lieferungen nun für 2025. © Sandor Ujvari/dpa

Ukraine-Krieg eher wie Kämpfe in der Normandie: Situation ähnelt dem Sommer 1944

Bislang ähnelt der russisch-ukrainische Krieg eher den Schlachten in den Hecken der Normandie als denen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Zwar gab es Verlangsamungen im Tempo der Gebietsgewinne - vor allem vor der Schlacht von Charkiw im letzten Sommer -, doch war der russisch-ukrainische Krieg größtenteils durch eine bemerkenswerte Fluidität gekennzeichnet, da auf Sackgassen schnelle Gebietsgewinne folgten, wie die Schlachten von Kiew, Charkiw und Cherson im letzten Jahr zeigten.

Das Gelände, in dem die Ukrainer derzeit ihre Gegenoffensive durchführen, ähnelt in gewisser Weise auch dem Gelände, mit dem die US-Armee in den Hecken der Normandie zu kämpfen hatte. Das Gebiet um Bakhmut ist hügelig und wird von zahlreichen Bächen, Baumreihen, Straßen und Flüssen durchzogen. Die Merkmale dieser Landschaft bewirken einen Abschottungseffekt: Eine angreifende ukrainische Einheit kann zwar sehen, was sich vor und über ihr befindet, aber aufgrund der vielen Hügel, Hänge und Bäche kann sie nicht viel über ihre Flanken hinaus sehen.

Wie für die Alliierten in der Normandie stellt die Kompartimentierung des Geländes in Bakhmut sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für die Gegenoffensive der Ukraine dar. Das Gleiche gilt natürlich auch für die russische Verteidigung. Auch die russischen Streitkräfte können nicht über ihre Flanken hinaus sehen. Infolgedessen könnten sie versehentlich Teile der Linie unzureichend verteidigt lassen - eine Lücke oder Schwachstelle, die die Ukraine ausnutzen kann, wenn sie sie findet. Auch wenn die Ukraine insgesamt nur langsam vorankommt, so macht sie doch dort Fortschritte, wo es darauf ankommt, wie z.B. bei der Einnahme der Hochebene um Bakhmut. Sollte die Ukraine in der Lage sein, zusätzliches Terrain einzunehmen, könnte sie die Voraussetzungen für schnellere Operationen schaffen, ähnlich wie es die US-Armee in Saint-Lô getan hat.

Ukraine-Krieg: Russische und ukrainische Truppen liefern sich heftige Kämpfe

Als Nächstes stellt sich die Frage der Truppendichte, d. h. wie viele Truppen pro Meile des Geländes verteidigt werden. Während des Ersten Weltkriegs war die Truppendichte pro Meile an der Westfront recht hoch. Am Vorabend der von den Briten geführten Somme-Offensive im Juli 1916 beispielsweise betrug die durchschnittliche Truppendichte pro Kilometer auf beiden Seiten der Linie fast 10 000 Mann. Im Gegensatz dazu lag die Truppendichte der deutschen Verteidiger in den Hecken der Normandie viel näher an der Truppendichte der russischen Verteidigungslinien in der Ukraine. Im Sommer 1944 lag die durchschnittliche Truppendichte der deutschen Verteidiger, denen die US-Armee gegenüberstand, bei etwa 1.000 Mann pro Meile. Heute liegt die russische Truppendichte im am stärksten verteidigten Teil der russischen Verteidigungslinien um Bakhmut bei etwa 700 Soldaten pro Meile in der Ukraine.

Warum ist die Truppendichte wichtig? Nun, je dünner die Verteidigungslinie ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Linie Lücken aufweist. Dies gilt vor allem in unwegsamem Gelände, da es dort schwierig ist, Lücken in der Linie zu schließen, wenn sie entstehen. Im Gegensatz zu den durchgehenden Truppenreihen an der Westfront im Ersten Weltkrieg verfügten die deutschen Verteidiger 1944 nicht über eine ausreichende Truppendichte, so dass sie bestimmte Punkte in dem von Hecken durchzogenen Gelände auswählen mussten, von denen sie annahmen, dass die angreifenden Amerikaner am verwundbarsten sein würden. Das bedeutete, dass der Kampf durch die Hecken zwar schwierig war, aber sobald die US-Armee durchbrach, ergriffen die Deutschen die Flucht.

Zahlen allein spielen nur dann eine Rolle, wenn die Armeen über die richtige Taktik verfügen, um sowohl die Masse als auch die Bewegung in vollem Umfang zu nutzen, was die Fähigkeit zur Innovation erfordert, wenn die Truppen unweigerlich auf Hindernisse stoßen. Der Erste Weltkrieg war von strategischer Verkümmerung gekennzeichnet. Die Generäle sahen sich mit einer taktischen Sackgasse konfrontiert, und da ihnen die Ideen ausgingen, begannen sie, das operative Problem mit Arbeitskräften und Material zu lösen. Erst gegen Ende des Krieges entwickelten die Seiten langsam die notwendigen Taktiken, um die Linien zu durchbrechen. Der Durchbruch bei Saint-Lô wurde dagegen zum Teil durch technische Innovationen erreicht - die Panzer wurden mit Stahlpflügen ausgestattet, um die Hecken zu durchbrechen -, aber auch durch eine größere Masse, da die Alliierten mehr Kräfte einsetzten. Er wurde auch durch eine verbesserte Taktik unterstützt, insbesondere durch die Kombination von Boden- und Luftstreitkräften.

Ukraine kämpft überlegt: Russische Armee nicht immun gegen plötzlichen Kollaps

In der Tat wirft die Ukraine nicht gedankenlos Kampfkraft in die russische Verteidigung im Stil des Ersten Weltkriegs, sondern hält bewusst einige ihrer besten Kräfte zurück. Die Ukraine braucht immer noch eine Möglichkeit, Minenfelder zu räumen, russische Schützengräben zu durchbrechen und die russische Luftwaffe zu schwächen. Dies kann zum Teil dadurch geschehen, dass man die richtigen Waffen in ausreichender Zahl erhält. In dieser Hinsicht dürfte die Entscheidung der USA, Streumunition bereitzustellen, die für den Angriff auf Infanterietruppen und Fahrzeuge ausgelegt ist, hilfreich sein. Aber auch taktische Innovationen sind erforderlich, um Fortschritte zu erzielen. Das ukrainische Militär hat wiederholt bewiesen, dass es über solche Fähigkeiten verfügt.

Schließlich ist da noch die alles entscheidende Frage der Moral. Die deutsche Verteidigung in der Heckenschlacht erwies sich als entschlossen, aber letztlich bitter. Am 26. und 27. Juli 1944 spürte der Generalmajor der US-Armee Joe „Lightning“ Collins, dass die deutschen Verteidigungsanlagen an ihre Grenzen stießen. Nach zweitägigen schweren Bombenangriffen der U.S. Army Air Forces auf einen kleinen Bereich der deutschen Verteidigungsanlagen nordwestlich von Saint-Lô befahl Collins seinem Korps den Angriff, und es wurde schnell klar, dass die deutschen Verteidigungsanlagen bröckelten.

Es ist nicht einfach, den Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Streitkräften vorherzusagen. Der Zusammenbruch der russischen Streitkräfte in der Umgebung von Charkiw im letzten Herbst zeigt jedoch, dass das russische Militär gegen solche plötzlichen Zusammenbrüche nicht immun ist. Und aus russischer Sicht haben sich die Umstände seither nur noch weiter verschlechtert. Darüber hinaus hat die jüngste Meuterei gegen die russische Verteidigungsführung durch den Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, und seine Söldner - gefolgt von einer Säuberung hochrangiger Offiziere, die immer mehr den Anschein erweckt - eine gewisse Brüchigkeit in den oberen Rängen des russischen Militärs offenbart, auch wenn diese Brüchigkeit noch nicht in offensichtlicher Weise auf die taktische Ebene durchgesickert ist.

Ukraine-Russland-Krieg: Kommt der Durchbruch von Kiews Truppen?

All dies ist keine Garantie dafür, dass die Ukraine in den kommenden Wochen ihren eigenen Durchbruch aus der Normandie schaffen wird. Aber die Analogie zum Zweiten Weltkrieg ist ein Argument für Geduld und Beharrlichkeit. Vor fast acht Jahrzehnten standen die Vereinigten Staaten vor einigen der gleichen Herausforderungen, vor denen die Ukraine heute steht. Doch die US-Armee blieb hartnäckig, und ihre langsamen, täglichen Vorstöße zermürbten die deutschen Verteidiger. Der kumulative Zermürbungseffekt erwies sich am Ende als entscheidend. Heute macht das ukrainische Militär Fortschritte, wenn auch nur langsam. Ob dieses langsame Vorankommen das russische Militär letztlich zermürbt - oder ob es zum Stillstand kommt - wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Der Zeitfaktor ist vielleicht der wichtigste Grund, warum es irreführend ist, die Ukraine heute mit dem Ersten Weltkrieg zu vergleichen. Damals, nach vier Jahren Kampf und Millionen von Opfern, hatten Großbritannien und Frankreich die Zeit wohl nicht auf ihrer Seite, selbst als die Amerikaner schließlich in den letzten sechs Monaten des Krieges ins Spiel kamen. Die Briten und Franzosen mussten mit ansehen, wie eine ganze Generation junger Männer dezimiert und die von ihnen geführte Weltordnung der Vorkriegszeit auf den Kopf gestellt wurde. Nicht so bei der Ukraine und dem Westen heute. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben in der Ukraine nur Schätze, aber kein Blut investiert. Der Westen hat die Zeit auf seiner Seite, und er kann es sich leisten, geduldig zu sein. Schlechte Analogien, die diese grundlegende Wahrheit ignorieren, dienen nur dazu, einen der größten strategischen Vorteile des Westens zu untergraben.

Zu den Autoren

Raphael S. Cohen ist Direktor des Strategie- und Doktrinprogramms im Projekt Air Force der Rand Corporation.

Gian Gentile ist stellvertretender Direktor der Army Research Division der Rand Corporation.

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 18. Juli 2023 in englischer Sprache im Magazin „ForeignPolicy.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

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