Nach Panzer-Deal

„Sollten nicht in Schockstarre verfallen“: Experten wiegeln Putins Atomkrieg-Drohung ab

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Russland fällt nach dem Panzer-Deal mit Atomkriegs-Drohungen auf. Doch Experten halten die Kosten für einen Atomwaffen-Einsatz für den Kreml für viel zu hoch.

Berlin – Deutschland wird Kiew nun doch Leopard 2-Panzer liefern – und entsprechende Anträge von Partnerländern genehmigen. Auch die USA wollen das angegriffene Land mit ihren Tanks unterstützen. „Diese Entscheidung folgt unserer bekannten Linie, die Ukraine nach Kräften zu unterstützen. Wir handeln international eng abgestimmt und koordiniert“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch, 25. Januar, in Berlin. Zuvor hatte Scholz mehrfach davor gewarnt, dass Russland den Krieg zu einem Atomwaffen-Krieg eskalieren lassen könnte. Zu Recht?

Nach den Ankündigungen zur Panzer-Lieferung hat Russland jedenfalls umgehend neue Drohungen abgesetzt. Konstantin Gavrilov, Leiter der russischen Delegation bei den Wiener Gesprächen über militärische Sicherheit und Rüstungskontrolle, sieht in der Panzer-Zusage durchaus eine „nukleare Provokationen“. Die Panzer seien mit nuklearen Projektilen bestückt – was jedoch eine Behauptung ist, für die Gavrilov keinerlei Belege anführen konnte.

Russlands Präsident Wladimir Putin droht immer wieder mit Atomwaffen.

Ukraine-Krieg: Fachleute halten Nuklear-Krieg für unwahrscheinlich

Doch wie realistisch sind nukleare Drohungen Russlands wirklich? Liviu Horovitz, Wissenschaftler bei der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik, hält ein solches Szenario für „extrem unwahrscheinlich“. „Dass Moskau versucht hat, mittels seiner Rhetorik die Lieferung von Panzern an die Ukraine abzuschrecken, ist nicht überraschend, sondern fügt sich gut in das bisherige Muster ein“, sagte er zu merkur.de von IPPEN.MEDIA.

Verschiedene Stimmen aus Russland hätten vor der deutschen Entscheidungen vor Konsequenzen gewarnt. Jedoch nicht auf höchster Ebene. Für Moskau sei es demnach nicht sinnvoll, Atomwaffen in der Ukraine einzusetzen. Außerdem seien die Kosten für einen Einsatz gewaltig, so Horovitz.

Strack-Zimmermann zur Atomkrieg-Gefahr: „Ein Panzer ist keine nukleare Provokation“

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Militär-Expertin der FDP, hält einen Nuklearkrieg für unwahrscheinlich.  „Ein Panzer ist keine nukleare Provokation. Da sind Lage und Völkerrecht klar. Wir dürfen uns nicht dem russischen Narrativ beugen. Man sollte nicht plötzlich in Schockstarre verfallen, wenn einer das in den Mund nimmt. Das versucht Wladimir Putin schon seit dem 24. Februar (2022)“, sagte Strack-Zimmermann zu merkur.de von IPPEN.MEDIA.

Sie rechnet nicht damit, dass der Kreml nicht weiter eskaliert. „Wladimir Putin würde ja mit dem Einsatz von Atomwaffen nicht nur sein eigenes Land stark gefährden, sondern er würde damit auch die Nato-Anrainerstaaten tangieren. Ein solcher Atomschlag ist ja nicht eingrenzbar. Deswegen gehe ich davon aus, dass er das nicht wagt“, so Strack-Zimmermann. (mose)

Rubriklistenbild: © Sergei Chirikov/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP/Sergei Guneyev

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