Schwierigkeiten und Pläne für 2023

Panne im Kreml: Brisante Kriegsinformationen aus Geheimdokument sickern durch

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Das russische Verteidigungsministerium hat vermutlich aus Versehen einen Bericht veröffentlicht, der Einblicke in Russlands militärische Schwächen gibt.

Moskau – Das russische Verteidigungsministerium hat einen Bericht über Probleme bei der Mobilmachung von Rekruten veröffentlicht und ihn kurz darauf wieder gelöscht. Inhalt des Berichts sind unter anderem Gründe, warum sich die Mobilmachung 2022 so schwierig gestaltet hatte und Konsequenzen, die das Verteidigungsministerium daraus ziehen will. Zunächst hatte die investigative Online-Zeitung The Insider über den Bericht des Leiters der Mobilisierungsabteilung des Generalstabs der russischen Streitkräfteberichtet, Jewgeni Burdinski, berichtet und darauf hingewiesen, dass der gelöschte Beitrag im Webarchiv des Verteidigungsministeriums immer noch einsehbar ist.

Panne im Kreml: Russisches Verteidigungsministerium lässt brisante Probleme im Ukraine-Krieg durchsickern

In dem Dokument heißt es, dass die russische Armee mit einer „mangelnden Bereitschaft eines Teils der Gesellschaft, militärische Pflichten zu erfüllen“ zu kämpfen habe. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im September 2022 die Mobilmachung von etwa 300.000 Reservisten angeordnet. Die Einberufung von Wehrpflichtigen löste Panik aus. Hunderttausende Menschen flohen nach der Ankündigung ins Ausland, um vor einem Einsatz im Ukraine-Krieg zu fliehen. Der Leiter der Mobilisierungsabteilung macht in dem Bericht zum Teil den „Informationsdruck der Internet-Blogger-Community“ dafür verantwortlich.

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein weißrussischer Amtskollege Alexander Lukaschenko. (Symbolbild)

Um zu verhindern, dass sich weitere russische Wehrpflichtige dem Ukraine-Krieg entziehen, wollen dem Bericht zufolge die militärischen Registrierungs- und Rekrutierungsbüros zusammen mit dem Innenministerium dieses Jahr Razzien bei Wehrpflichtigen durchführen. Zudem habe man eine Datenbank mit etwa 31,6 Millionen Menschen angelegt, von denen 2,9 Millionen im wehrpflichtigen Alter seien. Von diesen Einwohnern würden aktuell Informationen wie Handynummern oder E-Mail-Adressen gesammelt werden, um sie direkt zu erreichen. In dem Beitrag im Web-Archiv heißt es im Wortlaut: „Die Hauptaufgabe im Jahr 2023 ist die Erfüllung des Auftrags zur Auswahl von Bürgern für den Wehrdienst im Rahmen des Vertrags, auch in registrierten Einheiten, sowie die Erfüllung der Norm für die Einberufung von Bürgern zum Wehrdienst.

Russische Kriegsinformationen veröffentlicht: Versorgungsschwierigkeiten und Pläne für 2023

Neben der mangelnden Bereitschaft in der Bevölkerung wurden in dem Beitrag des Verteidigungsministeriums weitere Probleme öffentlich. So könnten viele Soldaten selbst bei einem Antritt des Dienstes gar nicht erst richtig versorgt werden, da es Schwierigkeiten bei „der Lieferung von Waffen und Ausrüstung“ gebe. Russland beziehe deshalb die Arbeit von staatlichen und privaten Unternehmen mit ein, um den Schwierigkeiten bei der Ausstattung entgegenzuwirken.

Zuletzt sollen die Vorbereitungen des russischen Generalstabs für weitere Angriffe in der Ukraine auf Hochtouren laufen. Noch in diesem Jahr will das Militär neue kombinierte Waffen- und Luftarmeen bilden. Hinzu sollen ein Armeekorps, fünf Divisionen sowie 26 Brigaden kommen. Auch ein Marinebezirk für das Asowsche Meer sei dem Verteidigungsministerium zufolge in Planung. (nz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Tereshchenko

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