VonFabian Hartmannschließen
Die russische Kriegsmaschinerie wäre ohne ihn undenkbar: Nikolai Patrushev. Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates ist ein enger Berater Putins, gilt als Ideologe und „Falke“ des Ostens.
München – Im Ukraine-Konflikt richten sich alle Augen auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Doch der Kriegsherr entscheidet nicht allein. Einer der einflussreichsten Männer in der russischen Führung ist der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patrushev. Er gilt als Einflüsterer des Präsidenten. Ein Mann mit klarer antiwestlicher Agenda.
Der 70-Jährige agiert im Hintergrund. Und doch wird ihm in Russland mehr Einfluss zugemessen als etwa Dmitrij Medwedjew, dem früheren Präsidenten und Ministerpräsidenten, auch er ein enger Weggefährte Putins. Wie kann das sein? Und wer ist der Mann, der meist im Verborgenen agiert?
Geheimer Strippenzieher im Ukraine-Krieg? Was Wladimir Putin und Nikolai Patrushev verbindet
Ein Blick in die Biografie. Was beide verbindet: Sie sind in etwa gleich alt, Putin (69) ist nur ein Jahr jünger. Beide kommen zudem aus dem heutigen Sankt Petersburg. Aber vor allem: Sie entstammen dem sowjetischen Geheimdienst KGB, heute FSB. Laut Medienberichten kennen sie sich seit Anfang der Neunzigerjahre. Seinen Sekretärsposten bekleidet Patruschew seit 2008, zuvor war er als Nachfolger Putins fast neun Jahre Direktor des FSB. In dieser Funktion war er von 1999 bis 2008 unter anderem am zweiten Tschetschenienkrieg maßgeblich beteiligt.
Die Tagesschau berichtet, er sei von der Idee „besessen“, der Westen wolle Russland spalten. Seine Äußerungen seien in den vergangenen Jahren immer düsterer geworden. Im Kern zielten sie darauf ab, dass der Westen Russland ausbeute, sich in die inneren Angelegenheiten einmische, manipuliere und zerstöre Amerika führe den Kampf an. Das Ziel sei klar: Es gehe darum, die russischen Rohstoffvorkommen auszubeuten. Belege für diese Verschwörungstheorie gibt es nicht. Nach westlichem Verständnis ist Patrushev ein „Falke“.
Nikolai Patrushev zum Ukraine-Krieg: In Interview liegt er voll auf Linie der Propaganda
Selten äußert sich Patrushev öffentlich. Doch jetzt gab er der regierungsnahen Zeitung Rossiiskaya Gazeta ein Interview. Es gibt einen Einblick in das Weltbild des Mannes, der Putin berät. Vom Verlust der russischen Souveränität ist die Rede, die russische Kultur sei in Gefahr, die unabhängige russische Innen- und Außenpolitik stehe auf dem Spiel. Die Ukraine werde von Washington in den Kampf gegen Russland gezwungen – der Westen schrecke nicht davor zurück, Nazis in Kiew zu installieren. Damit liegt Patrushev voll auf Linie der russischen Propaganda.
Einige Medien spekulieren bereits, dass Patrushev als Nachfolger Putins bereitstehen könnte. Um den Gesundheitszustand des Präsidenten ranken sich immer wieder Gerüchte, die von russischer Seite aber dementiert werden. (fh)
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