Kein Kriegs-Ende in Sicht

„Es geht um das Überleben Russlands“: Putin bereitet Russland auf „ewigen Krieg“ mit dem Westen vor

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Der russische Präsident stimmt sein Land Experten zufolge auf eine „ewigen Krieg“ ein.
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Nicht zuletzt die KGB-Vergangenheit von Wladimir Putin und seine Unfähigkeit zu verlieren, verlängern den Ukraine-Krieg. Experten schätzen, Putin möchte einen „ewigen Krieg“.

Moskau - Die „militärische Spezialoperation“ Russlands, also die Invasion in der benachbarten Ukraine, sollte eigentlich nur wenige Tage dauern. Jetzt tobt der Ukraine-Krieg bereits seit über einem Jahr. Ein Ende ist nicht in Sicht, ebenso wenig wie eine Verhandlungsbasis. Russland gab sich lange verhandlungsbereit, diktierte jedoch Konditionen, die für die Ukraine unhaltbar sind.

All das weist auf einen „langwierigen“ Krieg hin, wie es der Nato Generalsekretär Jens Stoltenberg formulierte. Stoltenberg sagte unlängst, er gehe von einem Krieg aus, der „viele, viele, viele, viele Jahre dauern kann“, wie n-tv berichtete. Mehreren Experten zufolge scheint der russische Präsident Wladimir Putin seine Bevölkerung auf genau diesen „nicht endenden Krieg“ einzustellen.

Ukraine-Krieg: Putin stimmt auf einen „ewigen Krieg“ ein

Wie der britische Guardian den Russland-Experten Maxim Trudoljubow zitiert, versucht Putin in seinen Reden immer mehr auf einen „ewigen Krieg“ einzustimmen: „Putin hat quasi damit aufgehört, über konkrete Ziele im Krieg gegen die Ukraine zu sprechen. Genauso wenig konkretisiert er, wie ein Sieg tatsächlich aussehen könnte.“ Der Krieg hatte dem Experten zufolge genauso wenig einen klaren Anfang, wie ein absehbares Ende hat.

Die von Trudoljubow angesprochenen Unklarheiten spiegelten sich auch in einer Ansprache des russischen Präsidenten an Fabrikarbeitern in Burjatien im Osten Russlands wider. Putin sagte: „Für uns ist das keine geopolitische Aufgabe. Es geht um das Überleben Russlands, darum, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass sich das Land entwickeln kann“.

Ukraine-Krieg: Putin „versteht nicht wie man verliert“

Ein weiteres Indiz für die Vorbereitung auf einen langen Krieg sei die zunehmende Anfeindung „des Westens“. Wladimir Putin, der ehemalige Präsident Russlands Dmitri Medwedew, Außenminister Russlands Sergej Lawrow und viele andere Putin-Vertraute haben in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass Russland sich aufgrund der Waffenlieferungen westlicher Länder auch mit diesen im Konflikt befinde. Dem Guardian zufolge sieht Trudoljubow darin die Botschaft an das russische Volk: Dieser Krieg wird so schnell nicht enden und damit müsst ihr euch arrangieren.

Ein Diplomat sagte dem Blatt, er sehe in vergangenen Reden sehe, dass sich Putin auf einen „Krieg vorbereite, der niemals enden wird“. Ein Grund dafür sei, dass der russische Präsident und ehemalige KGB-Agent „nicht versteht, wie man verliert“. Schwere Verluste, ob Gerät oder Menschenleben, würden den Kreml-Herrscher nicht dazu bringen, seinen Krieg zu überdenken.

Ukraine-Krieg: Rückzug für Putin keine Option

Experten im Westen fiel ebenso auf, dass der russische Präsident in der Öffentlichkeit kaum noch vom tatsächlichem Krieg, dem Kampfgeschehen, in der Ukraine spricht. Wladimir Gelman, ein russischer Politikwissenschaftler der Universität Helsinki, schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Es ist einfacher, nicht über das Kriegsgeschehen zu sprechen, wenn man keine Fortschritte vorzuweisen hat“. Das bedeute wiederum nicht, dass Rückzug eine Option für Putin sei, denn „das würde bedeuten, sich geschlagen zu geben“.

Der amerikanische Militärexperte Rob Lee sieht dem Guardian zufolge ebenfalls einen langen Krieg kommen. Da Rückzug keine Option für Moskau darstellt, müsse die russische Armee enorme Kosten zahlen, um geringe Erfolge zu erzielen. „Russland bereitet sich auf einen langen Krieg vor. Putin setzt darauf, dass die Ukraine ermüdet und der Westen Kiew nicht mehr unterstützen wird“, resümierte Lee. (lp)

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