VonStephanie Munkschließen
Die Sanktionen des Westens im Ukraine-Krieg treffen auch russische Oligarchen. Michail Fridman, einer der reichsten Männer Russlands, schildert in einem Interview die Folgen.
Moskau - Die Sanktionen des Westens infolge des Ukraine-Kriegs treffen nicht nur die russische Wirtschaft, sondern auch milliardenschwere russische Oligarchen, die im Ausland leben. Ende Februar hat die EU zahlreiche russische Multimilliardäre auf eine Sanktionsliste gesetzt - darunter zum Beispiel Roman Abramowitsch, Noch-Besitzer des FC Chelsea und einer der reichsten Männer der Welt, der am Mittwoch überraschend bei den Ukraine-Russland-Verhandlungen mitmischte.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen formulierte nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar das Ziel der Sanktionen: Russische Oligarchen sollen „über ihr Geld nicht mehr unbeschränkt verfügen können“. So solle es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin* einerseits erschwert werden, seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Andererseits gibt es wohl die Hoffnung, die russischen Multimilliardäre mittels Druck zum Widerstand gegen Putin zu bewegen.
Ukraine-Sanktionen: 12-Milliarden-Euro-Vermögen des Oligarchen Fridman eingefroren
Einer der Oligarchen, der auf der schwarzen Liste der EU steht, ist Michail Fridman, einer der reichsten Männer Russlands mit einem geschätzten Vermögen von rund 12 Milliarden Euro. Der 57-Jährige ist Gründer der Alfa Group, eines der größten privaten Industrie- und Finanzkonzerne in Russland. Auch am deutschen Öl- und Gasproduzent Wintershall hält er laut dem „Bloomberg Billionaires Index“ Anteile.
Geboren und aufgewachsen ist Fridman laut Bloomberg in der Stadt Lviv in der Westukraine. Zu seinem Reichtum kam er, schon bevor Putin an der Macht war. Dem Krieg in der Ukraine steht er kritisch gegenüber. Am Tag nach dem russischen Einmarsch hat er laut Bloomberg in einem Brief an seine Angestellten geschrieben, der Konflikt sei eine „Tragödie“ und Krieg könne „niemals die Antwort“ sein.
Ukraine-Sanktionen: Russischer Oligarch übt Kritik - „Sie verstehen nicht, wie Russland funktioniert“
Das Vermögen des in London lebenden Geschäftsmann ist seit den Sanktionen im gesamten Zugriffsbereich der EU eingefroren, in EU-Länder darf er nicht reisen. Der Agentur Bloomberg schilderte Fridman den Moment, als er am 28. Februar davon erfahren habe: Er sei das „unter Schock“ gestanden. „Ich habe fast nicht verstanden, um was es da geht.“
Die Sanktionen der EU gegen Oligarchen wie ihn sind seiner Meinung nach „völlig sinnlos“. „Ich war niemals in einer staatlichen Position oder in einem staatlichen Unternehmen“, so Fridman. „Wenn die Leute, die in der EU das sagen haben, denken, ich könnte zu Herrn Putin gehen und ihm sagen, er soll den Krieg beenden und das würde funktionieren, dann habe ich Angst, dass wir alle in großen Schwierigkeiten stecken“, sagte der Oligarch zu Bloomberg. „Dann verstehen sie nichts darüber, wie Russland funktioniert. Und das ist gefährlich für die Zukunft.“
Ukraine-Sanktionen: Russen-Oligarch muss auf ein Leben mit Exzessen verzichten
Seit dem 15. März steht Fridman nicht nur auf der schwarzen Liste der EU, sondern auch Großbritanniens. Seitdem ist jede seiner Kreditkarten nutzlos, er kommt nicht an sein Vermögen. Der spanischen Zeitung El Pais schildert Fridman, dass er in seiner 65-Millionen-Villa in London praktisch unter Hausarrest stehe. „Die Behörden in Großbritannien müssen mir einen bestimmten Betrag zuweisen, damit ich Taxis nehmen und Lebensmittel kaufen kann“, schilderte der Multimilliardär. Laut dem Bericht von Bloomberg sind das offenbar rund 2500 Pfund im Monat.
Angesichts der Lebenshaltungskosten in London sei dies ein geringer Betrag, findet der Oligarch im Interview mit El Pais: „Ich weiß immer noch nicht, ob es ausreicht, um ein normales Leben ohne Exzesse zu führen. Ich kann nicht einmal jemanden in ein Restaurant einladen. Ich muss zu Hause essen.“ Darüber sei er zwar verärgert, wolle sein eigenes Schicksal aber nicht mit den Menschen in der Ukraine vergleichen: „Meine Probleme sind wirklich nichts im Vergleich zu ihren Problemen“, wird er von Bloomberg zitiert. (smu)
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