„Ein Drittel“ der Diplomaten?

„Unter diplomatischer Tarnung“: Schweiz „Hotspot“ für Putins Spione? Experte warnt auch Deutschland

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Die Limousine des Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin am Pressezentrum in Genf. (Symbolbild)
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Der Ukraine-Krieg setzt sich fort. Die Schweiz entwickelt sich offenbar zu einem Hotspot für russische Spionage-Aktivitäten.

Bern/München - Im eskalierten Ukraine-Konflikt scheint auch an Tag 36 kein Signal einer Entspannung der Lage in Sicht. Vor dem Hintergrund des Angriffskriegs von Kreml-Chef Wladimir Putin rückt mögliche russische Spionage in europäischen Ländern mehr und mehr in den Fokus. In der Slowakei flog bereits ein größerer Spitzel-Fall auf - aber auch die Schweiz entwickelt sich womöglich zu einer Drehscheibe für Spione Moskaus.

Ukraine-Krieg: Die Schweiz als Hotspot für russische Spione

Man stelle „anhaltend aggressive russische Spionage-Aktivitäten“ in der Schweiz fest, berichtete zuletzt die Boulevardzeitung Blick unter Berufung auf den schweizerischen Nachrichtendienst des Bundes (NDB) - das Land könne ein „Hotspot“ sein, schreibt das Blatt. Demzufolge agieren die meisten Nachrichtendienste aus Russland „unter diplomatischer Tarnung“.

Etwa „ein Drittel“ der russischen Diplomaten in der Schweiz seien entweder Angehörige des Nachrichtendienstes oder sie stünden unter dem Verdacht, für den russischen Geheimdienst tätig zu sein, so das Blatt weiter. Genaue Details, etwa über die Anzahl der Personen, blieben dem Bericht zufolge zunächst im Dunklen.

Ukraine-Krieg: Niederlande, Polen und Slowakei enttarnen russische Diplomaten als Spione

Es ist nicht das erste Mal, dass nach Beginn der Ukraine-Invasion russische Diplomaten in den Fokus geraten. Am Dienstag (29. März) teilte das niederländische Außenministerium mit, 17 russische Diplomaten wegen des Vorwurfs der Spionage auszuweisen. Sie hätten unter dem „diplomatischen Deckmantel“ Informationen gesammelt.

Auch Polen hatte eigenen Angaben zufolge dutzende russische Diplomaten als Spione enttarnt. Es sei eine Liste „von 45 Personen erstellt worden, die in Polen unter dem Deckmantel diplomatischer Aktivitäten arbeiten und in Wirklichkeit Spionageaktivitäten durchführen, die gegen Polen gerichtet sind“, sagte Stanislaw Zaryn, ein Sprecher des polnischen Inlandsgeheimdienstes am 23. März. Zuletzt waren zudem in der Slowakei russische Spione enttarnt worden. Ein Video zeigte pikante Instruktionen.

„Spitze des Eisbergs“: Dutzende russische Spione wohl auch in Deutschland, Frankreich und Belgien

Es handele sich allerdings nur „um die Spitze des Eisbergs“, urteilte Russland-Experte Keir Giles gegenüber der Financial Times. Viele Spionage-Aktivitäten Russlands blieben unentdeckt. Auch in Deutschland, Frankreich und Belgien seien dutzende russische Spione aktiv, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten europäischen Geheimdienstmitarbeiter. Die Bundesanwaltschaft erhob am Freitag Anklage gegen einen Bundeswehr-Reserveoffizier - er soll allerdings „nur“ bis 2020 für Russland spioniert haben.

Wie der NBD Blick.ch in Bezug auf die Schweiz mitteilte, blieben Spionage-Aktivitäten Russlands „ein Hauptfokus“. „Der Ukraine-Krieg hat die Richtigkeit dieses Schwerpunkts bestätigt.“ Die Ukraine-Verhandlungen setzen sich indes fort. Putin wütete erneut gegen den Westen, China lies die EU auflaufen. (mbr mit dpa)

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