Ukraine-Krieg

31.000 Dollar Schmerzensgeld – so lockt Russland Häftlinge an die Front

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Die Verluste der russischen Armee nehmen zu. Um den Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzen zu können, rekrutiert Putin Ex-Strafgefangene.

Moskau – In den letzten Tagen hat Russland im Ukraine-Krieg bei Awdijiwka schwere Verluste erlitten, mehr als 6000 Soldaten sollen allein in der letzten Woche verwundet oder getötet worden sein. Um den Mangel an Frontsoldaten auszugleichen, greift Russlands Präsident Wladimir Putin offenbar auf eine Taktik zurück, die schon Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin nutzte: Verurteilte Straftäter werden rekrutiert und an die Front geschickt.

Aufgrund der hohen Verluste im Ukraine-Krieg rekrutiert die russische Armee nun ehemalige Strafgefangene und zahlt ihnen dafür hohe Geldsummen. Diese Taktik hatte bereits Wagner-Chef Prigoschin angewandt.

2000 Dollar im Monat: Einheit „Storm Z“ rekrutiert ehemaligen Strafgefangene für Ukraine-Krieg

Gemäß einem Geheimdienstbericht des britischen Verteidigungsministeriums wurden die aus ehemaligen Strafgefangenen bestehenden Militäreinheiten inoffiziell als „Storm Z“ bezeichnet. Ursprünglich sollten die „Storm Z“-Einheiten als Elitetruppen der russischen Armee fungieren. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass diese Einheiten tatsächlich aus Strafgefangenen und regulären Soldaten bestehen, die bestraft werden sollen. Die Einheiten haben laut dem britischen Verteidigungsministerium die „niedrigste Priorität“ in Bezug auf Logistik und medizinischer Versorgung.

Ein Soldat aus einer solchen Einheit hat kürzlich mit dem US-finanzierten Sender „Sever Realii“ gesprochen und gab Einblicke in die Rekrutierungsversuche der russischen Armee. Dabei wird deutlich, dass die Gefangenen mit vielversprechenden Visionen und großzügigen Geldsummen gelockt werden. Bis zu 2.000 Dollar (1.900 Euro) sollen sie erhalten, wenn sie in der Ukraine kämpfen. Im Falle von Verletzungen stünde den Soldaten angeblich eine Entschädigung von 31.000 Dollar (29.400 Euro) zu.

„Storm Z“-Kämpfer werden an die gefährlichsten Frontabschnitte geschickt – offensiv und defensiv

Für die meisten Russen stellen diese Beträge enorme Summen dar. Laut Schätzungen der IHK Rhein-Neckar betrug der durchschnittliche Lohn in Russland im vergangenen Jahr knapp 670 Euro. Zudem ist von weiteren 52.000 Dollar (49.200 Euro) für die Familien der im Kampf Getöteten die Rede.

Dies stellt zweifellos ein verlockendes Angebot für die russischen Gefangenen dar. Dennoch kritisiert der „Storm Z“-Kämpfer, die mangelnde Aufklärung und Sensibilisierung hinsichtlich der Intensität der Kriegshandlungen. Laut Angaben des Analystenteams Conflict Intelligence werden die „Storm Z“-Kämpfer an die gefährlichsten Frontabschnitte geschickt, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Darüber hinaus zeigt eine Untersuchung des Instituts für Kriegsforschung, dass diese Truppen aufgrund ihrer schlechten Moral und Disziplin voraussichtlich nicht sehr effektiv sein dürften. (fr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bocharov Denis

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