Warum starb Nawalny genau jetzt? Experten zeigen Putins mögliche Botschaft auf
VonRichard Strobl
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Der Tod von Alexej Nawalny sorgt für Bestürzung. Völlig unerwartet kommt er nicht. Experten ordnen ein, was dahinter stehen könnte.
Moskau – „Sein Widerstand gegen ein System der Unterdrückung hat ihn das Leben gekostet.“ Mit diesen Worten reagierte Frankreichs Außenminister Stéphane Séjourné auf den von russischen Behörden vermeldeten Tod von Alexej Nawalny. US-Präsident Joe Biden geht noch weiter und machte Wladimir Putin persönlich verantwortlich. Es bleiben zumindest vorerst viele Fragezeichen – so auch zur genauen Todesursache. Und doch stellt sich die Frage, warum Nawalny nach Jahren der Inhaftierung zum jetzigen Zeitpunkt ermordet worden sein könnte?
Nawalny ermordet? Experte sieht Nutzen für Putin – „wäre keine Überraschung“
Nach Meinung des Soziologen am King‘s College in London kommt Nawalnys Tod Putin aktuell durchaus gelegen. Schließlich steht in knapp einem Monat die russische Präsidentschaftswahl an. Der Tod des Kritikers könnte demnach eine deutliche Warnung an alle anderen Kontrahenten sein. „In Anbetracht der Tatsache, dass Putin immer wieder Gegner physisch ausschaltet, einschließlich der Vergiftung von Nawalny selbst, wäre das keine Überraschung“, so der Experte gegenüber dem Blatt.
Aljukow stellt Nawalnys Tod damit in eine Reihe mit diversen ungeklärten, abrupten Todesfällen in der russischen Elite. Besonders hebt er den Tod von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hervor. Nawalnys Tod könnte zeigen, „dass Widerstand zwecklos ist“, so der Wissenschaftler. Sehr ähnlich schätzt US-Analyst David Sanger die Lage gegenüber CNN ein: „Putin tritt zu den Wahlen an, nachdem er all diejenigen niedergeschlagen hat, die öffentlich die Unfähigkeit und den üblen Charakter der Führung in Russland angeprangert haben“.
Bei einer Mahnwache für Nawalny in New York sind Plakate zu sehen, auf denen Demonstranten die Meinung von Alexej Nawalny und Wladimir Putin zum Ausdruck bringen.
Der Fall Nawalny: Hat Putin „beschlossen, dass es genug ist“?
Auch nach Meinung weiterer Experten könnte hinter dem Ableben Nawalnys eine Botschaft Putins an seine Gegner kurz vor der Wahl stehen. „Putin könnte sehr wohl beabsichtigt haben, Nawalny, eine Symbolfigur der russischen Opposition, zu beseitigen, um die Chancen einer abweichenden Meinung in der Wahlperiode zu verringern“, meint etwa Callum Fraser vom britischen Verteidigungs-Think-Tank RUSI gegenüber Business Insider. Auch er zieht den Tod Prigoschins als Vergleich heran. Putin könne „beschlossen haben, dass es genug ist“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter weiter.
Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern
Einen Wechsel in Putins Umgang mit der Demokratie sieht gar Keir Giles – ein leitender Berater des Russland- und Eurasien-Programms des Think Tanks Chatham House. Nawalny habe Putin zuvor geholfen, den Schein der Demokratie zu wahren, meint er. Nun versuche Putin nicht einmal mehr, diesen Schein aufrechtzuerhalten.
Ob dieser von Experten vermutete Plan Putins aufgeht, bleibt abzuwarten. Der Tod des Kritikers könnte dessen Bewegung und generell die Opposition gegen den Ukraine-Krieg und Putin auch bestärken.
Der Kreml-Kritiker war nach Angaben der russischen Gefängnisbehörde am Freitag nach einem Spaziergang in einem Gulag zusammengebrochen und verstorben. Ersten Berichten zufolge soll ein Blutgerinnsel die Todesursache gewesen sein. (rist)