Bedenken in Washington

Ukraine hofft auf US-Drohne Gray Eagle - doch Biden sieht offenbar gleich zwei Probleme

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Auf der Wunschliste der Ukraine: Eine US-Drohne des Typs Gray Eagle, zu sehen bei einer Militärwaffen-Ausstellung in Korea.
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Die Ukraine fordert weitere Waffen zur Verteidigung gegen Russland. Vor allem die US-Drohne Gray Eagle steht auf Selenskyjs Wunschliste. Doch Biden hat offenbar Bedenken.

Kiew/Washington, D.C. – Waffen aus dem Westen helfen der Ukraine nach Expertenmeinungenorm bei der Verteidigung gegen Russland. Doch damit die ukrainische Verteidigung im Ukraine-Krieg weiter erfolgreich bleibt, fordert Kiew mehr Unterstützung: Von Deutschland etwa schon seit langem Kampfpanzer der Bauart Leopard, von den USA laut einem Bericht des US-Senders CNN die bewaffnete Drohne Gray Eagle.

Die hat US-Präsident Joe Biden der Ukraine bisher trotz milliardenschwerer Waffenlieferungen vorenthalten. Und das offenbar aus einem bestimmten Grund.

US-Drohne Gray Eagle: Hochmoderne Drohne mit extremer Genauigkeit

Gray-Eagle-Drohnen sind laut Angaben des Herstellers „General Atomics“ unbemannte Kampfdrohnen mit einer Reichweite von rund 400 Kilometern – somit könnten sie weit hinter der Frontlinie auf von Russen besetzte Gebiet steuern. Mit einer Tankfüllung bleiben sie rund 25 Stunden in der Luft, können gut 7,5 Kilometer hoch fliegen und sind rund 310 km/h schnell - deutlich schneller als die türkische Kampfdrohne Bayraktar TB2, die sich bereits im Arsenal der Ukraine befindet.

Gray Eagle kann außerdem auch doppelt sie viele Waffen transportieren wie das türkische Modell, nämlich bis zu vier Hellfire-Raketen. Russische Stellungen könnte sie aus großer Distanz erkennen und lokalisieren, wie es in einem Bericht der Washington Post heißt. Durch ihre enorme Zielgenauigkeit gegenüber anderen Drohnen könnten Zivilisten verschont bleiben, heißt es auch. „Solche Drohnen können in eine Schlacht geschickt werden und sie sofort verändern.“

Kongressabgeordnete fordern Lieferung von Gray-Eagle - doch es gibt Bedenken

Mehrere Kongressabgeordnete haben US-Verteidigungsminister Llloyd Austin in einem Brief bereits aufgefordert, die Drohnen umgehend an die Ukraine zu liefern, schreibt das Portal DefenseNews. Doch das Weiße Haus zögert. Zwar würde man der Ukraine die Drohnen prinzipiell gern zur Verfügung stellen, doch gibt es laut einem Bericht von Politico große Bedenken: Was würde passieren, wenn die hochmoderne Technologie in die Hände der Russen geriete? „Das größte Bedenken ist, dass Russland eine oder mehrere Drohnen abfangen könnte und die Technologie klauen könnte“, schreibt das Portal unter Berufung auf vier Quellen, die mit dem Thema vertraut seien.

Es gibt laut Politico noch einen zweiten Grund, warum Biden zögert: „Die Biden-Regierung ist besorgt, dass die Drohne und die Instrumente, die sie transportiert, zu viel Trainingsbedarf und logistische Herausforderungen für das ukrainische Militär mit sich bringen.“

US-Präsident Joe Biden bei einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: Bei der Lieferung der Drohne Gray Eagle gibt es Bedenken.

Ukraine hofft auf US-Drohne Gray Eagle - Modifizierung soll Lieferung ermöglichen

CNN berichtet, Washington suche nach einer Möglichkeit, die Drohnen zu modifizieren. Das soll die Gefahr, dass die Ukraine die Drohnen bei einem Einsatz verlieren, verringern. „Es besteht immer noch ein echtes Interesse an der Bereitstellung dieses speziellen Systems“, wird ein US-Beamter zitiert. „Vorausgesetzt, wir können die notwendigen Modifikationen vornehmen und sie sind dann für die Ukraine auf dem Schlachtfeld immer noch nützlich.“

Dringender Verteidigungsbedarf besteht für die Ukraine jedenfalls nach wie vor: Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete erst diese Woche wieder verheerende Luftangriffe auf die gesamte Ukraine an. Große Teile der Infrastruktur des Landes sind bereits zerstört, Strom und Heizung fallen in tausenden Orten aus, unzählige Menschen sind obdachlos.

Für Aufregung sorgte am Dienstag (15. November) ein Raketeneinschlag in Polen, der offenbar aber nicht auf einen russischen Angriff, sondern auf eine ukrainische Reaktion zurückzuführen ist. Die Sprecherin des russischen Verteidigungsministers Lawrow machte sich mit einem Witz darüber lustig. (smu)

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