Krieg in der Ukraine

Waren Putins Raketen auf Kiew eine Reaktion auf den G7-Gipfel? Politiker vermutet „Machtdemonstration“

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Die Truppen von Wladimir Putin übersäen die Ukraine weiter mit Bombardements. War der jüngste Angriff auf Kiew sogar eine direkte Antwort auf den G7-Gipfel in Bayern?

München - Dieses Wochenende hat mal wieder gezeigt, dass sich seit Beginn der russischen Invasion niemand in der Ukraine sicher fühlen kann. Zu Beginn des fünften Kriegsmonats nahmen die vom Kreml befehligten Truppen Ziele in verschiedenen Regionen des Nachbarlandes ins Visier.

Am Samstag wurden laut der Nachrichtenagentur Unian Einschläge im Norden in den Gebieten Schytomyr und Tschernihiw sowie in der Stadt Sarny registriert. Ebenso im Westen rund um Lwiw nahe der Grenze zu Polen oder um das etwas zentraler gelegene Chmelznyzkyj.

Putin lässt Raketen auf Ukraine feuern: Kreml-Chef konzentriert sich nicht nur auf den Osten

Teilweise sollen die Geschosse von Belarus aus abgefeuert worden sein, woraus die Verteidiger schlussfolgern, dass Wladimir Putin seinen engen Verbündeten Alexander Lukaschenko zum Kriegseintritt treiben will. Es war jedenfalls ein untrügliches Zeichen, dass sich der Kreml-Herrscher nicht allein auf die Eroberung des Donbass und anderer Regionen im Osten der Ukraine konzentriert. Und er den in seinen Augen zu entnazifizierenden Feind nicht nur nahe der Frontlinie in Atem halten will.

Am Sonntag ging das so weiter. Erstmals seit drei Wochen suchten russische Raketen wieder die Umgebung von Kiew heim. 14 Geschosse zählte der Parlamentsabgeordnete Olexij Hontscharenko, der sich auf Telegram zu Wort meldete.

Auch in der Hauptstadt selbst wurde ein relativ zentral gelegener Wohnkomplex getroffen. Die Luftabwehr verhinderte Schlimmeres, worauf auch Olexij Kuleba, Militärgouverneur des Gebiets Kiew, via Telegram hinwies.

Keine Liebes-Grüße aus Moskau: Wladimir Putin lässt weiter Raketen auf die Ukraine regnen - und auch wieder auf Kiew.

Putin und der G7-Gipfel in Elmau: „Lässt hier seine Muskeln spielen“

Bombardements im ganzen Land. Wenige Stunden vor Beginn des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Für nicht wenige Beobachter drängt sich ein Zusammenhang auf. Die Welt schreibt von einem „brutalen Gruß aus Moskau nach Elmau“. Der Europaabgeordnete Manfred Weber schlussfolgerte bei Tagesschau24: „Man muss davon ausgehen, dass Putin hier seine Muskeln spielen lässt.“ Weiter sprach der CSU-Politiker von einer „Machtdemonstration“ des russischen Präsidenten.

Es dürfte keine Frage sein, dass Putin sich dafür interessiert, wie sich die führenden westlichen Industrienationen während ihres Treffens positionieren und die Weltpolitik künftig gestalten wollen. Obendrein drohen ihm und seinen Unterstützern weitere Sanktionen.

Putin und der Ukraine-Krieg: Scholz glaubt an „Kopfschmerzen“ beim Kreml-Chef

Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich während einer G7-Pressekonferenz überzeugt, dass der Machthaber aus Moskau durchaus beeindruckt sein dürfte. „Man kann sicher sagen, dass Putin nicht damit gerechnet hat und ihm das unverändert Kopfschmerzen bereitet“, lobte der Gastgeber den Schulterschluss der G7-, EU- und Nato-Staaten bei der Unterstützung der überfallenen Ukraine.

Auch auf die jüngsten Entwicklungen nahm der SPD-Politiker Bezug. Die Raketenangriffe auf Kiew hätten bewiesen, wie brutal der Krieg Putins sei. Scholz fuhr fort: „Das zeigt, dass es richtig ist, dass wir zusammenstehen und die Ukrainerinnen und Ukrainer dabei unterstützen, ihr Land, ihre Demokratie, ihre Freiheit auf Selbstbestimmung zu verteidigen.“

Bild der Zerstörung: Ein maskierte Mann steht in einem zerstörten Gebäude in Kiew - das Foto stammt bereits vom Freitag.

Demonstrieren dürfen Scholz und seine prominenten Gäste das auch am Montag wieder. Am zweiten Tag des G7-Treffens wird Wolodymyr Selenskyj virtuell in die Runde geschaltet. Der ukrainische Präsident hatte zuvor einmal mehr schnelle Waffenlieferungen und weitere Sanktionen gefordert.

Putin wird das natürlich gar nicht schmecken. Was die Ukraine womöglich zu spüren bekommt, wenn er seiner Zerstörungswut einmal mehr freien Lauf lässt. Es scheint aktuell nicht viel zu geben, wovor der Kreml-Chef zurückschreckt. (mg)

Rubriklistenbild: © Carol Guzy/dpa

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