Verhandlungs-Plädoyer bei Merkur.de

Merkels Ex-Berater warnt vor Eskalation: Cherson „keine Niederlage“ für Putin – „Wir müssen aufpassen“

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Experte Erich Vad sieht den Cherson-Rückzug Russlands mit Skepsis - er warnt bei Merkur.de vor einer Eskalation durch weitere Waffenlieferungen.

München - Der Ukraine-Krieg ist zum Abnutzungskampf für Russen und Ukrainer geworden – in dem vor allem im Winter wenig Bewegung zu sehen sein wird. Den möglichen russischen Rückzug aus Cherson könne Kiew zwar als „Sieg“ verkaufen, und „das ist ja auch gut“, schätzt der deutsche Militärexperte Erich Vad im Gespräch mit Merkur.de die Lage ein. Eine Wende im Militärgeschehen sieht er aber nicht. Beide Seiten erlitten große militärische Verluste und befänden sich in einer Phase des „Unentschieden“.

„Es gibt keine militärische Lösung im Ukraine-Krieg“, sagte der frühere Militär-Berater Angela Merkels weiter. „Wir brauchen den baldigen Einstieg in Verhandlungen“. Vad sah sich im Laufe des russischen Angriffskrieges immer wieder relativ allein mit dieser Position. Deutsche Experten setzten dagegen mehrheitlich auf mehr Waffen und einen militärischen Sieg der Ukraine. Aktuelle Äußerungen von US-Generalstabschef Mark Milley sieht Vad aber als Unterstützung für seine Position.

Ukraine-Krieg: Mehr Waffenlieferungen? Militärexperte Vad warnt vor Eskalation

Ex-Kanzlerinnen-Berater Erich Vad (li.) sieht den russischen Rückzug aus Cherson nicht als Niederlage.

Das Pentagon habe zudem nun der Ukraine eine Drohnen-Lieferung verweigert – aus Sorge, der Konflikt könne dadurch eskalieren, erklärte Vad. Kiew wünsche sich seit Monaten die Hightech-Drohne „Gray Eagle“. „Wir haben eine militärische Pattsituation und müssen bei Waffen im Hightech-Bereich weiterhin aufpassen, um die militärische Eskalation nicht hochzutreiben“, befürwortete Vad die Entscheidung der Vereinigten Staaten. 

Nicht ohne Grund hätten die USA – in denen gerade die Midterms 2022 stattfanden – nur Raketenwerfer mit begrenzter Reichweite an Kiew geliefert und auch auf Kampfpanzer-Lieferungen verzichtet. Auch wolle die neue Regierung in Rom unter Premier Giorgia Meloni die Waffenlieferungen zurückfahren, betonte der Experte gegenüber Merkur.de. Eine mögliche deutsche Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern der Ampel-Koalition mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) hält Vad nach eigenen Angaben nach wie vor nicht für zielführend.

Zwischenwahlen USA: Die zehn spannendsten Duelle im Senat

John Fetterman von den Demokraten
Der linke Demokrat John Fetterman ist amtierender Vizegouverneur von Pennsylvania und tritt dort gegen den republikanischen Trump-Schützling Mehmet Oz an. Kurz vor den demokratischen Vorwahlen im Mai erlitt Fetterman einen Schlaganfall, von dem er sich noch immer erholt.  © Kriston Jae Bethel/afp
Mehemt Oz aus Pennsylvania
Der Republikaner Mehmet Oz wird im Wahlkampf in Pennsylvania um den Sitz im US-Senat von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt. Der Kardiologe und ehemalige TV-Arzt geriet in die Kritik, weil er in seiner Sendung, „The Dr. Oz Show“, pseudowissenschaftliche und alternativmedizinische Ansichten verbreitete. © Ed Jones/AFP
Mandela Barnes
Der progressive Demokrat Mandela Barnes ist Vizegouverneur von Wisconsin und will den amtierenden republikanischen Senator, Ron Johnson, ablösen. Barnes setzt sich insbesondere für Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte ein. Seine Kandidatur wird von den prominenten US-Linken Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez und Elizabeth Warren offiziell unterstützt. © Scott Olson/AFP
Ron Johnson von den Republikanern
Der MAGA-Republikaner Ron Johnson ist der amtierende Senator von Wisconsin und rechtsextrem. Er will die staatliche Kranken- und Rentenversicherung privatisieren. Den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 bezeichnete er als „überwiegend friedlich“, es sei kein bewaffneter Aufstand gewesen. © Mark Hertzberg/Imago
Raphael Warnock von den Demokraten
Raphael Warnock ist Senator des Swing States Georgia. Er wird herausgefordert von dem Trump-Protegé Herschel Walker. Warnock ist Pastor der Ebenezer Baptist Church in Atlanta, in der einst der bekannte Bürgerrechtsaktivist Martin Luther King Jr. predigte. Warnock ist der erste Schwarze, der den Südstaat Georgia im US-Senat vertritt. © Anna Moneymaker/AFP
Herschel Walker von den Republikanern
Der Ex-American-Football-Spieler und Republikaner Herschel Walker tritt in Georgia gegen den demokratischen Senator Raphael Warnock an. Seine Kandidatur wird von Donald Trump unterstützt. Walker fällt immer wieder durch vergangene Skandale auf. Der erklärte Abtreibungsgegner soll eine Ex-Freundin zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt und dafür bezahlt haben. © Megan Varner/AFP
Catherine Cortez Masto von den Demokraten
In Nevada wackelt der Senatssitz der demokratischen Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto. Ihr Herausforderer ist der von Donald Trump unterstütze Republikaner und Wahlleugner Adam Laxalt. Cortez Masto macht sich im Wahlkampf insbesondere für das Recht auf Abtreibung stark. Bevor sie Senatorin wurde, war sie Navadas Generalstaatsanwältin. © Kevin Dietsch/AFP
Republikaner Adam Laxalt, Kandidat für den Senat
Der Republikaner Adam Laxalt fordert in Nevada die demokratische Amtsinhaberin Catherine Cortez Masto heraus. Laxalt wird von Donald Trump unterstützt und ist demzufolge Wahlleugner. Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Nevada konzentriert sich auf die Themen Inflation und „Law and Order“. © Bridget Bennett/AFP
Tim Ryan aus Ohio
Demokrat Tim Ryan kämpft in Ohio mit dem Republikaner J. D. Vance um den frei werdenden Senatssitz. Ryan ist Abgeordneter im Repräsentantenhaus und war 2019 Präsidentschaftskandidat der Demokraten, doch schied vorzeitig aus dem Rennen aus. © Jerry Mennenga/Imago
JD Vance kandidiert für die Republikaner
J. D. Vance kandidiert auf republikanischer Seite in Ohio gegen den Demokraten Tim Ryan für den Senat. Vance ist Risikokapitalgeber und Autor des autobiografischen Bestsellers „Hillbilly Elegie“. Er sicherte sich die republikanische Nominierung im Vorwahlkampf durch rechtsextreme Positionen und die Unterstützung von Donald Trump. © Jeff Swensen/AFP
Marco Rubio kandidiert für die Republikaner
In Florida sieht sich der amtierende republikanische Senator Marco Rubio seiner demokratischen Herausforderin Val Demings gegenüber. Donald Trump verpasste Rubio, der 2016 als dessen Kontrahent in den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen antrat, den hämischen Spitznamen „little Marco“ (kleiner Marco). © Anna Moneymaker/AFP
Val Demings kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Val Demings fordert in Florida den amtierenden republikanischen Senator Marco Rubio heraus. Sie ist die ehemalige Polizeichefin von Orlando und konnte bereits republikanische Attacken abwehren, die darauf abzielten, sie als zu lax in puncto Strafverfolgung darzustellen. © Joe Readle/AFP
Ted Budd kandidiert für die Republikaner
In North Carolina tritt der Republikaner Ted Budd gegen die Demokratin Cheri Beasley an. Der von Trump unterstützte rechtsextreme Abgeordnete Budd ist Wahlleugner und Inhaber eines Schusswaffengeschäfts. © Seth Herald/AFP
Cheri Beasly kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Cheri Beasley kämpft in North Carolina mit dem Trump-Republikaner Ted Budd um den Sitz im Senat. Beasley ist ehemalige Richterin am Supreme Court des Bundesstaates North Carolina und befürwortet das Recht auf Abtreibung. © Sean Rayford/AFP
Mark Kelly kandidiert für die Demokraten
In Arizona wird der demokratische Amtsinhaber Mark Kelly vom Trump-Schützling und rechtsextremen Republikaner Blake Masters herausgefordert. Kelly ist ehemaliger Astronaut und Ehemann der ehemaligen Abgeordneten Gabby Giffords, der bei einer Veranstaltung in den Kopf geschossen wurde und die überlebte. Demzufolge setzt sich Kelly für strengere Schusswaffengesetze ein. © Kevin Dietsch/AFP
Blake Masters kandidiert für die Republikaner
Der rechtsextreme Republikaner Blake Masters fordert in Arizona den demokratischen Amtsinhaber Mark Kelly heraus. Masters ist ein Schützling Donald Trumps und sprach sich im Vorwahlkampf nicht nur gegen Abtreibungen, sondern auch gegen Empfängnisverhütung aus. Er ist auch Anhänger des rechten, rassistischen Verschwörungsmythos vom „Großen Austausch“. © Brandon Bell/afp
Maggie Hassan kandidiert für die Demokraten
Die Demokratin Maggie Hassan ist die Amtsinhaberin des Senatssitzes für New Hampshire. Sie wird von dem Republikaner Don Bolduc herausgefordert. Hassan konzentriert sich im Wahlkampf auf den Schutz des Rechts auf Abtreibung. Sie war bereits Gouverneurin von New Hampshire. © Scott Eisen/AFP
Don Bolduc kandidiert für die Republikaner
Der Republikaner Don Bolduc fordert in New Hampshire die demokratische Amtsinhaberin Maggie Hassan heraus. Bolduc lobte die höchst umstrittene Anti-Abtreibungsentscheidung des Supreme Courts. Der pensionierte Brigadegeneral ist ein rechtsextremer Kandidat, doch er wird nicht von Donald Trump unterstützt. © Scott Eisen/AFP
Michael Bennet kandidiert für die Demokraten
In Colorado wird der demokratische Amtsinhaber Michael Bennet von dem Republikaner Joe O’Dea herausgefordert. Bennet hat sich während seiner Amtszeit auf die Ausweitung der Steuergutschrift für Kinder konzentriert. Er macht auch Wahlkampf mit den Mitteln aus dem Infrastrukturpaket, die seinem Bundesstaat zuerkannt wurden. © POOL

Putins Truppen in „Umgruppierung“: Merkels Ex-Berater Vad sieht Gelegenheit für Verhandlungen

Der Rückzug des russischen Militärs aus Cherson sei keine militärische Niederlage für die Russen, sondern es gehe um eine Umgruppierung der Kräfte und den Aufbau einer nachhaltigen Verteidigung am Dnipro (siehe folgende Karte), erklärte der Ex-General. Dieser Prozess könne sich über Wochen und Monate hinziehen. „Immerhin handelt es sich um etwa 25.000 bis 30.000 Kämpfer“. Im Winter werde sich im Militärgeschehen in der Ukraine entlang einer rund 1000 Kilometer langen Frontlinie wenig verändern.

Vad plädierte deshalb für mehr humanitäre Hilfe statt Waffen für die Angegriffenen. Er verwies etwa auf die gut drei Millionen Menschen in Kiew, die stark unter der von Russland unter Kremlchef Wladimir Putin beschädigten Energie-Infrastruktur leiden. Ein möglicher Cherson-Abzug der Russen sei für beide Seiten zudem eine „gute Gelegenheit, in beide Seiten gesichtswahrende Verhandlungen einzusteigen“. (frs)

Rubriklistenbild: © ITAR-TASS/Imago (Montage)

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