Einsätze an der Front

Mit E-Bikes gegen russische Panzer - Ukrainisches Militär greift im Krieg zu ungewöhnlichen Mitteln

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Das ukrainische Militär greift bei der Verteidigung der Ostukraine auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Darunter fällt der Einsatz vom E-Bikes zur Panzerabwehr.

Kiew - Auch drei Monate nach dem Beginn des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine dauern die Kampfhandlungen vor allem im Donbass im Osten der Ukraine weiterhin an. Zwar betonte die russische Regierung zuletzt immer wieder, die „Spezialoperation“ in der Ukraine würde weiterhin nach Plan verlaufen. Trotzdem scheint Präsident Wladimir Putin nicht mit einem derart heftigen Widerstand durch das ukrainische Militär gerechnet zu haben. So musste das russische Militär ihr anfänglichen Bestrebungen, die Hauptstadt Kiew einzunehmen, aufgeben und die Truppen in der Ostukraine neu gruppieren. Das Ziel von Putins Truppen scheint nun die komplette Kontrolle über den Donbass zu sein.

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Entscheidend ist dabei auch, dass sich das ukrainische Militär trotz des bekannten Mangels an schweren Waffen gegen die russischen Invasoren erwehren konnte. In der Verteidigung ihrer Heimat zeigen Soldaten und Militärführung auch ein enormes Maß an Kreativität, wie nicht zuletzt Berichte aus der vergangenen Woche erneut unterstreichen. So berichtete unter anderem der Stern davon, dass die ukrainischen Soldaten an der Front im Donbass auch stark motorisierte E-Bikes benutzen würden, um russische Panzer zu bekämpfen.

Die ukrainischen Truppen benutzen im Krieg gegen Russland auch E-Bikes, um auf die Jagd nach russischen Panzern zu gehen (Symbolbild).

Dem Bericht zufolge greifen die Truppen dabei vor allem auf E-Bikes des ukrainischen Herstellers Delfast zurück. Diese erreichen Top-Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und verfügen über eine Reichweite von ca. 300 Kilometern. Wie klassische E-Bikes können die Delfast-Räder über die Pedalen, jedoch auch wie Motorräder alleine über den Gasgriff am Lenker betrieben werden. Ein weiterer Vorteil ist der Preis: die E-Bikes kosten gerade einmal rund 7000 Euro pro Stück - ein regelrechtes Schnäppchen im Vergleich zu konventionellem Rüstungsgut. Somit können die ukrainischen Soldaten schnell und wendig die Frontlinien erreichen und dort gezielte Angriffe gegen russische Panzer ausführen.

Ukrainischer E-Bike-Hersteller beliefert Militär im Krieg gegen Russland

Delfast-CEO Daniel Tonkopiy teilte am vergangenen Montag über Facebook ein Bild, das zwei E-Bikes seiner Firma im Einsatz zeigt. Dabei ist zu sehen, wie die Räder mit Transportboxen versehen sind, die sogenannten NLAWs (Next Generation Light Anti-Tanl Waepons) enthalten. Diese Anti-Panzer-Waffen wiegen im schussbereiten Zustand lediglich 12 Kilogramm und können gegen Panzer in bis zu 800 Meter Entfernung eingesetzt werden. Die Kombination aus E-Bike und NLAW erlaubt es den ukrainischen Truppen also schnell und unbemerkt in die Nähe russischer Panzer zu gelangen, eine Rakete abzufeuern – die im besten Fall den Panzer zerstört – und sich anschließend ebenso schnell wieder von der Front zu entfernen.

Delfast beliefere die ukrainischen Truppen bereits seit dem Beginn des Krieges mit E-Bikes, erklärt CEO Tonkopiy in seinem Facebook-Beitrag. In Absprache mit dem Militär habe man die Zusammenarbeit bisher jedoch nicht nach außen kommuniziert und würde dies nun nur mit der Erlaubnis der Militär-Führung tun. Mittlerweile habe man auch positive Rückmeldungen von den Soldaten erhalten, so Tonkopiy. „Das E-Bike ist großartig und kann in mobilen Einsatzgruppen wirklich funktionieren“, zitiert der Firmenchef einen ukrainischen Soldaten.

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Neben den Rädern von Delfast versorgen auch weitere E-Bike-Hersteller die ukrainischen Truppen. Auch Fahrräder des ukrainischen Herstellers Eleek befinden sich im Einsatz. Diese erreichen nach Hersteller-Angaben sogar Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 90 km/h und erlauben es ukrainischen Soldaten ebenfalls, sich quasi lautlos in Front-Nähe zu bewegen.

Die russische Großoffensive im Osten der Ukraine dauert aktuell weiter an und fordert weiterhin große Verluste. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab zuletzt auch dem Westen eine Mitschuld an den hohen Opferzahlen. Die Truppen des ukrainischen Militärs werden jedoch wohl weiter alles tun, um ihre Gebiete vor den russischen Invasoren zu verteidigen – auch mit der Hilfe von in der Ukraine hergestellten E-Bikes. (fd)

Rubriklistenbild: © Michael Brochstein/dpa

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