Ukraine-Krieg

Neue Angriffe auf Stahlwerk in Mariupol – Zivilisten weiter eingeschlossen

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Zahlreiche Zivilisten sitzen weiterhin in Mariupol fest. Präsident Selenskyj hat die Hoffnung auf ihre Rettung aus der zerstörten Stadt nicht aufgegeben.

Kiew – Inzwischen ist die Hafenstadt Mariupol durch wochenlange Kämpfe im Ukraine-Krieg fast vollständig zerstört – und hat wegen der humanitären Lage weltweit traurige Berühmtheit erlangt. Nachdem Wladimir Putin, der offenbar eine Krebs-OP hatte, Ende Februar den Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet hatte, standen lange Zeit mögliche Fluchtkorridore aus der umkämpften Region im Zentrum der Öffentlichkeit. Inzwischen hat die russische Armee Mariupol fast vollständig unter Kontrolle. Zuletzt hoffte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf weitere Evakuierungsaktionen aus der Stadt, doch nun gibt es erneute Angriffe.

Kämpfe in Mariupol: Selenskyj hofft auf Rettung von Zivilisten aus dem Stahlwerk Azovstal

In einer abendlichen Videobotschaft sagte Selenskyj am Mittwochabend, dass die Politik hoffe, weiterhin Menschen aus Mariupol retten zu können. In der stark zerstörten Stadt ist die Lage besonders kritisch für die Ukrainer, die im Stahlwerk Azovstal Zuflucht gesucht haben. Auf dem Gelände sollen sich zudem Kämpfer des Asow-Bataillons aufhalten. Die russische Armee soll seit Tagen versuchen, das Stahlwerk zu erobern. Während Russland am 4. Mai zunächst eine weitere Feuerpause ankündigte, damit Zivilisten über errichtete Fluchtkorridore aus der Stadt evakuiert werden können, soll es am Donnerstag zu erneuten Angriffen gekommen sein. Derweil stehen erneute Atomwaffen-Drohungen durch Putin im Raum.

Erneut greifen russische Truppen das Stahlwerk in Mariupol an. Präsident Selenskyj hoffte zuletzt auf Fluchtkorridore für Zivilisten. (Archivfoto)

Wie es zunächst hieß, teilten die russischen Streitkräfte im Vorfeld mit: „Während dieser Zeit stellen Russlands Streitkräfte und die Formationen der Volksrepublik Donezk jegliche Kampfhandlungen ein, die Einheiten werden auf eine sichere Entfernung zurückgezogen.“ Nach Angaben des ukrainischen Militärs war diese Ankündigung offenbar nicht von langer Dauer. „Mit Unterstützung der Luftwaffe hat der Gegner seinen Angriff mit dem Ziel erneuert, das Fabrikgelände unter seine Kontrolle zu bringen“, teilte der ukrainische Generalstab am Donnerstagmorgen in seinem Lagebericht mit.

Plant Wladimir Putin Südrussland? Unterlagen deuten Staatsgründung an – viele Städte in der Ukraine zerstört

Nach gegenwärtigen Schätzung sollen sich in dem Stahlwerk Azovstal derzeit noch bis zu 200 Zivilisten aufhalten. Während viele Städte in der Ukraine durch die Angriffe der russischen Armee mittlerweile stark zerstört sind, plant die Kreml-Führung um Wladimir Putin, über dessen Erkrankung auch Außenminister Lawrow schweigt, offenbar die Errichtung eines eigenen Staats in der Ukraine. Das berichtete der Sender Radio Free Europe/Radio Svoboda unter Berufung auf geheime Dokumente. Zwar halten Experten mögliche Pläne für realistisch, allerdings würde die Staatsgründung eines „Südrusslands“ vielerorts auf einem Trümmerfeld stattfinden.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland vor einigen Tagen Ulrich Kühn vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg zitierte, würden entsprechende Pläne allerdings nicht erst mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs existieren. Es hätte in den vergangenen Jahren immer wieder Gedankenspiele von kremlnahen Propagandisten über ein Südrussland gegeben, sagte der Wissenschaftler. Experten gehen derzeit davon aus, dass Russland nicht in der Lage ist, in der Ukraine eine Staatsgründung voranzutreiben, da das russische Militär die Region nicht auf Dauer halten kann. Das zeigen auch jüngste Entwicklungen: Offenbar erzielt die Ukraine militärische Erfolge im südöstlichen Grenzgebiet.

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