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Odessa wird im Ukraine-Krieg wieder das Ziel schwerer russischer Bombardements. Der Bürgermeister hat daraufhin eine Botschaft an Moskaus Invasionsarmee.
München/Odessa - Russland soll im Ukraine-Krieg nun auch die geschichtsträchtige Altstadt Odessas mit Raketen beschossen haben. Moskau weist entsprechende Vorwürfe aus Kiew zwar zurück. Fakt ist aber, dass etliche Gebäude stark beschädigt wurden, darunter auch eine Kirche.
Ukraine-Krieg: Schwere Luftangriffe auf Odessa gemeldet
Hennadij Truchanow, der Bürgermeister der mit rund einer Million Einwohner drittgrößten Stadt der Ukraine, hat sich nun mit einer Videobotschaft - samt harscher Wortwahl - an die Invasionsarmee Wladimir Putins gewandt. Truchanow verurteilte die neuerlichen Angriffe auf Odessa und nannte die Russen auf Russisch „einsame Kreaturen ohne Moral und Werte“.
„Verrückte Nachbarn haben erneut Raketen auf eine friedliche Stadt abgefeuert. Ein Mensch starb, viele wurden verletzt. Viele Häuser und architektonische Wahrzeichen wurden beschädigt. Die Verklärungskathedrale wurde zerstört. Wir haben die Kasperovska-Ikone der Mutter Gottes, der Schutzpatronin von Odessa, aus den Trümmern herausgetragen“, sagte der Bürgermeister in seiner Videobotschaft.
Ukraine-Krieg: Bürgermeister von Odessa wettert gegen Russen
Truchanow erzählte weiter: „Alle Opfer erhalten Unterstützung. Operative Hauptquartiere wurden vor Ort eingerichtet, die Versorgungsbetriebe arbeiten. Und jetzt noch ein paar Worte auf Russisch, vor allem für die Russen. Wenn ihr nur wüsstet, wie sehr Odessa euch hasst. Nicht nur hasst, sondern verachtet.“ Die Angreifer würden kleine Kinder bekämpfen, erklärte er, „orthodoxe Kirchen. Was soll ich sagen? Eure Raketen fliegen sogar auf Friedhöfe. Ihr habt während dieses Krieges verschiedene Namen erhalten: Rassisten, Orks, Abschaum und Nissen. Aber das war noch schmeichelhaft. Ihr seid einsame Kreaturen ohne Moral und Werte. Und ohne Zukunft“.
Truchanow bekräftigte, dass seine Stadt sich nicht unterkriegen lassen werde. „Ihr kennt uns in Odessa nur sehr schlecht. Ihr werdet uns nicht brechen, sondern nur noch wütender machen“, sagte er und drohte förmlich: „Die Stärke unserer Verteidiger, vervielfacht durch die Wut und den Schmerz der normalen Menschen, wird euer Todesurteil. Ruhm der Ukraine!“ Odessa war zuletzt wieder verstärkt in den Fokus gerückt, nachdem der Kreml das Getreideabkommen mit dem westlichen Nachbarn nicht verlängerte. Moskau-Machthaber Putin drohte stattdessen dem zivilen Schiffsverkehr im Schwarzen Meer.
Ukraine-Krieg: Russische Armee konnte Odessa nicht erreichen
Mit Beginn der russischen Invasion hatten die Streitkräfte des Kreml vergeblich versucht, im Süden bis nach Odessa vorzurücken. Die Stadt, die mit ihrem großen Frachthafen ein wichtiger wirtschaftlicher Umschlagsplatz ist, gilt als stark befestigt. (pm)
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