VonFranziska Schwarzschließen
Russische Frauen berichten über Irreführung, Einschüchterung und Müdigkeit unter Soldaten des Landes - und das sogar vor einer Kamera.
Ulan-Ude (Russland) - Viele Soldaten in der Truppe Wladimir Putins stammen aus den besonders armen Regionen Russlands. Das zeigten zuletzt Recherchen des Mediums Proekt. Für diese Männer bedeutet die Armee oft nur eine Jobaussicht. Zugleich ist es brandgefährlich, in Russland den Ukraine-Konflikt als „Krieg“ zu kritisieren. Eine Gruppe russischer Frauen wurden jetzt in einer Videoaufnahme dennoch deutlich. Der Clip kursiert noch im Internet.
„Sie sind geistig und körperlich erschöpft“, zitiiert Sibir.Realii - das auf Siberien fokussierte Angebot des US-Senders Radio Free Europe – eine Frau aus dem Video. Sie ist nach eigenen Angaben Angehörige eines russischen Soldaten. Diese seien wochenlang nicht richtig ernährt worden. „Stellen Sie sich vor, einen Soldaten mit einer Dose Eintopf am Tag zu füttern.“ Bei den russischen Toten im Ukraine-Krieg sind Soldaten aus Randrepubliken laut Experten überproportional betroffen – etwa auch Burjatien in Sibirien. Hier entstand laut Bericht die Aufnahme.
Eine der Teilnehmerinnen hatte demnach die Bilder in Internet gestellt. Der ursprüngliche Beitrag ist inzwischen offenbar gelöscht, Sibir.Realii präsentierte auf Twitter aber ein Foto:
"Они истощены морально и физически. По их словам, неделями их не кормили нормально".
— Сибирь.Реалии (@sibrealii) June 30, 2022
Бурятские женщины побоялись обратиться к Путину и решили просить главу своей республики, чтобы вернул мужчин домой из Украины.https://t.co/XbHZNWnS1Y
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„Mein Bruder wollte zu einer ‚Übung‘ gehen, hat sich nicht für einen Krieg gegen ein anderes Land angemeldet“, sagte eine der russischen Frauen. Ihr Bruder habe sich nicht an den „Fleischwölfen“ beteiligen wollen. Aber er sei getäuscht und erst am Vorabend der Invasion informiert worden, dass es über die Grenze geht.
Eine weitere Frau beklagt, dass die ihr bekannten Soldaten „entsetzt“ über die Dauer des „Gemetzels“ seien. Widerstand falle ihnen aber schwer, denn: „Sie werden bedroht.“ Im Beitrag wandte sich eine Protestierende auch an Burjatiens Regierungschef Alexey Tsydenow: „Wir fordern, dass unsere Söhne und Ehemänner nach Hause zurückkehren!“
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Einige sagten laut dem Bericht, sie hätten sich lieber direkt an Kremlchef Wladimir Putin gewandt - aber nicht getraut. Kritische Meinungen sind in Russland öffentlich weitgehend ausgeschaltet. Ein neues Gesetz von Anfang März sieht für angebliche „Falschnachrichten“ über die Kampfhandlungen in der Ukraine bis zu 15 Jahre Haft vor. (frs)
