Sie waren auf sich gestellt

„Folgt der Drohne“: Video zeigt spektakuläre Rettung ukrainischer Soldaten

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Bei einem Einsatz bleiben ukrainische Soldaten auf dem Schlachtfeld zurück. Ihre Kollegen lassen sich etwas Kreatives einfallen, um sie vor der russischen Armee zu retten.

München/Saporischschja - Die Ukraine macht bei ihrer Offensive im Süden bei Robotyne weiter erheblich Druck. Zuletzt war dort ein Vorstoß auf einer Länge von 2,5 Kilometern gelungen, die russische Invasionsarmee musste weichen - während sie offenbar neben Tokmak auch Berdjansk am Asowschen Meer stärker befestigt.

Ukraine-Offensive: Mehrere Soldaten bei spektakulärem Drohnen-Einsatz gerettet

Dorthin wollen die Truppen Kiews im Ukraine-Krieg in den kommenden Wochen gelangen, um die Einheiten Moskaus auf der besetzten Krim neben den Attacken mit den Marschflugkörpern ins Visier zu nehmen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Offensive ist nördlich von Tokmak auf halber Strecke bis nach Berdjansk und zum ukrainischen „Widerstandsnest“ Melitopol festgefahren.

Und: Bei diesem Ziel müssen die Ukrainer selbst offenbar bitter hohe Verluste einstecken, vor allem durch dichte russische Minenfelder und den Kampfhubschrauber Ka-52. Mehrere Soldaten einer ukrainischen Panzereinheit wurden nun wohl bei einem spektakulären Einsatz gerettet. Das soll ein Drohnen-Video beweisen, das bei Twitter kursiert. Geteilt hat es ein proukrainischer Account.

Ein Rückblick: Allein in den ersten zwei Wochen der ukrainischen Gegenoffensive waren bis zu 20 Prozent der eingeplanten ukrainischen Waffen beschädigt oder zerstört worden - darunter sollen einige vom Westen gelieferte Kampfpanzer gewesen sein. Das berichteten nach Angaben der New York Times amerikanische und europäische Beamte. Verluste muss wohl auch die 1. Gardepanzerbrigade der ukrainischen Armee einstecken, die aus drei Panzerbataillonen besteht und vor dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Russen im Norden der Ukraine in Tschernihiw stationiert war.

Ukraine-Offensive: „Makhno“-Luftaufklärer lotsen Soldaten von russischer Armee weg

Offenbar halfen nun Drohnen-Luftaufklärer der Gruppe „Makhno“ den Kämpfern der Panzerbrigade bei der Flucht vom Schlachtfeld. Die Angaben lassen sich unabhängig verifizieren, die Aufnahmen sehen indes authentisch aus. Wo genau sich das Gezeigte zugetragen haben soll, wird nicht näher erklärt. Die Drohnen-Einheit ortete angeblich mehrere Soldaten mithilfe von Mavic-Quadrocoptern. Das sind recht unspektakuläre rechteckige Drohnen, wie sie im kommerziellen Gebrauch üblich sind - zum Beispiel in der Filmbranche oder auf größeren Baustellen. Das Praktische: An den Drohnen können Gegenstände mit einem Gewicht von bis zu einem Pfund (rund 0,45 Kilo) befestigt werden - zum Beispiel PET-Flaschen mit Trinkwasser.

Genau solche Flaschen warfen die Luftaufklärer offenbar über den Verstecken der vermissten Soldaten ab, versehen mit der Botschaft: „Trink das Wasser und folge der Drohne - da sind wir.“ So konnten die mit den typischen blauen Tapes gekennzeichneten Männer offenbar zu den ukrainischen Truppen laufen - und nicht direkt der russischen Armee in die Fänge. Kein Einzelfall?

Immer wieder müssen die ukrainischen Panzereinheiten empfindliche Treffer einstecken. „Russland hat seit der Invasion höchstwahrscheinlich etwa 40 Ka-52 verloren, aber dieser Typ hat der Ukraine auch einen hohen Preis abverlangt“, schrieb etwa das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Update vom 27. Juli bei Twitter zur Gefahr durch Kampfhubschrauber. Eine Erweiterung der Ka-52-Flotte sei die Ausrüstung mit einer neuen panzerbrechenden Luft-Boden-Rakete (LMUR) gewesen, die eine Reichweite von ungefähr 15 Kilometern habe, hieß es aus London. Der deutsche Leopard 2 beispielsweise lässt sich gegen diese Raketen wohl kaum verteidigen, da der Panzer zur Luftabwehr nur ein Maschinengewehr MG3 aufmontiert hat.

Ukraine-Offensive: Russische Kampfhubschrauber setzen westlichen Panzern wie „Leos“ zu

Die Russen seien in der Lage, mit Kampfhubschraubern und Kampfflugzeugen „unsere Gegenoffensivkräfte zu treffen“, hatte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Anfang Juli den Tageszeitungen Bild und Welt sowie der Website Politico erklärt. Allein beim Dorf Mala Tokmatschka wenige Kilometer nördlich von Robotyne soll die ukrainische Armee in einem großen Minenfeld am 8. Juni insgesamt 25 Minenräumer und Panzer verloren haben - einschließlich sieben gelieferten Leopard-2-Panzern, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb.

Walerij Saluschnyj, der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, hatte deshalb im Interview mit der Washington Post mehr US-amerikanische M58 Mine Clearing Line Charge (MICLIC)-Systeme zur Minenräumung gefordert. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@Alfaiomi

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