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„Putin erneut öffentlich gedemütigt“ - Selbst Kirgistans Präsident lässt den Kremlchef warten

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Dieses von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Foto zeigt Wladimir Putin mit Kirgistans Präsidenten Sadyr Dschaparow, während ihres Treffens im Rahmen des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ). Im Vorfeld musste Putin warten.
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Wladimir Putin trifft sich mit Verbündeten. Eine Szene mit Kirgistans Präsidenten wirkt jedoch nicht sehr freundschaftlich. Die Ukraine reagiert mit Häme.

Samarkand – Wladimir Putin sucht den Schulterschluss mit seinen Verbündeten. Am Donnerstag und Freitag läuft im usbekischen Samarkand ein Gipfeltreffen der sogenannten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Mit dabei sind China und Russland sowie Indien, Pakistan und die vier zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan.

Bei dem Treffen geht es vor allem um Machtsicherung. Die Gruppe versteht sich als Gegengewicht zu den USA. Eine in der Ukraine mit Häme bedachte Randnotiz des zweitägigen Termins: Der usbekische Präsident ließ Putin warten – und sorgte so abermals für unglückliche Bilder des Kremlchefs. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art im Laufe des Ukraine-Kriegs. Unabhängig davon ob gewollt oder nicht.

Kirgistans Präsident lässt Putin warten - Ukraine reagiert mit Häme

Videos zeigen Putin, der vor den Flaggen Russlands und Kirgistans auf seinen Amtskollegen Sadyr Dschaparow wartet. Der Kremlchef hält ein paar Zettel in der Hand, liest sich den obersten durch und legt den Stapel anschließend beiseite. Er wirkt etwas ungeduldig, wird dann aber wenige Sekunden später „erlöst“. Dschaparow kommt in den Raum – und begrüßt sein Gegenüber herzlich.

Der Ukrainer Anton Gerashchenko, Berater des ukrainischen Innenministeriums, teilte die Szene auf Twitter. Der frühere Vize-Innenminister der Ukraine schrieb: „Putin wurde erneut öffentlich gedemütigt.“ Früher habe der Kremlchef die Politkonkurrenz warten lassen, jetzt drehten seine Gegenüber den Spieß um. Hintergrund: Bei einem Treffen mit Türkeis Staatschef Recep Tayyip Erdogan musste Putin zuletzt ebenfalls alleine warten.

Wollte Dschaparow Putin wirklich „demütigen“? Die genauen Hintergründe seiner Unpünktlichkeit sind nicht bekannt. Eigentlich gelten die Beziehungen zwischen Kirgistan und Russland als vergleichsweise gut. Die ehemalige Sowjetrepublik ist der Russischen Föderation nach wie vor verbunden. Zuletzt schienen die Beziehungen aber etwas abzukühlen. Hintergrund sind offenbar ausbleibende Investitionen aus Moskau für das arme Land zwischen Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan und China. Bei der UN-Resolution, die die russische Invasion verurteilt, enthielt sich das Land. Ebenso übrigens wie alle anderen Teilnehmer des Gipfels. Nur Usbekistan war der Abstimmung gänzlich ferngeblieben.

Putin-Treffen in Usbekistan: Kremlchef auf der Suche nach Verbündeten

Fernab dieser Randnotiz stand auf dem Gipfeltreffen vor allem der gemeinsame Zusammenhalt auf der Agenda. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping rief die Gruppe zu einer Vertiefung der Kooperation auf. An einer solchen ist auch Putin interessiert. Ungeachtet der internationalen Ächtung aufgrund des Ukraine-Krieges bemühte er sich zu demonstrieren, dass er keineswegs isoliert ist.

Putin warf dem Westen einmal mehr Fehler vor und sagte, die Welt mache eine „unumkehrbare“ Transformation durch. Es entstünden neue Machtzentren in der Welt, meinte er auch mit Blick auf Russlands engere Zusammenarbeit mit dem Nachbarn China. Die Shanghai-Gruppe sei heute die größte regionale Organisation und offen für neue Mitglieder.

Putin dankte China für die „ausgeglichene“ Haltung im Ukraine-Krieg. Wie ist das Treffen zwischen den „alten Freunden“ einzuordnen? Der Termin wirke inhalts- und euphorielos, sende aber ein Signal an die Welt, analysiert unser China-Ressort. (as)

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