Mehr Unterstützung

Winterkrieg in der Ukraine: Experte sieht „verpasste Chance“ und rechnet mit westlicher Politik ab

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Experten fordern eine besser Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. (Symbolbilid)
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Angesichts des bevorstehenden Winters fordern Experten mehr Unterstützung für die Ukraine. Die fehlende Ausstattung der Ukraine sei eine „verpasste Chance“.

München - Seit mittlerweile fast neun Monaten verteidigen ukrainische Soldaten und Zivilisten ihr Land im russischen Angriffskrieg gegen Russland. Doch der bevorstehende Winter könnte die Situation im Ukraine-Krieg noch einmal verändern, meinen Experten. Gerade jetzt komme es auf die militärische Unterstützung der Ukraine an.

Ukraine-Experte sieht „verpasste Chance“ in fehlender Ausstattung

„Dass die Ukraine in der Phase der russischen Schwäche dieser Wochen nicht über genügend mechanisierte Kräfte mit Kampfpanzern, Schützenpanzern und Truppentransportern auf Ketten verfügt, könnte militärisch als große verpasste Chance im Herbst 2022 in die Geschichte eingehen“, schrieb der Politikwissenschaftler Nico Lange auf Twitter. Der ehemalige Leiter des Leitungsstabes im Verteidigungsministerium und Ukraine-Beobachter postet dort regelmäßig Updates im Ukraine-Krieg.

Seiner Einschätzung nach sei es gerade in der jetzigen Phase der Schwäche Russlands und kurz vor Wintereinbruch wichtig, die Ukraine militärisch zu unterstützen. „Die Bodenbedingungen sind schwierig, die Mobilität beider Seiten ist derzeit eingeschränkt“, erklärt Lange. Deshalb seien Fahrzeuge, die noch vor kurzem in die Ukraine geschickt wurden, bereits nicht mehr hilfreich im Krieg gegen Russland. In der aktuellen Situation benötige die Ukraine Panzer und Transporter auf Ketten.

Prognosen für den Ukraine-Krieg: Experte vermutet Stellungskrieg im Winter

Mit Blick auf die russische Strategie vermutete der Ukraine-Experte, dass Russland mit aller Kraft versuchen werde, einige Ortschaften einzunehmen, um sie für die Überwinterung an der Front nutzen zu können. Damit könnte Moskau die Ukraine in weniger wintergeschützte Verteidigungsstellungen auf offenem Feld zwingen. Um stärker gegen die Ukraine vorgehen zu können, startete Russlands Präsident Putin eine Teilmobilmachung. Doch angesichts unerfahrener Offiziere könnten die Effekte auf den Krieg gering sein.

Da Russland auf militärischer Ebene wenig Siege zu verzeichnen hat, werde Putin die „kriegsverbrecherischen Luftangriffe auf die ukrainischen Infrastrukturen für Energie und Heizung fortsetzen“, erklärte Lange. Die Ukraine müsse von ihren Unterstützern besser ausgestattet werden, meint der ehemalige Leiter des Ukraine-Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Experte rechnet mit Westen ab: Endlich Entscheidungen fällen

„Die Ukraine braucht weiterhin Kampfpanzer, Schützenpanzer, 155mm-Artillerie und viel Munition“, erklärte Lange. Die Luftverteidigungssysteme kämen spät und seien noch zu wenige. Außerdem benötige die Ukraine dringend mehr Flugabwehr, Raketen und Drohnen.

„Für die Winterfestigkeit braucht die Ukraine mehr Fenster, Scheiben, Baumaterial und Materialien zur Dämmung“, schrieb Lange. Deutschland und andere westliche Partner müssten deshalb weiterhin Aggregate, Generatoren, mobile Heizungen und Ersatzteile wie Transformatoren liefern.

Mit Blick auf den Winter komme es jetzt vor allem auf drei Dinge an: „Soforthilfe für Reparatur der Infrastrukturen und Winterfestigkeit, sowie schnellere und mehr Lieferungen von Flugabwehr und Munition dafür“. Zudem müssten endlich Entscheidung für die Lieferung von Kampfpanzern und Schützenpanzern gefällt werden, forderte Lange. (sf)

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